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Umstrittenes Hochwasserschutzbecken immer teurer - Mit Nachschlag über eine Million

Eine Flut an Kosten

Werther (WB). In Werthers großem Hochwasserschutzbecken sammelt sich nicht nur das Wasser des womöglich eines Tages hochschwellenden Schwarzbaches. In dem Baukörper sind mittlerweile mehr als eine Million Euro Baukosten »versickert«. Zuletzt musste der Stadtrat dabei noch einen kräftigen Kostennachschlag genehmigen.

Stefan Küppers

Die Luftaufnahme verdeutlicht im Vergleich zu den Gebäuden auf dem Hof Venghaus (Nähe Sportplatz Meyerfeld) die Dimension der Hochwasserschutzanlage mit zwei Becken. Die Baukosten sind jetzt auf über eine Million Euro geklettert. Foto: Ulrich Fälker

Das Bauwerk hat eine lange Geschichte, die ihren Anfang am 18. Januar 2007 nimmt. Während des Jahrhundertorkans Kyrill konnte Werthers Kanalisation die anfallenden Wassermassen nicht mehr bändigen. Vor der Unterführung des Schwarzbaches am Busbahnhof war ein Gitter durch Äste und andere Trümmerteile verstopft, sodass sich das Wasser einen anderen Weg über die ZOB-Senke suchte. Die Wasserschäden im Stadthotel beziehungsweise der Gaststätte Sedan, im Evangelischen Gemeindehaus sowie auch in angrenzenden Häusern und Garagen waren erheblich.

Kommentar

Man muss ja nicht gleich das böse Wort von der »Talsperre« verwenden. Doch wer die Dimensionen der Hochwasserschutzanlage sich mal aus der Nähe beguckt, wer die kleinen Bach zuläufe in die so großen Becken betrachtet, wer weiterhin den hohen Wall zwischen den Becken in den Blick nimmt, den überkommt unwillkürlich ein Störgefühl. Das steigert sich noch, wenn man vernimmt, dass dieses Monument zur Drosselung eines Jahrhundert-Hochwassers schon mehr als Million Euro gekostet hat.

Ein Glück muss die Stadt nur 20 Prozent der Kosten tragen. Oder liegt hier vielleicht genau der Grund für die entstandene Kostenflut? Das Störgefühl sagt einem, dass dieses Projekt noch ein Fall fürs Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes werden könnte. Stefan Küppers

Um nicht weitere Millionenschäden zu riskieren, entschloss sich die Stadt zum Bau eines Hochwasserschutzbeckens direkt angrenzend an den Hof Venghaus am Teutoburger-Wald-Weg. Rund 1,4 Hektar hat der Landwirt vor Jahren an die Stadt verkauft. Doch über das, was dann entstehen sollte, gab es immer wieder Streit.

Ausmaß und Sinn werden kritisch hinterfragt

Heinrich-Theodor Venghaus war es wichtig, dass sein Hof und Garten durch das Bauwerk nicht beeinträchtigt würde. Und so traf er nach eigenen Angaben mit der Stadt und dem Umweltbeauftragten Werner Schröder detaillierte Verabredungen zur Gestaltung unter anderem eines Walls zur Abgrenzung des Hochwasserschutzbeckens.

Dass diese Vereinbarung dann dem Planungsbüro nicht vorgelegen haben soll und nach Darstellung von Venghaus plötzlich ganz anderes als verabredet geplant wurde, sorgte für so großen Ärger, dass irgendwann nur noch Rechtsanwälte miteinander sprachen. »Jetzt ist die Angelegenheit in unserem Sinne geregelt, aber das Hochwasserschutzbecken ist aus meiner Sicht natürlich völlig überdimensioniert. Auch der Wall zwischen den Becken erscheint mir sehr hoch«, sagt Venghaus.

Der Landwirt ist nicht der einzige Kritiker des Projekts. Beispielsweise aus Reihen der Wertheraner UWG ist immer wieder das Ausmaß und die Sinnhaftigkeit dieser Investition sehr kritisch hinterfragt worden.

Baukosten betragen bereits eine Million Euro

»Die Anlage erscheint wirklich sehr groß«, räumt Bürgermeisterin Marion Weike im Gespräch mit dem WB ein. In der Summe sind mittlerweile mehr als eine Million Euro Baukosten zusammen gekommen. Genaue Zahlen will die Bürgermeisterin erst nennen, wenn alles rechnerisch sozusagen wasserdicht ist.

Weike verweist darauf, dass die Ausmaße und die Konstruktionen der zwei nebenliegenden Hochwasserschutzbecken durch ein Fachbüro so gerechnet worden sind, dass ein Hochwasser, das statistisch alle hundert Jahre vorkommt, durch Wasserrückhaltung schadlos für die Stadt verarbeitet werden kann. »Man muss bedenken, welch großer Zuflussbereich hier abgedeckt wird«, fügt Weike hinzu. Tatsächlich kommen am Hof Venghaus zwei Zuflüsse des Schwarzbaches aus dem Teutoburger Wald zusammen.

Keine Fördermittel ohne zweites Becken

Marion Weike zeigt sich überzeugt, dass dieses Projekt nicht »großgerechnet« worden ist, weil immerhin 80 Prozent der Kosten vom Land übernommen werden. »Das ist schon die passende Größe«, sagt Weike und verweist auf Gespräche mit der Bezirksregierung Detmold, die hier mit ihrem Sach- und Fachverstand auch als Korrektiv gewirkt habe. Und ohne zum Beispiel das zweite Becken hätte es laut Weike keine 80 Prozent Landesförderung gegeben.

Der Stadtrat hat für das ohnehin teure Projekt in seiner jüngsten Sitzung nochmals einen Nachschlag von 205.650 Euro bewilligt. Die Mehrkosten waren laut Vorlage aufgrund einer zweijährigen Bauverzögerung, Stillstandskosten, einer erneuten Baustelleneinrichtung, allgemeiner Preissteigerungen sowie zusätzlichen Planungskosten entstanden. Ergänzend erklärt Weike dem WB, dass insbesondere die Kosten für die notwendige Deponierung von Boden bei den Mehrkosten zu Buche geschlagen hätten. Die Bürgermeisterin geht davon aus, dass die 205.000 Euro Zusatzkosten auch von der 80-prozentigen Landesförderung erfasst werden.

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