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Trotz abgespeckter Chorgröße verzaubert Opus Arte bei zwei Konzerten im Haus Werther

Endlich wieder große Oper

Werther (WB). Ein Regenbogen beschließt das Konzert des Opernchores Opera Arte im Haus Werther. Damit wird es vor allem für die Besucher am Abend zu einem einmaligen Erlebnis, auch wenn zwischendurch die Regenschirme nötig werden.

Eische Loose

Tatsächlich lange Spitzenunterhosen: Wer sich unter den opulenten Röcken des Opernchores Opus Arte stets Modernes gedacht hatte, ist beim Konzert am Haus Werther dank des Windes eines Besseren belehrt worden.                                                         Foto: Eische Loose

Nachmittags sind 61 und abends 68 Zuschauer zu dem traditionellen, in diesem Jahr einmaligen Spektakel im Haus Werther gekommen. Denn durch die Corona-Epidemie steht die gesamte Aufführung auf dem Prüfstand. So hat Reiner Beinghaus als künstlerischer Leiter zunächst die Veranstaltung in zwei separate Konzerte getrennt. Gleichzeitig begrenzte er die Teilnehmerzahl – und das nicht nur bei den Zuschauern. Auch die Sänger treten am Samstag mit nur 15 Stimmen der üblichen 25 an. Dennoch tut die Akustik im Innenhof des alten Gebäudes ein Übriges, um einen wunderbaren und harmonischen Musikgenuss zu garantieren.

Dazu benötigt es noch nicht einmal eines Aperitifs, wie er sonst üblich ist. Zwar haben einige Gäste ihre Gläser und Sektflaschen mit gebracht. Doch beginnt auch für alle anderen eine »Belle Nuit« (»Schöne Nacht«). Im Fall der Nachmittagsbesucher natürlich ein »Belle Aprésmidi«. Dafür haben sie zumindest die Sicherheit des Wetters. Am Abend wandert hingegen oft genug der Blick gen düsteren Himmel und am Ende erleben die Besucher schließlich doch den Regenguss.

Keine Picknick-Pause

Zum Glück also hat Reiner Beinghaus auch die verlängerte Picknick-Pause gestrichen. So können sich nacheinander Offenbach und Strauss, Lehar und Verdi entfalten, vor allem aber die Sänger. Hier setzen vor allem die Damen in ihrem unverwechselbar schwingenden Chor Höhepunkte und auch die diversen Soli erst ins rechte Licht. Dabei zeigen sie manchmal mehr als gewollt, weil ihnen die starken Böen die voluminösen Reifröcke heben. Und doch kann Annette Barrelmeier im Viljalied gekonnt schmachten und Manuela Brenker Scholz als Madame Butterfly zart schmelzen.

Manuela Heinrich hingegen überzeugt gleichermaßen als Solistin als auch als Chorsängerin mit ihrem Temperament, obwohl der eher geruhsame »Csárdás« von Strauss schon fast betulich daher kommt. In diese ruhige Stimmung reihen sich auch die Herren ein. Wolfgang Bruns, Dieter Westmeier und Horst Dieter Schumacher erhalten dabei als Ensemble Unterstützung von Reiner Beinghaus selbst. Hier lässt er seiner tiefen Stimme freien Lauf. Doch auch die hohen Noten des Countertenors, die er im »Wolgalied« gleichberechtigt einsetzt, komplettieren den Abend.

Konzert in Stockkämpen

Der erhält einen besonderen Höhepunkt mit Mozarts »Soave sia il vento«. »Wir filmen dieses Stück für eine liebe Freundin und ehemalige Sängerin von uns«, erklärt Reiner Beinghaus, warum der Chor am Ende winkt. Einen weiteren Höhepunkt steuert der Himmel bei. Als der Chor zur Zugabe ansetzt, verziert er die Wolken, die zuvor für einen ordentlichen Schauer gesorgt haben, mit einem Regenbogen. Ein solchen zaubert auch Horst Dieter Schumacher, als er das Konzert offiziell mit »Nessun dorma« beschließt. Schon zuvor hat er sich mit »Di quella pira« als echter Troubadour aus der gleichnamigen Oper von Verdi erwiesen.

Einen weiteren Operetten-Genuss plant der Chor Opus Arte im Café Altes Pfarrhaus Stockkämpen. Dort startet das Konzert um 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) am Freitag, 28. August. Anmeldung ist dringend erforderlich.

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