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St. Jacobistift Werther bietet zu Weihnachten Schnelltests auch für Angehörige von Bewohnern und Beschäftigten

Erst zum Test, dann zur Oma

Werther

„Ich muss mich so verhalten, als ob ich positiv wäre, nur so schaffe ich Sicherheit.“ Diese grundsätzliche Einschätzung äußert Hergen Bruns, Einrichtungsleiter des Evangelischen Altenheims St. Jacobistift in Werther.

Johannes Gerhards

Mit Optimismus und Zuversicht in die Zukunft blicken wollen (von links) Bürgermeister Veith Lemmen und sein Sohn, Pflegedienstleiterin Kerstin Simon und Hergen Bruns als Einrichtungsleiter des Altenheims St. Jacobistift Foto: Johannes Gerhards

Zu Weihnachten reiche es nicht aus, an die Rationalität zu appellieren, weil die Feiern immer auch mit Emotionalität verbunden sind. Vor diesem Hintergrund ist das Angebot zu verstehen, über die Feiertage „unsere Bewohnerinnen und Bewohner auch in ihrem familiären Umfeld besser zu schützen“.

Derzeit werden im Jacobistift die 57 Bewohner bis zu zweimal pro Woche und die 62 Beschäftigten mindestens jeden dritten Tag per Antigen-Schnelltest auf den Covid-19-Erreger getestet. Ähnliches gilt für Besucher – mit dem Ergebnis, dass die Einrichtung bisher als Covid-frei gilt. Alle Beteiligten setzen sich mit Nachdruck dafür ein, dass es so bleibt. „Wir können das nur gemeinsam schaffen“, so zitiert Pflegedienstleiterin Kerstin Simon in abgewandelter Form die Kanzlerin. Sie fokussiert sich auf ihre Arbeit und lässt sich von Corona nicht unter Stress setzen, denn sonst „kann es mir ja nur schlecht gehen“.

Für Hergen Bruns ist es in Ordnung, wenn Bewohner das Fest im Kreise ihrer Angehörigen verbringen, aber eben auch ein Risiko. Es gilt der Appell, im kleinen Kreis zu feiern. An genau diese Personengruppe richtet sich die jetzt initiierte Aktion, für die sich rund 20 ehrenamtliche Helfer, darunter acht Fachkräfte fanden. Für Bürgermeister Veith Lemmen ist das ein lobenswertes typisches Stück Werther nach der Devise „Man kennt sich – man hilft sich“.

„Wir haben Glück, in Werther zu sein“, betont auch Kerstin Simon, die die Alltagsbegleiter deutlich entlastet sieht. Auch Mitarbeiter des Hauses und ihre Liebsten können sich an den Feiertagen testen lassen, um sicher zu gehen, das Virus nicht zufällig und unbeabsichtigt ins Haus zu tragen. Hergen Bruns will die Testungen unter dem Aspekt „Gelassenheit unter dem Weihnachtsbaum“ auch als Dank an die Beschäftigten verstanden wissen.

Derweil fällt im St. Jacobistift Weihnachten keineswegs aus. „Auf jeder Station feiert Pastor Moritz einen kleinen Gottesdienst“, sagt Kerstin Simon. Im Anschluss an ein gemütliches Essen erhalten alle Bewohner individuelle Geschenke. Nur die musikalische Untermalung kommt dieses Jahr aus der Konserve, da gemeinsames Singen nicht erlaubt ist.

Zur Zeit bündelt das Pflegepersonal alle Kräfte, aber nach der Krise kommt es nach Bruns‘ Ansicht auf einen guten Austausch mit der Politik an, um auf Pandemien besser vorbereitet zu sein. Steigende Bewerberzahlen für die Pflegeausbildung zeugen laut Kerstin Simon von zunehmender gesellschaftlicher Akzeptanz. Ihr geht es aber nicht in erster Linie um angemessene finanzielle Anreize. Sie möchte vor allem „human pflegen und den Menschen sehen, nicht das Papier oder den PC“, sagt sie mit Blick auf bestehende bürokratische Hindernisse. Im St. Jacobi- stift gibt es künftig statt einer gleich drei neue Azubi-Stellen.

Während Veith Lemmen davon ausgeht, dass wir mindestens bis zum Herbst mit dem Risiko leben müssen, stellen sich die Pflegeeinrichtungen bereits auf die anstehenden Corona-Schutzimpfungen ein. „Ich möchte natürlich, dass möglichst bald möglichst alle geimpft werden“, betont Hergen Bruns. Wann genau seine Einrichtung an die Reihe kommt, kann auch er aber nicht sagen. Die Bedingung „infektionsfrei“ erfüllt sein Haus, weitere vom Kreis Gütersloh festzulegende Kriterien sind die räumliche Lage und die Zahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen.

„Wenn ein mobiles Impfteam ins Haus kommt, macht es Sinn, gleich Bewohner und Beschäftigte zu impfen“, sind sich Einrichtungs- und Pflegeleitung einig. Allerdings wird es dauern, bis geimpfte Personen immun sind. Nach 21 bis 28 Tagen muss nachgeimpft werden, anschließend werden weitere Tage vergehen, bis ein definitiver Schutz besteht. Unklar ist bisher auch noch, ob auch geimpfte Personen das Virus weitertragen können.

Alle, die Verantwortung tragen, müssen laut Veith Lemmen bei ihren Entscheidungen zahlreiche Eventualitäten berücksichtigen. Dabei können Zuversicht und Optimismus durchaus gute Ratgeber sein. Kerstin Simon hat das Beispiel einer Generation vor sich, die nach eigenen Angaben schon Schlimmeres überstanden hat. Es sei also nicht ratsam und helfe niemandem, den Kopf in den Sand zu stecken, so das gemeinschaftliche Fazit am Ende des Corona-Jahres.

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