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Interview mit Promi-Talker Hubertus Meyer-Burckhardt vor seiner Lesung in Werther

»Frauen sind weniger wehleidig«

Werther (WB). Er ist gewandter Plauderer in der NDR-Talkshow und im NDR-Radio, aber auch hierzulande ein Promi. Hubertus Meyer-Burckhardt kommt Dienstag, 15. Mai, zur Autoren-Lesung in die Aula der Böckstiegel-Gesamtschule. WB-Mitarbeiterin Petra Kramp hat ihn zu seinen »Frauengeschichten« befragt.

Hubertus Meyer-Burckhardt mit einer seiner starken Frauen. Gemeinsam mit Barbara Schöneberger moderiert er am Freitagabend die NDR-Talkshow. Zusätzlich hat der Medien-Profi eine Radiosendung, aus der seine »Frauengeschichten« stammen. Foto: dpa

Der Untertitel des aktuellen Buches »Frauengeschichten« lautet: »Was ich von starken Frauen gelernt habe.« Warum möchten Sie trotzdem nicht »Frauenversteher« genannt werden?

Hubertus Meyer-Burckhardt: In dem Wort Frauenversteher steckt der Gedanke drin, dass Frauen alle gleich sind und genau damit wird man den Frauen nicht gerecht. Es gibt Frauen, die möchte ich lieber verstehen, aber es gibt auch durchaus Frauen, die verstehe ich beim besten Willen nicht und es gibt sogar Frauen, die möchte ich gar nicht verstehen. Denn nur das Geschlecht ist ja noch kein Privileg an sich.

Was ist Ihre persönliche Quintessenz aus den zum Teil sehr offenen und rundheraus ehrlichen Gesprächen? Was vereint diese »starken Frauen«, was haben Sie daraus gelernt?

Meyer-Burckhardt: Was ich von starken Frauen gelernt habe ist zweierlei. Erstens: Frauen definieren sich weitaus mehr über die Person als über ihre Funktion, was bei Männern oft der Fall ist. Nimmt man denen die Funktion, bleibt von der Person häufig nicht viel übrig. Zweitens: Ich glaube, dass Frauen allein schon aufgrund ihres Körpers eine andere Verantwortung haben, einen anderen Erwartungshorizont, allein aufgrund der Tatsache, dass sie sich für oder gegen Kinder entscheiden, dann die Doppelbelastung, dass sie eine Mehrbelastung haben als Berufungstätige und Mutter und Ehefrau. Zudem sind Frauen weitaus weniger wehleidig, als Männer es teilweise sein können.

»Rod Stewart begleitet mich seit meinem 14. Lebensjahr«

In dem Gespräch mit der Regisseurin Doris Dörrie, die den Tod Ihres Lebenspartners verkraften musste, zitiert diese einen Zen-Mönch aus dem 13. Jahrhundert: »Jeder Tag ist ein guter Tag.« Sie selbst entgegneten: »Entweder man siegt, oder man lernt.« Ist nicht gerade der Begriff des Siegens eine total männliche Herangehensweise?

Meyer-Burckhardt: Das habe nicht ich gesagt, sondern das ist eine buddhistische Weisheit. »Entweder du siegst oder du lernst. Das mag sein. Aber wir wollen ja gewinnen. Die Weisheit dieses Zitats hat ja den Charme, dass man letztlich nicht verlieren kann. Sie können gewinnen oder Sie können lernen, aber Sie können nicht verlieren.

In Ihrer Radiosendung ist es üblich, dass »jedefrau« drei für sie wichtige Lieder mitbringt. Sie spielen jedes Mal einen Rod Stewart Song. Warum?

Meyer-Burckhardt: Es ist Rod Stewart, weil er mich seit meinem 14. Lebensjahr begleitet, er ist sozusagen der Soundtrack meines Lebens. Und in einer Radiosendung versucht man ja immer, eine Merkfähigkeit hinzukriegen, etwas, was diese von anderen unterscheidet. Und weil es ja eine sehr persönliche Sendung ist, spiele ich immer eine von seinen rund 400 Songs. Also eine persönliche Liebe zu dieser Musik.

Mit Elke Heidenreich, die Sie als »einzigen noch lebenden Anwalt der Literatur« geradezu verehren, verbindet Sie ein sogenanntes Buchstaben-Spiel. In einem aberwitzigen Ritual schicken Sie sich gegenseitig Buchstaben in jeglicher Form zu. Wie kam es dazu?

Meyer-Burckhardt: Da muss ich überlegen, ja, es fing spielerisch an. Elke hat mir irgendwann mal erzählt, dass sie in ihrer Kindheit über die Buchstabensuppe zur Literatur gefunden habe. Mit 26 Nudelbuchstaben kann man Geschichten erzählen. Und ich schickte ihr dann aus Spanien echte spanische Weingummis in Buchstabenform. Und gerade heute habe ich ihr eine Sahne-Spritzpistole samt Torte nach Köln geschickt. Mit der kann man Buchstaben auf Torten zaubern.

Elke Heidenreichs Figur »Else Stratmann« – was die langfristige Entwicklung der Weltlage angeht, ist sie alles andere als optimistisch eingestellt. Glauben auch Sie, dass die Dummheit über die Intelligenz »in einigen dreistelligen Jahren« obsiegen wird?

Meyer-Burckhardt: Mich hält mein Optimismus zusammen. Ich halte es mit dem berühmten englischen Philosophen Karl Popper, Lieblingsphilosoph von Helmut Schmidt. Der hat den schönen Satz gesagt: Es gibt zum Optimismus keine vernünftige Alternative. Egal in welcher Lebenssituation Sie sind – finanziell, beruflich, gesundheitlich. Das ist auch meine Devise. Also ich gehe zuversichtlich durchs Leben, aber eben auch nicht naiv.

Das Gegenteil in Sachen Pessimismus ist Ihre vor Lebenslust nur so strotzende Interviewpartnerin Marianne Sägebrecht. Sie hat sich auf eine andere Weise in Ihr Herz gebrannt, dass Sie sie – neben Ihrer Frau – am Sterbebett sitzen haben möchten. Warum?

Meyer-Burckhardt: Weil sie mir sehr nahe steht, weil sie meine Freundin ist. Sie vereint die wunderbare Mischung aus katholischer bayrischer Lebensfreude und dem tiefen Wissen um die Endlichkeit. Da ich selber die Hospizbewegung unterstütze und weiß, wie wichtig es ist, dass Menschen nicht alleine sterben. Es sei denn, sie wünschen es ausdrücklich. In einer Mischung und Ernst habe ich mal gesagt: Marianne wäre auf meinen letzten Metern mehr als Willkommen neben meinem Sterbebett. Denn ich würde gerne mit einem Lächeln sterben. Das ist bei ihr garantiert.

Wer ist Ihre absolute Wunschkandidatin, die Sie liebend gerne mal interviewen würden?

Meyer-Burckhardt: Sicherlich Jil Sander, die Modeunternehmerin. Aber Sie wissen ja, dass mein eigentlicher Beruf Filmproduzent ist. Wenn ich unendlich viel Geld hätte, würde ich das Leben der Jill Sander verfilmen. Das würde mir noch viel mehr Spaß machen. Und da sie schon eine ältere Dame ist, müsste man dann zwei bis drei Darstellerinnen nehmen, für die junge, die mittelalte und die Jil Sander heute. Aber wegen der vielen Zeitspannen würde dies bei der Umsetzung naturgemäß sehr teuer.

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