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Die Klimatechnik im Böckstiegel-Museum in Werther muss viele Herausforderungen meistern

Frischluft direkt aus dem Wald

Werther (WB). Das Ölgemälde »Selbstbildnis mit Mutter« stellt die gleichen Ansprüche wie das Aquarell »Westfälischer Bauer«, Leinwand wie Papier, Zeichnungen wie Drucke. Sie nehmen schwankende Temperaturen ebenso übel zu große Feuchtigkeit oder zu viel Trockenheit. Eine Herausforderung an die Klimatechnik im neuen Böckstiegel-Museum, die in diesen Tagen ihre ersten Testläufe absolviert.

Klaus-Peter Schillig

Hinter großen Rohren steht eine filigrane Planung: Die beiden Fachplaner Sven Miehe und Thomas Gürlich (rechts) von der Firma Gebautec stehen vor der Fortluft-Leitung, die das Lüftungssystem des neuen Museums verlässt. Foto: Klaus-Peter Schillig

Mal muss gekühlt werden, mal geheizt, das mitunter innerhalb von 24 Stunden. Im Winter muss die Raumluft zusätzlich befeuchtet werden, im Sommer muss Wasser entzogen werden. Das alles mit einem denkbar trägen System, wie Thomas Gürlich erläutert. Der Steinhagener ist Inhaber des Ingebieurbüros Gebautec und hat als Fachplaner die gesamte Klimatechnik des neuen Böckstiegel-Museums entworfen. Ausgeführt haben es heimische Handwerksbetriebe.

Vollgestopft mit Technik

Nahezu ein Viertel der Grundfläche im Kellergeschoss ist vollgestopft mit Technik. Hier wird die Heizung ebenso gesteuert wie die Be- und Entlüftung. Die muss auf Temperaturschwankungen draußen reagieren, aber auch auf die Busladung von Menschen, die im Winter nahezu gleichzeitig die Ausstellung besuchen und eine Menge Körpertemperatur, aber auch Nässe mit hineinbringen. Die Heizung kann das nicht ausgleichen, denn die arbeitet mit Wärmepumpen und kilometerlangen Metallschlangen in den Betondecken und -wänden – die sowohl heizen als auch kühlen können.

Eine Meisterleistung, weil die Räume bis zu sechs Meter hoch sind, mit teilweise schiefen Ebenen. Das Erdgeschoss mit Foyer und Ausstellungsräumen sowie das Kellergeschoss mit Sanitärbereich, Technik, Schulungsraum und vor allem dem Lager werden getrennt gefahren. Die Leitungen in den Betonwänden, gespeist über die Wärmepumpen aus sechs Sonden, die Wasser aus 165 Meter Tiefe fördern, werden maximal 38 Grad warm. Zum Vergleich: Die Heizstrahler im Gerry-Weber-Stadion können bis zu 1000 Grad heißt werden.

Immer 45 Prozent

Die 20 Grad im Winter und die bis zu 24 Grad Raumtemperatur im Sommer mit einer Luftfeuchtigkeit von möglichst gleichbleibenden 45 Prozent zu fahren, ist in erster Linie eine Aufgabe der Lüftung. Allerdings sollen die Museumsbesucher davon nichts merken – kein Ventilatorgeräusch und keinen Zug. Die vier Quellluft-Auslässe befinden sich an den Stirnseiten der Ausstellungswände, die verbrauchte Luft wird an der höchsten Stelle der zentrale Säule angesaugt und in den Keller abgeleitet.

Die frische Luft kommt direkt aus dem Wald. Rechts neben dem Weg zum alten Böckstiegel-Haus ist der Ansaugstutzen, der sich hinter einer Skulptur verbergen wird damit selbst zum Kunstobjekt wird. Wärmetauscher und Vorerhitzer bringen die Frischluft auf »Betriebstemperatur«.

Streng überwacht

Die Anforderungen an Klima, Brandmeldeanlagen und Einbruchschutz sind nicht nur wegen der Böckstiegel-Werke so anspruchsvoll, sondern auch wegen der möglichen wertvollen Leihgaben aus anderen Sammlungen. »Alle Anlagen sind über ein Leitsystem miteinander vernetzt, Temperatur und Feuchtigkeit werden permanent mitgeschrieben«, sagt Thomas Gürlich. Und er warnt schon mal mögliche Kunstdiebe: »Sogar die Lüftungsrohre werden von der Einbruchmeldeanlage überwacht.« Schließlich gucken auch Planer mal Krimis.

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