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Online-Bürgerbeteiligung zeigt: Klimafreundliche Mobilität ist ein heißes Thema

Gute Ideen und heikle Streitfragen

Werther  (WB). Die Ravensberger Straße als Einbahnstraße oder gar teilweise autofrei? Wie sieht die sicherste Lösung für Radfahrer an der viel befahrenen Enger­straße aus? Wo kann ich mein hochwertiges Rad in der Innenstadt anschließen? Diese und viele weitere Fragen werden derzeit in der Online-Ideenliste zum Thema „Klimafreundliche Mobilität“ heiß diskutiert. Verkehrsplaner Dennis Stocksmeier und Werthers Klimaschutzmanagerin Annika Nagai haben jetzt über den Stand der Dinge informiert.

Gunnar Feicht

Zwei Radfahrer haben die Ravensberger Straße für sich allein: Das gibt es so wohl nur am Samstagnachmittag. Die Belange aller Verkehrsteilnehmer und der Wertheraner Geschäftsleute zu vereinen, ist eine Aufgabe des Mobilitätskonzepts. Foto: Gunnar Feicht

Die Zahl der Bürgerbeiträge auf der Ideenliste (68 Posts und viele Kommentare bis Freitagvormittag) zeugt von regem Interesse. Und eine andere Statistik belegt, dass es sich in Werther lohnt, noch mehr Leute durch clevere Ideen dazu zu bringen, das Auto öfter stehen zu lassen und alltägliche Wege in der Innenstadt zu Fuß oder per Rad zu erledigen: Eine Erhebung des Kreises Gütersloh ergab, dass 2014 kreisweit für innerstädtische Wege 56 Prozent der Menschen das Auto nutzten und immerhin 22 Prozent das Fahrrad – in Werther hingegen war das Verhältnis 67 zu 12.

Belange unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer unter einen Hut bringen

„Das ist selbst für den ländlichen Raum ein relativ hoher Wert. Hier gibt es viel Potenzial für Verbesserungen“, sagt Dennis Stocks­meier. Der Projektleiter für eine klimafreundliche Mobilitätswende in Werther arbeitet bei der „Planersocietät“ in Dortmund, stammt aber aus Vlotho. Er kennt die Erfordernisse von Kommunen mit einer Kernstadt und räumlich zergliederten Ortsteilen. Vor diesem Hintergrund die Belange unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer unter einen Hut zu bringen, ist die Aufgabe des Verkehrsplaners.

Seit Anfang Mai ist die Ideenkarte für Vorschläge aus der Bevölkerung freigeschaltet. „Viele gute Ideen“ hat Dennis Stocksmeier bereits entdeckt. Aber die Kommentar- und die Abstimmungsfunktion („finde ich auch“, „finde ich nicht“) offenbart, dass auf dieser Plattform auch der ewig tobende Streit zwischen Autofahrern und nicht motorisierten Verkehrsteilnehmern ausgefochten wird. Der entzündet sich zum Beispiel an vielen Vorschlägen zur Ravensberger Straße: Das Pro und Kontra des umstrittenen Holperpflasters, eine Einbahnregelung oder gar die Verbannung des motorisierten Verkehrs werden ins Gespräch gebracht. „Das sind natürlich teilweise hochpolitische Fragen, die zudem von uns unter dem Aspekt der Interessen des Einzelhandels und der Aufenthaltsqualität betrachtet werden müssen“, sagt Dennis Stocksmeier.

Neben der Ravensberger Straße weitere Schwerpunktthemen

Werthers Klimamanagerin Annika Nagai ist froh über die vielen konkreten Ansätze für die Planer. Sie wünscht sich aber, dass es im Endspurt der Beteiligungsphase konstruktiver zugeht als bisher bei der offen geäußerten Ablehnung in einigen Diskussionsbeiträgen: „Das Ziel ist doch allein, auf der Basis unterschiedlicher Meinungen gemeinsame Ideen zu entwickeln und umzusetzen.“

Neben der Ravensberger Straße zeichnen sich weitere Schwerpunktthemen ab: Der Radverkehr an der Engerstraße (Radwege-Benutzungspflicht, kombinierter Rad-/Gehweg, Schutzstreifen auf der Fahrbahn), Vorschläge für diverse neue Fußweg-Verbindungen (z.B. von der Heinrichstraße zum Parkplatz des Böckstiegel-Museums) und detaillierte Hinweise auf viele Gefahrenstellen. Aber die Ideen richten sich auch auf eine bessere Nahverkehrsanbindung an Bielefeld (Thema ungünstige Tarifstruktur) oder eine direkte Radverbindung in die Großstadt.

Bürgerreaktionen werden jetzt ausgewertet

Das Planungsbüro geht nach einer Bestandserhebung jetzt daran, die Bürgerreaktionen auszuwerten. Zudem fließen Ergebnisse von Verkehrszählungen in die weitere Arbeit ein. Wegen der Corona-Krise konnte die vorgesehene Planungsradtour mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern bisher nicht stattfinden. „Auch die ersten Zählungen werden erst kurz vor den Sommerferien stattfinden, weil die Einschränkungen durch die Pandemie auch den Verkehr gegenüber dem Normalzustand verändert haben“, erläutert Annika Nagai. Unmittelbar nach den Sommerferien werde es eine zweite Zählungsphase geben.

Ende Juni will das Planungsbüro aber bereits einen Zwischenbericht mit Bestandsanalyse und Auswertung der Bürgerbefragung vorlegen. Die Planungsradtour soll nachgeholt werden. „Denn wir wollen mit unserer Arbeit möglichst nah an den Menschen sein und die Belange aller Generationen und Interessengruppen berücksichtigen“, betont Dennis Stocks­meier. Trotz der Verzögerungen durch die Corona-Krise sollen erste konkrete Maßnahmen bereits in die Haushaltsplanungen für 2021 einfließen. Wenn es keine weiteren Stolpersteine gibt, ist die Fertigstellung des Konzepts für Frühjahr 2021 vorgesehen.

Auf dem Weg der Online-Beteiligung können Internet-Nutzer ihre Anregungen und Wünsche noch bis zum 28. Mai zum Ausdruck bringen.

www.buergerbeteiligung.de/mobil_in_werther/

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