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Peter-August-Böckstiegel-Werke in Werther: Was im ersten Jahr besonders aufgefallen ist

Herzlichen Glückwunsch, Museum!

Werther (WB). Ob im Café Vincent wohl eine Geburtstagstorte mit einer Kerze drauf gebacken wird? Vor einem Jahr hat das Peter-August-Böckstiegel-Museum in der Arrode seine Pforten geöffnet. Zeit für einen schlaglichtartigen Rückblick auf mitunter turbulente zwölf Monate.

Margit Brand

Resonanz sogar aus Australien, Taiwan und den USA: Der vor einem Jahr eröffnete Neubau an der Arrode kommt bei den kunstinteressierten Besuchern sehr gut an. Foto: Henrik Fahrenwald

Das vielleicht verrückteste Wochenende des Jahres war der 21./22. Oktober 2018. Da ging die Premieren-Ausstellung »Ausdruck seines Ursprungs« zuende, und alle, die es die zwei Monate zuvor nicht geschafft hatten, stürmten ins Museum. 500 Besucher begehrten allein am Samstag Einlass – zum Vergleich: Durchschnittlich sind es 100 Gäste am Tag. »Da haben wir abends schon gedacht: Was für ein Tag!«, entsinnt sich Museumssprecherin Lilian Wohnhas. Das Team ahnte ja nicht, was folgen sollte: Am Sonntag waren es 1529 (!) Besucher.

Die erfolgreichste Ausstellung lockte allein 10.000 Besucher

Damit klärt sich auch die Frage nach der bislang erfolgreichsten Ausstellung: Die erste Schau haben mehr als 10.000 Kunstfreunde besucht. Ein Drittel aller Besucher kam in den ersten beiden Monaten. Also schafft die aktuelle PAB-Ausstellung »Jugend und Alter« es auch nicht, ihr den Rang abzulaufen, auch wenn sie bis Mitte September die 10.000-er Marke noch knacken kann. Ihre Laufzeit ist einfach länger.

Selbst in »Down Under« kennt man nun Böckstiegel: Ein Besucher hat Canberra, die Hauptstadt Australiens, als Heimatadresse hinterlassen. Andere nehmen die Eindrücke aus Werther mit nach New York oder San Francisco, kamen aus Taiwan, Hawaii oder Nigeria, sagt die Kassenstatistik. Denn wer eine Eintrittskarte kauft, wird im Museum nach seiner Postleitzahl gefragt. Etwa die Hälfte macht diese freiwillige Angabe. Wer weiß, vielleicht ist der Gast mit der weitesten Anreise auch anonym geblieben.

»Cooler Geburtstagsbesuch mit Mama«

Jede Ausstellung bekommt ein neues Gästebuch, und jeder, der darin blättert, wird seinen persönlichen Favoriten küren. Dass nahezu ausschließlich freundliche Kommentare hinterlassen werden, freut das Museumsteam. Da wird das Haus mehrfach als »klein, aber fein« beschrieben, die »Einheit von Kunst, Natur und Architektur« gelobt. Böckstiegel selbst hätte vermutlich dieser Eintrag eines jungen Gastes besonders gefallen: »Das war ein cooler Geburtstagsbesuch mit Mama!«

Da steht eine alte Dame an der Kasse, bezahlt einen Ausstellungskatalog, den sie andächtig in Händen hält. Um genügend Bargeld zu haben, so erzählt sie, habe sie eine kleine Goldmünze verkauft. »Dieses Buch nützt mir viel mehr. Ich kann es jeden Abend durchblättern.« Es sind Begegnungen wie diese, die den Haupt- wie Ehrenamtlichen im Gedächtnis bleiben und ihre Arbeit beflügeln.

Hätte jemand vor einem Jahr prophezeit, dass Anfang August der 30.000. Besucher ins Haus käme, dann hätten das die meisten als wohlwollende Schmeichelei abgetan. Da ist ein kleines Haus, ein kleines Team und – mal ehrlich – ein Künstlername, der nur in der Region »groß« ist... »Und dann plötzlich dieser enorme Zuspruch. Das hatte bei allem Optimismus niemand so erwartet«, sagt Lilian Wohnhas. Es sei schön zu sehen, wie Böckstiegel inzwischen immer größere Kreise zieht. Nicht umsonst kam der 30.000 Besucher aus Halle. An der Saale.

Der Schirm ist das beliebteste Souvenir

Der Postkartenständer im Mini-Shop gleich links neben der Eingangstür muss regelmäßig nachgefüllt werden – ein schönes Souvenir für kleines Geld. Den Rang als beliebtestes Produkt läuft den Karten trotzdem der Stockschirm ab, der schlechtem Wetter mit dem leuchtend bunten Motiv »Sonja mit Sonnenschirm« trotzt. Zur Eröffnung ins Programm genommen und ruckzuck ausverkauft. Aber es soll niemand im Regen stehen bleiben: Die nächste Auflage sei schon in Auftrag gegeben, versichert Lilian Wohnhas.

Kurze Umfrage im Team, große Einigkeit: »Das war der 31. August, der erste richtige Öffnungstag«, gibt Lilian Wohnhas den Eindruck aller weiter. »Wir waren eigentlich nach der Woche voller Einweihungsfeierlichkeiten total k.o. und wussten nicht, was uns als nächstes erwarten würde: Gähnende Leere, oder würde man uns die Bude einrennen?« Letzteres war dann der Fall. »Morgens die Schlange derer zu sehen, die die Ersten sein wollten, war überwältigend.«

»Ich habe irgendwann geglaubt, dass mit versteckter Kamera gedreht wird.« Noch heute lässt der Tag, an dem die Alarmanlage durchdrehte, Lilian Wohnhas seufzen. Mehr als einmal spielte die neue Technik verrückt, weil offenbar irgendetwas falsch eingestellt war und (noch) niemand wusste, wie das zu beheben war. »Der schrille Ton der Alarmanlage ist unfassbar durchdringend und laut. Bei Feuer verlässt man das Gebäude auch aus diesem Grund völlig freiwillig.« Aber ein Gutes hatten die Fehlalarme: »Wir wissen jetzt: Feuerwehr und Polizei sind schnell da.«

Akustik soll noch verbessert werden

Die meisten Beschwerden der Besucher galten und gelten der Akustik. Durch den vielen nackten Beton hallen Geräusche nach, normale Unterhaltungen wirken laut. Da ist bereits nachgearbeitet worden: Unter den Tischen klebt Filz, Holz-(Schrank-)Wände haben viele kleine Löcher bekommen, die Schall schlucken sollen. In der nächsten »Umbaupause« in der zweiten September-Hälfte sollen weitere Maßnahmen folgen. Möglichst noch in diesem Jahr soll auch ein Audio-System in Betrieb genommen werden, über das bei einer Führung das gesprochene Wort direkt ins Ohr des Zuhörers übermittelt wird.

Ein Besucher, der wiederkommt – den möchte das Team im Museum besonders gern und besonders oft begrüßen. Wohlwissend: Das ist auch die größte Herausforderung, der sich das Museum im zweiten und allen weiteren Jahren stellen muss.

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