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Was drei angehende Abiturientinnen des Evangelischen Gymnasiums Werther über ihren derzeitigen Schulalltag denken – und worauf sie sich trotzdem freuen

Hoffnung auf feierlichen Abschluss bleibt

Werther (WB)

Alle reden vom Distanzunterricht und den technischen Möglichkeiten. Aber wie fühlt man sich eigentlich als Schülerin, als Schüler in solchen Zeiten, in denen der Treff mit Freunden, die Hausaufgabenunterstützung beim Kaffee, der persönliche Kontakt auch zu Lehrern und vieles weitere Liebgewonnene ausfällt oder auf unbestimmte Zeit verschoben werden muss?

Volker Hagemann

Müssen Abschlussfeiern und Auslandsreisen auf die lange Bank geschoben werden? Die Abiturienten des Evangelischen Gymnasiums Werther bleiben weiter optimistisch. Foto: Volker Hagemann

Darüber sprechen im Video-Chat Ida Klaas, Paulina Krebs und Friederike Lücking mit dem WESTFALEN-BLATT. Die drei Zwölftklässlerinnen des Evangelischen Gymnasiums Werther (EGW) bereiten sich aufs Abitur 2021 vor.

Vorweg: Wegen all der coronabedingten Einschränkungen zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken, den Kopf in den Sand zu stecken, das gilt nicht, betonen die drei. „Es kommt auf die eigene Einstellung an. Auch wenn Hobbys ausfallen müssen, daran können wir eh nicht drehen. Man erfreut sich aber wieder viel mehr an Kleinigkeiten: dem Telefonieren mit Freundinnen oder der Zeit mit der Familie“, sagt Schülersprecherin Ida Klaas.

Und das sieht auch ihre Mitschülerin Paulina Krebs so: „Mit dem Zuhausebleiben tut man schließlich etwas für die Gesellschaft, hilft, Kontakte in Corona-Zeiten zu minimieren.“ Andererseits habe die Beschäftigung mit dem ständigen Online-Arbeiten und den Vorbereitungen am Rechner stark zugenommen: „Manchmal hat man das Gefühl, dass der Alltag nur noch aus Schule besteht“, gibt Paulina Krebs zu. Am Rechner zuhause – im „Schul-Homeoffice“ – verwischen oft die Grenzen zwischen Schularbeit und Feierabend.

Wenigstens arbeite die Technik weitgehend problemlos: „Bis vor Weihnachten war die WLAN-Verbindung schlecht, mittlerweile staunen wir, wie gut der Datenaustausch jetzt läuft“, berichten die Wertheranerinnen. Wichtig sei die Abwechslung zwischen Videokonferenzen, dem Online-Austausch untereinander und den zu bearbeitenden Aufgaben. „Wenn man nur Aufgaben bekommt, lässt irgendwann die Motivation nach“, findet Ida Klaas.

Zum Gemeinschaftsgefühl vor Ort gehören auch verzweifelte Blicke in der Prüfung

Friederike Lücking und Paulina Krebs belegen die Leistungskurse Englisch und Pädagogik, Ida Klaas Biologie und Mathematik. Ob bis Anfang Mai die schriftlichen Abi-Prüfungen wieder in der Schule stattfinden können, ist offen. „Vor Ort wäre mehr Gemeinschaftsgefühl – auch wenn man sich gegenseitig mal verzweifelte Blicke zuwirft“, findet Paulina Krebs. Überhaupt, immer wieder kommen die drei 17-Jährigen auf die fehlenden persönlichen Kontakte zu sprechen: „Das fehlt schon sehr“, macht Ida Klaas klar. „Dazu gehört schließlich der Austausch in der Pause. Zu telefonieren, ist einfach nicht das Gleiche“, bestätigt Friederike Lücking. Als Mitglied der EGW-Bigband muss sie außerdem schon seit Monaten auf die gemeinsame Probe verzichten.

Ihre Zuversicht wollen die drei EGW-Schülerinnen auf jeden Fall behalten. Wenn schon das Abi näher rückt, dann gehören zum feierlichen Abschluss der Schullaufbahn auch Abifeier, die Abishow und, klar, der klassische Abiball. Wenn da eben nicht Corona wäre. „Wir sind trotzdem optimistisch, dass wir das hinkriegen“, betonen sie einhellig. „Allerdings haben wir mangels Unterstufenpartys und mangels entsprechender Eintritts- und Spendenerlöse bisher kaum Geld sammeln können“, berichtet Ida Klaas. „Wir überlegen gerade, wie wir das anders hinbekommen könnten.“

Feier auf der Deele ist geplant

Immerhin gäbe es schon den passenden Ort: „Eigentlich war dafür die Bielefelder ‚Hechelei‘ eingeplant, aber die können wir ohne Planungssicherheit und ohne viel Geld nicht lange im voraus buchen“, erklärt Paulina Krebs. Doch zum Glück: „Unser Stufenleiter wohnt auf einem Bauernhof und bietet uns für Juni oder Juli die Deele an – wäre klasse, wenn das klappen würde!“ Verschieben sei schließlich keine Option: „Nach dem Abi sind viele zu Ausbildung, Studium und anderen Plänen in anderen Städten und Ländern verstreut.“

Vielleicht eignet sich dieser Hof auch für die Show: „Schön wäre, wenn alle zur Musik einliefen, es soll Wettbewerbe unter Lehrern und Schülern geben“, planen Ida Klaas und ihre Mitstreiterinnen. „Aktuell bereiten wir dafür schon Videosequenzen vor. Fast fertig ist dagegen die Abizeitung.“

Hoffnung auf Auslandsreisen

Und nach der Schule? Könnte Corona mancher Planung schlimmstenfalls noch einen Strich durch die Rechnung machen: „Nachdem ich in der zehnten Klasse ein Auslandsjahr im US-Bundesstaat Georgia verbracht habe, wollte ich nach dem Abi noch einmal im Rahmen einer Sprachreise dorthin und Freunde wiedersehen. Ob das was wird...?“, überlegt Paulina Krebs. „Alternativ denke ich an ein Praktikum, gerne in einer Anwaltskanzlei.“

In andere Länder zieht es auch Friederike Lücking und Ida Klaas: „Nachdem ich schon einmal drei Monate in Irland war, würde ich nach dem Abi gern als Au-pair nach Großbritannien gehen und anschließend Grundschullehramt studieren. Ich hoffe, dass beides klappt“, plant Lücking. Ida Klaas hat Neuseeland auf dem Schirm, anschließend ein duales Studium zur Hebamme.

Veränderte Bedingungen haben auch Vorteile

Bleibt die bei manchem geäußerte Befürchtung, ein „Corona-Abi“ könne mit einem schlechteren Image behaftet sein. „Ich denke schon, dass mancher Personalchef sich gegen den 2021er Jahrgang entscheiden könnte, wenn er zwischen Kandidaten mit diesem oder einem vorherigen ‚regulären‘ Abitur entscheiden kann“, glaubt Ida Klaas. Doch auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hält weiter an regulären Prüfungen fest und betonte am Donnerstag: „Es dürfen den Schülerinnen und Schülern keine pandemiebedingten Nachteile entstehen.“ Die Abiprüfungen würden um neun Tage nach hinten gelegt.

Die veränderten Bedingungen ihres Schuljahrgangs hätten durchaus auch etwas Vorteilhaftes, findet Paulina Krebs: „Gerade weil wir uns sehr, sehr gut organisieren müssen, ist das beruflich sicher von Vorteil. Im späteren Leben kommt schließlich auch kein Lehrer, der mich nochmals zu diesem oder jenem ermahnt.“

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