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Realität im Visier: Das »große Schützenfest« wird in Werther eine Nummer kleiner gefeiert

Horrido auf den König ohne Schärpe

Werther(WB). Mehr als einen Tag brauchen die Wertheraner Schützen nicht (mehr), um ihr »großes Fest« zu feiern. Natürlich mit Adlerschießen. Aber der Königsschuss ist nicht unbedingt »klassisch«. Thomas Wolff, der den Treffer am Sonntag setzte, ist eine Majestät ohne Königin und Schärpe.

Eische Loose

Gleich zweimal erfolgreich und letztlich Festkönig: Thomas Wolff freute sich schon über die rechte Kralle. Doch als nach dem 120. Schuss der Vogel für ihn fiel, hatte er sich für die kommenden zwei Jahre das Königsamt gesichert, das aber keine Verpflichtungen mit sich bringt. Foto: Eische Loose

Es sei ein kleines Fest geworden, räumte Ralf Biermann ein. Er ist nicht nur Vereinsvorsitzender, sondern auch »Erfinder« des so genannten Festkönigs. Ein Amt, das er die vergangenen zwei Jahre inne hatte und das damals aus der Not geboren wurde, weil sich kein Thronanwärter fand. »Doch unser Fest ist ein feines Fest, das unserer Moderne gerecht wird«, fügt Biermann an.

Er hatte den neuen Titel 2017 geschaffen, als er sich erbarmte und letztlich einen sehr zähen Adler nach 1980 (König) und 2003 (Kaiser) zum dritten Mal von der Stange holte. Verpflichtungen übernahm er mit dem Titel aber nicht. Und genauso wird es auch künftig bleiben. »Auf diese Weise passt der Wettbewerb zu unserer Realität«, meinte Biermann. Alle zwei Jahre werden die Schützen also ihren »Königsadler« aufstellen und nach und nach zerlegen. Auf Thronstaat und großes Zeremoniell wird jedoch verzichtet.

So war es auch am Wochenende. Die meisten der 85 Vereinsmitglieder und zahlreiche Gäste aus Borgholzhausen, Halle, Dornberg und Bad Meinberg verfolgten gebannt, wie zunächst die Krone an Brigitte Brinkkötter, dann Apfel und Zepter an Ulrike Biermann, die rechte Kralle an Thorsten Wolff und die linke Kralle an Sabine Lohmann ging. Kniffelig wurden die Flügel, die beide von Udo Gessler geholt wurden.

Nach einer Unterbrechung zur Begrüßung der Gäste ging es letztlich um den Rumpf. Schließlich zeigte sich dabei erneut Thorsten Wolff als zielsicher. Damit holte auch er sich den pflichtlosen Titel des Festkönigs. Allerdings erhält er weiterhin Unterstützung durch gekrönte Häupter. Denn der Bierkönig (ebenfalls Ralf Biermann) und Kronprinz Vasilius Tsionis stehen ihm noch bis zum neuen Ausschießen der Titel im nächsten Jahr zur Seite. Dazu kommt der Jugendkönig Kolin Voss.

So ist das Vereinsleben der Wertheraner Schützen also keinesfalls am Ende. Das zeigte auch die Vergabe der Sportpokale im Bereich Kleinkaliber. Ricardo Schlothage ehrte die Vereinsmeisterin Ulrike Biermann, die 139 von 150 Punkten holte und den Vereinsmeister Dieter Wagenführ mit 143 Punkten. Den Wanderpokal »7zu7«, bei dem es immer auch Glück zum Geschick braucht, nahm Ralf Biermann mit 302.8 Punkten entgegen.

Auf diese Weise dekoriert, feierten die Schützen sehr gemütlich weiter. Sie schätzten dabei die zahlreichen Gespräche rund um die Schützenklause. Bürgermeisterin Marion Weike legte ihren Eröffnungsschuss nicht nur pflichtgemäß ab, sondern war auch weiterhin mit Spaß bei der Sache. Gerade die Trophäen wie Krone, Apfel und Zepter hatte sie eifrig im Auge. »So eine hätte ich auch gern«, sagte sie mit einem Lächeln und durchaus sicherer Hand.

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