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Ulrike Dickenhorst von der Bernhard-Salzmann-Klinik spricht über Internetsucht

»Ich bin online, also bin ich«

Werther (WB). Selfies, posten, chatten: Wer angesagt sein will, muss sich virtuell viel bewegen. Nach dem Motto »Ich bin online, also bin ich.« Das Abgleiten in die Mediensucht ist vielen Nutzern dabei nicht bewusst.

Anna-Lisa Tibaudo

Ulrike Dickenhorst (rechts), Therapeutische Leiterin der Bernhard-Salzmann-Klinik Gütersloh, referierte im Jugendheim Langenheide über die Internetsucht. Eingeladen hatte der CVJM Langenheide und die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Werther, vertreten durch Pastor Holger Hanke (links) Foto: Anna-Lisa Tibaudo

Wie die Krankheit verläuft und welche Wege herausführen, darüber sprach Ulrike Dickenhorst, Therapeutische Leiterin der Bernhard-Salzmann-Klinik Gütersloh, im Jugendheim Langenheide. Dazu eingeladen hatten der CVJM Langenheide und die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Werther.

Fluch oder Segen?

Ein Thema, dass überwiegend junge Menschen oder deren Eltern betrifft, sollte man meinen. Doch weit gefehlt. Zum Vortrag »Das Smartphone – Fluch und/oder Segen? Wenn das Handy zur Sucht wird« kommen überraschenderweise fast ausschließlich Senioren. Wie kommt‘s? »Wir werden sicherlich nicht mehr süchtig. Aber wir müssen auf unsere Enkel aufpassen«, sagt eine Seniorin. »Nicht aufpassen, aber dass man ein wenig Ahnung davon hat, dass man sich ein Urteil erlauben kann«, wirft ihre Tischnachbarin ein. »Unsere Enkelkinder kommen jetzt auch in das Alter«, sagt ein anderer Zuhörer, »dann ist es gut, wenn die mal bei uns sind, dass wir das im Auge behalten. Man weiß ja viel zu wenig darüber.« Eine 61-jährige Mutter beklagt das Verhalten ihres 30-jährigen Sohnes. »Der spricht nicht mit einem, der daddelt immer nur rum, der guckt einen gar nicht an, wenn man zu Besuch ist. Meine Enkelkinder fangen auch schon an zu daddeln. Und ich muss gestehen, dass ich auch oft drauf gucke – aber nicht in Gesellschaft.« Eine andere Dame sagt: »Wenn andere ständig mit irgendwas rumdaddeln, stört mich das schon.«

Vier junge Teilnehmer

Unter den rund 30 Zuhörern gibt es vier junge Teilnehmer. »Das Thema ist ziemlich präsent. Gerade für unsere Generation, der nachgesagt wird, dass man ohne Smartphone gar nicht mehr auskommt«, sagt ein 24-jähriger Borgholzhausener.

»Das Smartphone hat das Leben vieler Menschen grundlegend verändert«, führt Pastor Holger Hanke als Gastgeber in das Thema ein. »Das liegt daran, dass es kein neutraler Gegenstand wie beispielsweise ein Schlüsselbund ist. Die Menschen haben ein inniges Verhältnis dazu. Es verändert die Art und Weise, wie man im Leben steht, die Dinge wahrnimmt, sein Leben lebt. Es bekommt Macht über die Menschen und kann abhängig machen.«

Wie sehr, weiß Ulrike Dickenhorst. Sie ist langjährige therapeutische Leiterin der Bernhard-Salzmann-Klinik in Gütersloh, in der Suchtkranke behandelt werden. Da die Internetsucht eine vergleichsweise relativ junge Krankheit ist, die noch wenig erforscht ist, wird sie zur Zeit nach ähnlichen Therapiemethoden wie die stoffliche Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten, Drogen, Glücksspiel behandelt. »Das Problem ist, dass man beispielsweise ohne Alkohol auskommt, aber ohne einen Computer nicht«, erklärt die Expertin. Deswegen sei das Ziel, einen kontrollierten Umgang damit zu finden. Weitere Therapieziele sind eine bessere Stressbewältigung, eine ausgewogene Freizeitgestaltung zu finden, persönliche Beziehungen statt virtueller zu pflegen, mehr (Gruppen-)Sport zu treiben, neue Hobbys zu entwickeln, das Selbstwertgefühl zu stärken, eine Rückfallkompetenz zu entwickeln.

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