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Werther/Halle

„Ich spiele, also bin ich“

Werther/Halle

Passion ist das Wort, das die Beziehung des Organisten Markus Stein (53), der in Werther lebt, zur Musik am besten beschreibt. Seit 25 Jahren kommt diese Leidenschaft den Gottesdienstbesuchern der Herz-Jesu-Kirche in Halle zu Ohren.

Christina Geis

Markus Stein (53) an der Jäger & Brommer-Orgel in der Herz-Jesu-Kirche in Halle. Ihre Besonderheit sind die Foto: Christina Geis

Anfang 1996 trat Stein die Stelle als Organist in Halle an und begleitet seither etwa jeden zweiten Sonntag den Gottesdienst musikalisch.

Die Kirchenbesucher sehen ihn nicht, aber wenn er spürt, dass er sie mit seinem Orgelspiel emotional erreicht hat, ist Stein zufrieden. „Oft sind es ganz unscheinbare Gottesdienste, mit schlichten, schönen Liedern und ausdrucksvollen Orgelstücken, dessen Inhalt und deren Ausdruck die Menschen angerührt hat“ sagt er. Und fügt hinzu: „Das macht mich glücklich“. Dann kommen Besucher nach einer Messe auch schon einmal auf ihn zu und bedanken sich für sein Spiel.

Die größte Herausforderung für ihn sei, auf „Kommando“, sprich auf den Glockenschlag, der den Beginn des Gottesdienstes anzeigt, kreativ zu sein. Denn er bevorzugt die Improvisation, möchte die Stimmung des Tages einfangen, nicht nur nach Literatur spielen. „Ich füge auch mal Klangelemente ein, die mir gerade passend erscheinen, einen krähenden Hahn am Palmsonntag zum Beispiel, aus dem Moment heraus“. Diese besondere Fähigkeit Steins, die jeweilige Stimmung eines Gottesdienstes spontan einzufangen und musikalisch umzusetzen, hebt auch Pfarrer Josef Dieste hervor. „Dabei springt der Funke über und die Besucher empfinden den Gottesdienst wie aus einem Guss“.

Hochzeiten spielt er gerne, aber auch Beerdigungen. „Die Menschen suchen in dieser Situation Trost, einen Impuls, der ihnen auf ihrem Weg durch die Trauer Kraft gibt. Einen solchen Kraftmoment versuche ich ihnen mit meiner Musik zu geben.“

Das Spirituelle ist ihm auch in seinem Glauben wichtig. Mit der Institution Kirche habe er manchmal so seine Schwierigkeiten. „Ich fühle mich in der Kirche vom Prinzip her wohl, sie ist sie für mich ein Stück Heimat, auch wenn Haltung und Struktur der Amtskirche mich persönlich immer wieder herausfordern“, räumt der Musiker ein.

Hauptberuflich ist Markus Stein Grafikdesigner, hat eine eigene Kommunikations- und Werbeagentur. Mit seinem Zuzug von Gütersloh, wo er in der Liebfrauenkirche – seine Heimatgemeinde – ebenfalls nebenberuflich als Organist tätig war, nach Werther bewirbt er sich um den hiesigen „Platz in der Höhe“.

Mit der Jäger & Brommer-Orgel in der Herz-Jesu-Kirche verbindet ihn eine innige Beziehung. Bei einem Urlaub im Schwarzwald entdeckt er in einer Dorfkirche ein solches Instrument. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, bekennt er schmunzelnd. „Der Klang und die kunsthandwerklich anspruchsvolle Verarbeitung haben mich sofort begeistert.“ Natürlich sagt er ja, als der Küster ihm anbietet, darauf zu spielen. Diese „Begegnung“ geht ihm nicht mehr aus dem Sinn, und als 2003 die Kirchenrenovierung in Halle ansteht, setzt er sich für den Einbau einer neuen Orgel aus der berühmten Manufaktur ein. „Markus Stein war maßgeblich an der Neukonzeption der Orgel beteiligt, die Initiative zu deren Anschaffung ist auf seine Fach- und Sachkenntnis zurückzuführen. Er hat sich in die Seele der Orgel hineingedacht“, betont Dieste. Die Orgel sei ein großer Gewinn für die Gemeinde, denn „jeder Organist spielt gerne an solch einem Instrument“.

Schon den Steppke Markus Stein berührt der Klang dieses Instrumentes. Mit acht Jahren entdeckt er die Elektronenorgel seiner Mutter für sich, nimmt Unterricht. Sein Orgellehrer bemerkt sein Faible für Kirchenmusik. Mit zehn Jahren darf er in seiner Heimatgemeinde am Tag ihrer Fertigstellung als Erster an der neuen Orgel spielen. Bis heute ist diese Leidenschaft ungebrochen. Es ist „dieser nicht endende Ton, den man beliebig gestalten und gleichsam zum unendlichen Klang machen kann“, der ihn fasziniert. „Das ist wie ein Stück Ewigkeit“, sagt er. „Oder frei nach Descartes: Ich spiele, also bin ich“..

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