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Auf ehemaligen H.-W.-Meyer-Gelände drei Gewerbeeinheiten und Wohnungen geplant

Idee für ein Wertheraner Filetstück steht

Werther (WB). Monatelang war es politisch sehr still geworden um die Entwicklung eines der wichtigsten innerstädtischen Grundstücke in Werther. Doch in der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses am Dienstagabend ist jetzt offenbar geworden, dass hinter den Kulissen für das ehemalige H.W-Meyer-Gelände an der Engerstraße längst eine Planung besteht.

Stefan Küppers

So sieht der nicht detailgetreue Entwurf für eine Neubebauung auf dem H.W.-Meyer-Gelände an der Engerstraße aus. Es sollen im Objekt drei Gewerbeeinheiten, darunter eine Apotheke, mit einer ungenannten Zahl von Wohnungen kombiniert werden. Entwurf: Enderweit

Alles Wichtige läuft in nicht-öffentlichen Arbeitskreisen

Entstanden ist sie in vielen nichtöffentlichen Gesprächen zwischen Eigentümer beziehungsweise Investor sowie Stadtverwaltung und Politik. Es ist eine bereits in vielen Punkten abgestimmte Planung für eine umfängliche Neubebauung für Wohnen und Gewerbe. Bürgermeisterin Marion Weike drückte in einem ersten Statement ihre Freude über den vorliegenden Vorentwurf aus und bezeichnete die geplante Mischung aus Wohnungen und Geschäftsbereichen als gelungenes Beispiel für „urbanes Wohnen“, das hier an der richtigen Stelle realisiert werde, weil es für Belebung der Innenstadt sorge.

Architekt und Stadtplaner Werner von Beeren vom Büro Enderweit und Partner, das sich vor Jahresfrist in einem Wettbewerb gegen zwei andere Planungsbüros durchgesetzt hatte, stellte dem Ausschuss die wesentlichen Punkte der Planung vor. Auf der etwa 4000 Quadratmeter großen Grundstücksfläche entlang der Engerstraße sind dem Vortrag zufolge drei gewerbliche Einheiten geplant. Zum einen ein Fitness- beziehungsweise Rehabereich, eine Apotheke sowie betreutes Wohnen für ältere Menschen mit angliedertem Pflegebereich. Dazu kommt eine ungenannte Zahl von Wohnungen in dem langgezogenen Gebäudekomplex, der im Sinne einer schnelleren Umsetzung und Vermarktung auch teilbar sein soll. Über die Zahl der Wohungen kann noch nicht viel gesagt werden, weil unklar ist, wie groß sie werden sollen.

Wohnen ist laut Gutachten auch in der Nähe von P+P gut machbar

Dass Wohnen in dem neu entstehenden Komplex gut machbar ist, hat Stadtplaner von Beeren durch ein Schallgutachten des Büros Akus bereits überprüfen lassen. Selbst die Nähe des Industriebetriebes P+P bringt hier dem Votrag zufolge keine wesentlichen Einschränkungen. Weil zügig eine bauliche Umsetzung angestrebt wird, sind die nächsten Schritte bereits skizziert. Demnächst soll es ein Abstimmungsgespräch mit der Bauaufsichtsbehörde beim Kreis Gütersloh geben. Und Planungsausschussvorsitzender Rainer Schütz hat signalisiert, dass der Ausschuss noch in seiner alten Zusammensetzung bereit ist, bis Ende Oktober die Zusammenfassung der Ideen in der verbindlichen Form einer Bauvoranfrage zu unterstützen. Das Bauvorhaben soll bis auf weiteres nach Paragraf 34 Baugesetzbuch geprüft werden, wonach sich Neubauten in die Umgebung einfügen müssen, ohne dass es die strengeren Regeln eines Bebauungsplanes gibt. Wenn sich alle Beteiligten einig sind, erscheint dies auch machbar. Gleichwohl soll noch für das ganze Areal im Dreieck von Engerstraße, Ravensberger Straße und Gartenstraße eine städtebauliche Ordnung geschaffen werden.

Spannende Hintergründe im Hinterzimmer

Interessant ist, was sich bis zum jetzigen Zeitpunkt im Hintergrund abgespielt hat. Denn als im Frühjahr 2019 ein Investor seine Überlegungen für einen Neubau des Wertheraner Aldi auf dem H.W.-Meyer-Gelände präsentierte, war die Unruhe in der Politik ob der Aussichten für ein Filetstück in der Stadt groß. Es wurde ein Bebauungsplanverfahren mit entsprechenden Möglichkeiten der zeitlichen Verzögerung eingeleitet. Dagegen wiederum setzte sich der damalige Investor juristisch bis vor das Oberverwaltungsgericht zur Wehr, scheiterte jedoch wegen mangelnden Rechtsschutzinteresses, so das Gericht. Während dieser Zeit kam die Miteigentümergemeinschaft, der das frühere H.W.-Areal gehörte, ins Nachdenken über einen möglichen Verkauf. Auf Nachfrage berichtet Marion Weike, dass sie bei den Anbahnungen zwischen dem alten und dem neuen Eigentümer behilflich sein konnte. Der neue Eigentümer komme nicht aus Werther, habe in dieser Stadt aber schon investiert. In den Folgemonaten liefen die Gespräche zwischen dem Stadtplaner, dem Neueigentümer sowie der Politik und Verwaltung in insgesamt drei Arbeitskreisen, deren jüngstes Ergebnis als Sachstandsbericht im Ausschuss vorgestellt wurde.

Der Kommentar zum Thema

Sage niemand, die Wertheraner Politik habe keine Überraschungen mehr zu bieten. Das, was hier als Planung für eines des stadtbildprägendsten Grundstücke als „Sachstandsbericht“ erstmals der Öffentlichkeit vorgetragen wurde, ist schon was Besonderes. Zum einen ist es besonders, weil eine wirklich wichtige Planungsfrage absolut geräuschlos über die Bühne gegangen ist. Die reine Lehre von transparentem Verfahren und Öffentlichkeitsbeteiligung ist das natürlich nicht. Und wenn jetzt nicht etwas Gelungenes dabei heraus gekommen wäre, wäre die öffentliche Empörung mutmaßlich ziemlich groß.

Andererseits ist zu bewerten, dass in Werther schon viele wichtige Planverfahren (Weco! Blotenberg!) über Jahre nicht voran gekommen sind, weil vor allem die Politik nicht auf einen Nenner gekommen ist. Umso erstaunlicher ist die Erkenntnis, dass die gleichen Akteure ohne jede Öffentlichkeit offenbar zu sehr weitreichenden, mit vielen Beteiligten abgestimmten Ergebnissen kommen können. Wenn Stadtplanung im Hinterzimmer-Modus so erfolgreich ist, sollten wir in der neuen Wahlperiode die Ausschusssitzungen als Bühne für politisches Schaulaufen vielleicht abschaffen. Oder?

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