Coronakrise trifft Heimtier-Center Werther: Wenig Einnahmen ohne Kundenkontakte

Ohne Fachmesse ist Leckerli Ladenhüter

Werther (WB). Während der großen Verbrauchermesse „Haus Garten Freizeit“ in Leipzig Ende Februar hatte das Heimtier-Center Werther die letzten Einnahmen im gewohnten Rahmen. „Seitdem gilt für uns quasi Berufsverbot“, klagt Frank Högelow. Der Bielefelder betreibt das Familienunternehmen gemeinsam mit Ehefrau Heidrun, Sohn Dennis und einer weiteren festangestellten Mitarbeiterin – und ist in einer Marktnische vom coronabedingten Verbot aller Großveranstaltungen bis zum 31. August besonders hart betroffen.

Gunnar Feicht

Dennis (links) und Frank Högelow packen derzeit mehr Hundesofas und Kauknochen in Versandkartons als sonst. Aber der leicht gestiegene Online-Umsatz kann den Einbruch durch den Wegfall von Messen und Hundeausstellungen nicht aufwiegen. Foto: Gunnar Feicht

Denn das Heimtier-Center handelt mit Zubehör für Hunde als Haustier – vom Fressnapf bis zum Welpenspielzeug, vom Zahnbürsten-Set bis zum Kauknochen und anderen Leckerli, von der Schleppleine bis zum Halsband. Ein Geschäft, das nur zu einem kleinen Bruchteil über den Online-Handel und den Lagerverkauf in Werther abläuft.

Rassehunde-Ausstellung fehlen

„Unser tägliches Brot sind Messen und Rassehunde-Ausstellungen, die wir bundesweit mit einem großen Messestand beschicken. Die Kunden wollen das Kauferlebnis vor Ort“, erläutert Frank Högelow. Deshalb ist das Online-Geschäft, das seine Familie seit dem Shutdown Mitte März forciert hat und einen Zuwachs von gut zehn Prozent verzeichnet, nur ein Tropfen auf den heißen Stein: „Insgesamt haben wir 85 Prozent Umsatzrückgang. Weil uns natürlich das gesamte Geschäft an unserem Stand fehlt.“

Bei der großen Traditionsmesse „Hund und Pferd“ in Dortmund wurden im Jahr 2019 zum Beispiel an drei Tagen insgesamt 70.000 Besucher gezählt: Viele Shows mit Hunden und Pferden, mehr als 8000 Tiere bei den Rassehunde- und Sportwettbewerben sowie 230 Industriestände locken bei derlei Großereignissen Tierfreunde und damit potenzielle Kunden in Massen an.

„In einem normalen Jahr beschicken wir etwa 35 Messen und Ausstellungen. Da muss ich zu den Hauptgeschäftszeiten oft genug drei Kunden gleichzeitig abkassieren. Jetzt ist uns das für Monate weggebrochen“, sagt Frank Högelow. Mehr als ein Dutzend Veranstaltungen, für die der 60 Quadratmeter große Verkaufsstand aus Werther eingeplant war, tragen bis August den Stempel „Abgesagt wegen Corona“. Und ein eingeschränkter Betrieb am Verkaufsstand, wie er bei Fachmessen für bestimmte Branchen denkbar ist, wäre auf dem Geschäftsfeld des Heimtierbedarfs unrealistisch: „Wir brauchen tatsächlich die Besucherströme der Endverbraucher.“

Hoffnung auf den Herbst gesetzt

Das Heimtier-Center, in Ostwestfalen-Lippe der größte Betrieb seiner Art für Hundefreunde, bemüht sich unterdessen, bei der Online-Kundschaft und dem Geschäft vor Ort den Absatz zu verbessern.

Die Högelows hoffen unterdessen, dass sie bald mittwochs wieder ihre Transporter beladen können, um dann in zwei Tagen den großen Verkaufs­stand auf einem Ausstellungsgelände aufzubauen. „Die Soforthilfe der öffentlichen Hand für Selbstständige hat ja tatsächlich unbürokratisch funktioniert. Aber wir können nur hoffen, dass dies noch einmal verlängert wird – und dass im Herbst wirklich schrittweise wieder größere Veranstaltungen ermöglicht werden.“

Auch Frank Högelow und seine Familie können darüber nur spekulieren und hoffen, dass es keinen weiteren Lockdown durch einen Covid 19-Herbst geben wird. Sie müssen mit der Situation klar kommen, dass eine Branche mit vergleichsweise wenigen Beschäftigten im öffentlichen Werben um Unterstützung nicht den Einfluss geltend machen kann wie viele Großbetriebe.

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