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Trotz negativem Corona-Test darf Detlef Tönsmann nicht zur Trauung seines Sohnes

Quarantäne statt Hochzeit

Werther/Bielefeld (WB). Bis zur letzten Minute hat Detlef Tönsmann alles versucht, um an der Hochzeit seines Sohnes Sven Bänsch teilzunehmen. Doch alles, was dem 59-Jährigen am Ende übrig blieb, war ein digitaler Blick auf die Zeremonie. Auf seinem Tablet musste der Wertheraner am Wochenende die Trauung in der Heeper Kirche verfolgen, während er bei sich zuhause in Quarantäne blieb.

Kerstin Panhorst

Aufgrund der Informationen des Gesundheitsamtes dachte Detlef Tönsmann dass seine beiden negativen Befunde ausreichen würden um kurzfristig aus der Quarantäne zu dürfen. Fotos: Panhorst Foto:

Bis auf den letzten Tag hatte Tönsmann auf eine Ausnahmegenehmigung gehofft

„Das ist natürlich kein Ersatz, es fühlte sich mehr so an als würde man sich Bilder von einer vergangenen Feier ansehen anstatt wirklich dabei zu sein“, erzählt Detlef Tönsmann. Neben die Enttäuschung über das verpasste Ereignis mischt sich beim 59-Jährigen auch die Enttäuschung über den Umgang seitens der Behörden mit seiner Situation. Noch bis zum letzten Tag hatte er nämlich auf eine Ausnahmeregelung gehofft.

Nötig geworden war die Quarantäne weil ein Kollege, mit dem Tönsmann derzeit eine Fahrlehrerfortbildung am Verkehrsinstitut Bielefeld absolviert, positiv auf Covid-19 getestet wurde.

Das Gesundheitsamt des Kreises Gütersloh ordnete die Isolation vom 10. bis 20. August an – also auch für den Tag der Hochzeit am 15.. „Ich habe dann mit jemandem vom Gesundheitsamt telefoniert und die Dame hatte auch großes Verständnis für meine Lage. Sie riet mir neben einem Corona-Test auch noch auf eigene Kosten einen Bluttest auf Antikörper machen zu lassen um zur Hochzeit gehen zu dürfen“, erinnert sich Tönsmann.

Besser gleich eine klare Auskunft statt falscher Hoffnungen

Beide Tests fielen negativ aus – aber das bedeutete keinesfalls einen Freifahrtschein. „Ein negatives Testergebnis schließt die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht vollständig aus“ heißt es im Befund. Detlef Tönsmann leitete die Ergebnisse an das Gesundheitsamt weiter und wartete: „Am Tag vor der Hochzeit rief dann der Leiter vom Gesundheitsamt an und sagte mir das es aufgrund der Richtlinien des Robert-Koch-Instituts keine Möglichkeit gäbe die Quarantäne zu verlassen. Ich hätte die Tests also gar nicht machen müssen“. Der Wertheraner hätte sich eine klare Auskunft gleich zu Beginn gewünscht anstelle der falschen Hoffnung, die ihm die Behörde zunächst machte. Und auch einen sensibleren Umgang mit seiner emotionalen Lage. „Der Leiter vom Gesundheitsamt sagte zu mir ‘Stellen sie sich vor sie hätten sich beide Beine gebrochen, dann könnten sie ja auch nicht hin’, aber das ist ja überhaupt nicht vergleichbar“, sagt Tönsmann. Zudem fühlt er sich ungleich behandelt, denn einige Dozenten des Verkehrsinstituts, die ebenfalls Kontakt zum Infizierten hatten, mussten nicht in Quarantäne und unterrichten weiter Klassen. „Und einige meiner Mitschüler wurden bis heute noch nicht vom Gesundheitsamt kontaktiert und sind deshalb auch nicht in Quarantäne“, erzählt Tönsmann.

Die auferlegte Isolation zu ignorieren und trotzdem an der Hochzeit teilzunehmen stand für ihn nie zur Debatte. „Ich will mich nicht über Gesetze hinwegsetzen und ich will auch niemandem einem Risiko aussetzen. Zudem wurde mir gesagt so eine Ordnungswidrigkeit könnte mit bis zu 25.000 Euro bestraft werden“.

Dreijähriger Enkel weint und ruft „Opa mit!“

Bei der standesamtlichen Trauung am 7. August auf der Sparrenburg konnte der stolze Vater noch dabei sein, doch sowohl die kirchliche Trauung in Bielefeld-Heepen wie auch die anschließende Feier in Herford verpasste er. Doch nicht nur für Tönsmann selbst und für seinen Sohn war die Situation schwierig. Schon bei der Abfahrt zur Kirche skandierte sein dreijähriger Enkel Finn unter Tränen ein „Opa mit!“ als dieser nicht mit dem Rest der Familie aufbrach und auch seine Frau fühlte sich den ganzen Tag über einsam. „Es war ein schöner Tag, aber zugleich auch sehr enttäuschend. In der Kirche habe ich mich ganz schrecklich gefühlt“, sagt Gabriele Tönsmann, die von den anderen Gästen dauernd nach dem Verbleib ihres Mannes gefragt wurde. „Ich hab es dann immer und immer wieder erklärt, aber kaum jemand konnte verstehen, warum er nicht da sein durfte“. Beim Hochzeitstanz hätte sich die 59-Jährige am liebsten versteckt, aber ihr Sohn zog sie dann doch noch auf die Tanzfläche, auf der traditionell nach dem Brautpaar auch die Eltern der Frischvermählten ihre Runden drehen.

Für Bräutigam Sven Bänsch selbst kam die Nachricht sehr überraschend. Erst am Vorabend der Hochzeit erfuhr der Braker von der Situation. „Wir wollten nicht, das er sich Sorgen macht oder womöglich auf die Idee kommt, alles zu verschieben. Immerhin haben er und seine Frau Dana ein Jahr lang diesen Tag geplant“, erzählt Gabriele Tönsmann. Also versuchte die Familie das Beste daraus zu machen und versorgte Detlef Tönsmann den ganzen Tag über mit Nachrichten, Videos und Fotos. Nach dem Ende der Quarantäne ist zwar keine Nachfeier geplant, aber ein Kurztrip nach Leipzig, den Detlef Tönsmann und seine Frau mit dem frischgebackenen Ehepaar unternehmen möchten.

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