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Waldbühne Melle inszeniert eine 70er-Jahre-Parade zum Mitwippen und Mitsingen

Schlager lügen nicht

Werther/Melle (WB). Bei der ausverkauften Premiere des Abendstücks haben mehrere hundert Zuschauer am Samstag ein Revival der schrillen 70er gefeiert.

Margit Brand

Eviva espana! Bei der Schlagerparade auf Mallorca trifft die schillernde Welt der Stars auf das alltägliche Leben von Familie Sprengler. Fotos: Margit Brand Foto:

Es dauert nur wenige Minuten, und die Theater-Zeitreise zu Plateau-Schuhen und Schlaghosen ist perfekt. Da freut sich Familie Sprengler über den neuen Farbfernseher, während parallel Dieter Thomas Brock mit »Hier ist Berlin!« das Musikereignis des Jahres ankündigt: Das zehnjährige Jubiläum der beliebten Schlagerparade soll von Mallorca ausgestrahlt werden.

Die Sprenglers beschließen, trotz minimaler Chancen an der Verlosung von Eintrittskarten teilzunehmen. Und siehe da: Wunder gibt es immer wieder! Tochter Doro gewinnt zwei Tickets. Die 17-Jährige hofft, mit ihrem Freund verreisen zu können. »Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür«, bettelt sie ihren strengen Vater an. Doch der schmettert nur kopfschüttelnd: »Und ich weiß, der bleibt hier!«

Geschickt werden ein Dutzend Evergreens in die Geschichte eingewoben. »Ein Lied kann eine Brücke sein«, beweist Regisseur Detlev Schmidt, der auf der Waldbühne mit diesem Stück sein Debüt gibt.  Und jeder Schauspieler des ehrenamtlichen Ensembles beweist Solo-Qualitäten. Ulla und Björn lassen wie einst Cindy und Bert »Spaniens Gitarren« erklingen, der ewig betrunkene Lebemann Dieter Kern will nur das schöne Mädchen aus Reihe eins und fordert es zum Tanz auf. Natürlich entspinnen sich allerlei amüsante Intrigen, so dass zwischendurch gleich fünf Männer ein trauriges »Ti amo« hauchen. Wie soll man es denn auch anders interpretieren, wenn in der heimischen Klatschpresse Bilder aus Mallorca von Schlagerstar Kern im Arm vom Mutter und Tochter Sprengler auftauchen? Von wegen »Eviva espana«...

»Schlager lügen nicht« soll ein Stück zum Mitsingen und Mitwippen sein. Und diese Rechnung geht auf. Bei der Premiere zeigt sich das Publikum textfest und sangesfreudig, lässt sich mitreißen von den vielen Ohrwürmern. Manche Besucher waren stilecht im 70-er Jahre-Look erschienen. »Das rundet das Ganze noch einmal ab«, sagt Sprecher Herbert Michels und hofft, dass auch bei den Wiederholungen Zuschauer im passenden Outfit erscheinen.

Erst nach zweieinhalb Stunden und mehreren Zugaben ist die Show vorbei. Aber  vorher haben sich Schauspieler und Publikum noch einmal gegenseitig versichert: Marmor, Stein und Eisen bricht, aber die Liebe zum Theater nicht. Immer wieder samstags wird das Stück bis zum 18. August um 20 Uhr wiederholt. Tickets unter Tel. 05422/ 42 442 oder www.waldbuehne-melle.de.

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