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Bademeister und Lehrer schlagen Alarm

Schwimmen lernen: Das läuft schief

Werther/Halle (WB). Mehr Schwimm-Unterricht: Mit einem Aktionsplan will die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen Kinder wieder zu besseren Schwimmern machen. Wie gut schwimmen Kinder in der Region?

Hendrik Fahrenwald

Hartmut Lüker (65) übt mit seiner Enkeltockter Lara (5) das Schwimmen im Wertheraner Freibad. Foto: Hendrik Fahrenwald

Ole kann schwimmen. Das ist auf dem ersten Blick für einen Elfjährigen nichts Besonderes. Doch der Schein trügt. Oles Schulleiter schlägt Alarm. »Dass Kinder schwimmen können, ist nicht mal bei denen der Fall, die ein Seepferdchen haben. Das macht uns große Sorgen«, sagt Markus Spindler, Direktor des Kreisgymnasiums Halle. Sein Seepferdchen hat Ole mit fünf Jahren im Freibad in Werther gemacht. Dort geht er noch heute gerne mit Mama, Papa und seiner Schwester hin. »Wir sind Freibadgänger«, sagt seine Mutter Nina Stiller.

Mit vier Jahren hat Ole schon mal einen Schwimmkursus besucht. Damals habe sie 350 Euro dafür gezahlt, dass Ole schwimmen lernt. Allzu viel gebracht habe es nicht. »Das war noch zu früh«, sagt Nina Stiller. Besser waren die 18 Euro ein Jahr später für den Kursus im Freibad angelegt. Dort geht der Fünftklässer sogar ab und zu mit seiner Schulklasse hin. Das passiere neben dem regulären Schwimmunterricht. Dann stehe statt Religion mal Schwimmen auf dem Stundenplan.

So macht es auch die Violenbachschule in Borgholzhausen. Zusätzlich zum Unterricht im Haller Lindenbad nutzen die Lehrer das Freibad in Borgholzhausen intensiv, informiert Schulleiter Peter Gehrmann. Einzelne Fächer vor oder nach der Sportstunde werden durch eine Doppelstunde im Freibad ersetzt.

Schimmmeister Jürgen Zbieranek (75) im Freibad in Werther. Foto: Fahrenwald

Reichen Zusatz-Stunden?

»Wer denkt, Kinder lernen in der Schule das Schwimmen, macht einen großen Fehler«, sagt der just in den Ruhestand gewechselte Schwimmmeister Gunther Reuter-Schöning aus dem Haller Lindenbad. Schulleiter Spindler stimmt dem zu. »Ich empfehle Eltern, dass ihre Kinder Ferienkurse belegen. Wir können mit unseren Schulstunden nur auf die Schwimmfähigkeiten der Kinder aufbauen.« Um dem entgegenzuwirken, soll nun aus Sicht der Landesregierung mit ihrem Aktionsplan »Schwimmen lernen in Nordrhein-Westfalen« der Schwimmunterricht verbessert und mehr Geld für Schwimmkurse in den Ferien bereitgestellt werden.

»Was nützen die Gelder, wenn die Bäder nicht da sind?«, fragt sich Jürgen Zbieranek. Der 75Jährige ist seit 15 Jahren im Ruhestand. Aufgrund von Personalmangel steht er schon jahrelang weiter am Beckenrand des Wertheraner Freibads. Nur ein paar Meter von Ole und seiner Mutter entfernt passt er auf die Badegäste auf.

Elias (7) und Sarah (4) im Freibad Werther. Foto: Fahrenwald

Volle Kurse

Der Schwimmkursus in Werther ist für die Sommerferien bereits ausgebucht. Im Lindenbad gibt’s eine lange Warteliste. »Die Kurse sind immer voll«, beklagt sich die 31-Jährige Abdullah. Ihren Sohn Arda hatte sie dort versucht in einen Schwimmkurs zu bekommen – vergebens. »Manchmal müssen Kinder drei Monate bis zu einem halben Jahr auf einen Platz warten«, beschreibt Schwimmmeister Reuter-Schöning die angespannte Situation. Nun lernt Arda mit seinem Vater im Wertheraner Freibad das Schwimmen. Sie folgen dem Rat von Schwimmmeister Zbieranek: »Kinder sollten schon vor dem Schulbeginn schwimmen können.« Schließlich ist das auch das Ziel von Arda und seiner Mutter. »In der Grundschule konnten wir früher schon alle schwimmen«, erinnert sich Abdullah. Nur mit Schwimmflügeln geht derzeit die vierjährige Sarah ins Wasser. Das soll sich demnächst ändern. Ihr großes Vorbild ist ihr älterer Bruder. Der siebenjährige Elias hat im vergangenem Jahr einen Anfängerkurs im Lindenbad absolviert und hat schon das Bronze-Abzeichen. Nur ein paar Wochen hat er auf die Kursteilnahme gewartet. »Da hatten wir Glück«, sagt Vater Christian Wodtke. Glück, das derzeit nicht alle Kinder und Eltern haben.

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