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Drei Werke Böckstiegels hängen derzeit in der großen van Gogh-Schau in Frankfurt

Seite an Seite mit dem Idol

Werther (WB). Das »Städel« ist vielleicht nicht jedem auf Anhieb ein Begriff. Vincent van Gogh dagegen kennen bei weitem nicht nur Kunstliebhaber. Peter August Böckstiegel wird im Moment die Ehre zuteil, mit drei Bildern in einer großen Ausstellung über sein Idol im Städel-Museum in Frankfurt vertreten zu sein.

Margit Brand

Böckstiegels »Selbstportrait« (1913), ein Hauptwerk des Wertheraners, hängt derzeit in der großen van Gogh-Ausstellung im Frankfurter »Städel«. Der markante rote Kopf fällt dort auf – auch wegen der Parallelen zu van Goghs Selbstportrait. Deutlich wird aber auch: PAB entwickelt einen eigenen Stil. Foto: Städel-Museum

Man muss sich auch nicht zwingend eng mit dem Werk PABs vertraut gemacht zu haben, um zu erkennen, dass der Wertheraner Expressionist von der Malweise van Goghs (1853 bis 1890) sehr angetan war. Es gibt auch andere Indizien – so bekam Böckstiegels Sohn den Vornamen des Mannes, der ihn so inspirierte. Nicht umsonst heißt auch das Café im neuen Museum »Vincent«.

Zu Lebzeiten verhöhnt

Während van Gogh zu Lebzeiten wegen seines Pinselstrichs und seiner eigenwilligen Malweise verhöhnt und kaum wert geschätzt wurde, betrachtete ihn eine ganze Künstler-Generation Anfang des 20. Jahrhunderts als Quelle der Inspiration. Ihnen kommt daher in der aktuellen Ausstellung »Making van Gogh – Die Geschichte einer deutschen Liebe« eine wichtige Rolle zu. Mythos, Malweise und Wirkung des bedeutendsten Vorreiters der deutschen Moderne stehen im Mittelpunkt. Erzählt wird eine »Bilder-Geschichte«, wie van Gogh vom Geheimtipp zum Bestseller wurde.

Die Ausstellung

Seit Mittwoch und noch bis zum 16. Februar ist die Ausstellung »Making van Gogh – Die Geschichte einer deutschen Liebe« in Frankfurt zu sehen. Ausstellt werden im Städel-Museum 120 Werke, darunter allein 50 von Vincent van Gogh. Wie er zur Schlüsselfigur der Avangarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde, zeigen 70 Bilder weiterer Künstler – drei davon aus Werther. Eine Fahrt der VHS Ravensberg nach Frankfurt ist ausgebucht.

Die Peter August Böckstiegel-Stiftung ist stolz darauf, in dem »Selbstbildnis« PABs von 1913 ein echtes Hauptwerk nach Frankfurt leihen zu können. Dazu kommen zwei weitere bedeutende Frühwerke, die »Deppendorfer Mühle« (1912) aus Bielefelder Privatbesitz und das seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr ausgestellte Bild »Rote Erde«. Der Anfrage vor zwei Jahren sagte man gerne zu, wie Museumsleiter David Riedel erklärt: »Das Städel-Museum ist wie Champions League. Dort dabei zu sein, ist etwas ganz Besonderes.«

Champions League der Kunst

Gemeinsam mit Geschäftsführerin Beate Behlert war er diese Woche zur Eröffnung an den Main gereist. Eine gute Gelegenheit zum Netzwerken mit den vielen anderen Museen, die ihre Leihgaben dort zur Verfügung stellen. Wer weiß? Vielleicht öffnen sich so wieder neue Türen für Böckstiegel. Der Bekanntheitsgrad wird in jedem Fall gesteigert. Das sei mit den Aktivitäten auf Facebook oder Instagram bereits deutlich zu sehen.

Wenn sich neugierig gewordene Kunstfreunde im Nachgang intensiver mit PAB beschäftigen, werden sie bemerken, dass es zwischen Bildern van Goghs und des Wertheraners interessante Parallelen gibt. Ob Kornernte oder Sämann: Motive gleichen sich, wenngleich es um alles andere als »Kopieren« ging. Auf der Suche nach neuen Wegen aus der bürgerlichen Mal- und Lebensweise fanden junge Künstler in van Gogh Impulse, wie 70 Werke in Frankfurt belegen. Böckstiegel findet sich dort – ähnlich wie derzeit zu Hause im eigenen Museum – in illustrer Gesellschaft von Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner oder Paula Modersohn-Becker.

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