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Julia Wäger zog 2007 nach Köln – wegen des Schnees ist die 34-Jährige in ihrer alten Heimat gestrandet und verbreitet jecke Stimmung

Sie holt den Karneval nach Werther

Werther

Werther ist im Lockdown, dazu türmen sich überall hohe Schneeberge auf, und beides zusammen sorgt nicht unbedingt für eine überaus belebte Innenstadt. Umso mehr dürften die Passanten am Donnerstag über das fröhliche bunte Energiebündel gestaunt haben, das kostümiert und bestens gelaunt durch Werther zog.

Volker Hagemann

Mitgehangen, mitgefangen: Julia Wägers Mama Heike lässt sich gern von der jecken Stimmung anstecken – darauf ein Sektchen! Foto: Wäger

Eigentlich wäre Julia Wäger jetzt in Köln – und würde sich begeistert mitten in den Karnevals-Trubel hinein stürzen. Die Rhein-Metropole ist seit 14 Jahren ihre Wahlheimat: Hier hat sie Lateinamerika-Studien und Ressourcen-Management studiert, lebt seitdem in Köln und arbeitet in Bonn für die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands. Als Referentin für Ökologie wäre sie unter anderem im November 2020 auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow dabei gewesen – die Veranstaltung ist coronabedingt auf den November 2021 verschoben worden.

„Dat Hätz“ schlägt für den Karneval

Und alljährlich spätestens ab dem 11.11. ist Köln bekanntlich eine der Karnevals-Hochburgen schlechthin. „Dann sind die Jecken wochenlang aus dem Häuschen, die Stimmung ist wahnsinnig gut!“, weiß die 34-jährige gebürtige Wertheranerin. Auch die Corona-Pandemie kann das nicht komplett verhindern. „Zwar gibt es dieses Jahr keine Umzüge wie sonst, aber ‚dat Hätz‘ schlägt natürlich dennoch für den Karneval. Der wird dann eben in die Wohnungen und in digitale Treffen verlegt“, sagt sie.

Und nun das: Zum ersten Mal seit ihrem Umzug 2007 vom Schwarzbach an den Rhein verbrachte Julia Wäger den Weiberfastnachts-Donnerstag nicht in Köln, sondern in ihrer alten Heimat Werther. Familie und Freunde besucht sie hier regelmäßig und gern, doch der Schnee zwang sie jetzt zu einem längeren Aufenthalt, als sie ursprünglich plante. Den genießt sie trotzdem: Nicht nur das Home-Office wird nach Werther verlegt, sondern auch die jecken Videokonferenzen mit Kollegen und Freunden. Nicht zum ersten Mal: Die 34-Jährige erinnert sich an den kreativen digitalen Auftakt am 11.11.: „Wir haben über das Internet mit Freunden und ehemaligen Studienkollegen aus aller Welt den Karnevalsauftakt zelebriert. Da die Leute aus Deutschland, Italien, Jordanien, Myanmar, dem Südsudan und anderen Ländern verschiedene Zeitzonen haben, haben wir am Ende über neun Stunden online gefeiert – mit Quatschen, Singen, Sekt und Kölsch am Monitor!“

Kostümiert durch Werther gezogen

Kreativ muss man eben sein – das gilt auch für diese Tage daheim: Julia Wägers Mama Heike besorgte anlässlich Weiberfastnacht Sekt, Berliner und jede Menge bunter Deko, „und hinterher sind wir kostümiert durch Werther gezogen – die Reaktionen der Passanten reichten von Staunen bis Applaus!“

Klar, dass das längst noch nicht alles war. Am Donnerstagnachmittag vernetzten sich Julia Wäger und zahlreiche andere Gleichgesinnte mit ihrer Stammkneipe, dem „Anno Pief“ im Kölner Eigelstein-Viertel. Von dort, wo es sonst Frikadellen und Kölsch auf der Kirchenbank gibt, wurden jetzt kölsche Hits und Sprüche und jede Menge guter Laune übertragen. „So viel Verbundenheit muss einfach sein“, sagt die junge Frau.

Nach der „Kneipensitzung“ folgt die digitale Puppensitzung

Wie lange sie noch bei ihrer Familie in Werther bleibt und wie sie das kommende Wochenende, den Rosenmontag und den Veilchendienstag verbringen wird, ist noch offen, „da lassen wir uns treiben. Was aber in jedem Fall am Wochenende ansteht, ist die digitale Puppensitzung des Hänneschen-Theaters über das Portal Jeckstream“, plant sie. Und allen OWL‘lern, die spätestens jetzt auf den Geschmack gekommen sind, legt Julia Wäger ihre liebgewonnene Mundart Kölsch ans Herz – zum Üben auf www.mingsprooch.de.

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