1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Werther
  6. >
  7. Stadt treibt eigenen Weco-Plan voran

  8. >

Entwurf findet äußerst knappe Mehrheit im Ausschuss – FDP lässt sich umstimmen – mit Kommentar

Stadt treibt eigenen Weco-Plan voran

Werther (WB). Mit einer hauchdünnen Mehrheit hat der Planungsausschuss einen ersten Entwurf für einen neuen Bebauungsplan für das Weco-Gelände durchgewunken. Damit liegt im Entwurf eine Planung vor, deren Festsetzungen die Stadt bewusst den bisherigen Investorenplänen für die Bebauung des 2,8 Hektar großen Gewerbeareals an der Engerstraße vor allem mit Einzelhandel entgegensetzen will.

Stefan Küppers

Diese Planung der Schoofs-Gruppe, die mit Eigentümer Wehmeyer verbunden ist, sieht einen Lebensmittel- und fünf Fachmärkte vor. Diese Bauvoranfrage ist vom Kreis mit Blick auf den neuen von der Stadt entwickelten Bebauungsplan abgelehnt worden. Kommt der nicht durch, könnte dieser alte Investorenplan wieder aufleben. Foto:

Die außerplanmäßige Feriensitzung war mit Spannung erwartet worden, was sich auch an dem großen Zuschauerzuspruch im Rathaussaal zeigte. Und es ging auch spannungsgeladen los, wie die massive Kritik insbesondere von Grünen und CDU an dem Termin und den erst vor zehn Tagen zur Verfügung Planunterlagen mit einem Gesamtumfang von 230 Seiten deutlich machte. Unverdrossen jedoch bemühte sich Stadtplaner Werner von Beeren vom Büro Enderweit und Partner aus Bielefeld, die wichtigsten Eckpunkte der neuen Weco-Planung verständlich zu machen.

Die wesentlichen Punkte sind zum einen bauliche Festsetzungen für eventuellen Einzelhandel im vorderen Teil des Weco-Areals zur Engerstraße hin. Zum anderen hat der Stadtplaner Ideen für gewerbliche Bebauung im hinteren Teil des Geländes entwickelt. So soll insbesondere die Höhenentwicklung von Gewerbebauten (maximal acht Meter Gebäudehöhe) so beschränkt werden, dass sie sich verträglich gestaltet mit der vorhandenen Wohnbebauung. Auch soll im Gewerbebereich kein Nachtbetrieb möglich sein.

Kommentar

Irgendwann in der Debatte ist der Bürgermeisterin ein wenig der Geduldsfaden gerissen. Eindringlich hat sie davor gewarnt, dem Bebauungsplanentwurf nicht zuzustimmen. Marion Weike will verhindern, dass ohne die fristgerechte Fertigstellung einer Planung mit ordentlichen Festsetzungen (die Veränderungssperre der Stadt läuft bald aus) den drängelnden Investoren irgendwann zu große Spielräume in Sachen Einzelhandel ermöglicht werden. Der jetzt verabschiedete Entwurf erscheint als eine solide Grundlage, auf der man weiter diskutieren kann. Doch den großen Argumente-Austausch, wo und in welchem Umfang Einzelhandel in Werther künftig stattfinden sollte, kann das Planverfahren nicht ersetzen. Es bleibt letztlich Stückwerk-Politik. Wo ist die große Debatte über einen Masterplan Einzelhandel? Stefan Küppers

Planer Werner von Beeren gab das erklärte Ziel aus, die neue Front zur Engerstraße möglichst attraktiv gestalten zu wollen. Deshalb sollen dort nicht einfach die üblichen flachen Märkte mit großen Parkflächen davor entstehen, sondern der Entwurf regt hier eine optisch wertige Gestaltung an. Deshalb soll auf einem Areal direkt an der Engerstraße zwingend eine mindestens zwei-, maximal dreigeschossige Bauweise vorgegeben werden. Hier ist eine Gebäudehöhe vom maximal zwölf Meter vorgegeben. Durch diese Angebotsplanung soll sichergestellt werden, dass Investoren über einem möglichen Einzelhandelsmarkt in zweiten und dritten Geschossen Büros oder andere gewerbliche Nutzungen unterbringen. Außerdem sollen aus Gestaltungsgründen die möglichen Werbeanlagen an der Engerstraße »eng gefasst« werden sowie die vorhandenen Bäume an der Straße weitgehend erhalten bleiben.

Im übrigen bleibt es aus Sicht der Stadt bei der Prämisse, dass ohne eine vorherige Sanierung des Weco-Geländes keine Bauvorhaben umgesetzt werden dürfen.

In der Diskussion wurde von CDU und Grünen insbesondere die Eilbedürftigkeit des Verfahrens in Frage gestellt. Rainer Mühl (Grüne) sieht viele wichtige Fragen ungeklärt, hier werde der falsche Weg eingeschlagen. Alexander Fillers (CDU) hält mit Blick auf den Einzelhandel die Planung für »nicht zukunftssicher«. Denn in den nächsten 10 bis 20 Jahren stünden beim Handel große Veränderungen bevor.

Andreas Honsel (FDP) äußerte sich zunächst ebenfalls ablehnend zum Entwurf und begründete dies mit der seit Jahren vertretenen Auffassung der Liberalen, dass es bei Weco keinen neuen Einzelhandel geben dürfe. Sein Nein änderte er nach einer Sitzungspause in ein Ja, als ihm Vertreter von SPD und UWG deutlich machten, dass ohne ihn wohl keine Mehrheit zustande käme. Die Bürgermeisterin betonte zudem, dass eine neue Gewerbegebietsplanung ganz ohne theoretische Zulassung von Einzelhandel wohl juristische Probleme bringe. Honsel meinte, dass er den Fortgang des Planungsprozesses nicht verhindern wolle, deshalb werde er zustimmen. »Wir können ja rechnen«, sagte Honsel, kündigte aber an, die juristischen Hinweise Weikes prüfen zu wollen.

Tatsächlich ging die Zustimmung nur mit 11:9 Stimmen durch. Wäre Honsel nicht zu SPD und UWG umgeschwenkt, wäre bei Stimmengleichheit der Plan abgelehnt worden. Vor den Folgen hatte Weike eindringlich gewarnt. Am Mittwoch, 4. September, 18 Uhr im Rathaus gibt es im weiteren Offenlage-Verfahren einen öffentlichen Erörterungstermin.

Was Gerhard Wehmeyer will und was mit der Zwangsversteigerung läuft

Der Eigentümer der Weco-Fläche, Gerhard Wehmeyer, hat am Rande der Sitzung Klagen von verschiedener Seite gegen den Bebauungsplan Nr. 42 »Weco-Center« prophezeit. Um das zu vermeiden, solle man eine Grundsatzvereinbarung zwischen der Stadt, ihm als Eigentümer, den Investoren und den beteiligten Kreditinstituten treffen, schlug er vor. Hierbei müsse der Grundsatz der Werterhaltung gelten. Dazu solle man abreißen, was nötig sei, und sanieren, was möglich sei. Den Bebauungsplan solle man zurückstellen bis nach der Rückbau- und Sanierungsphase.

Wehmeyer teilte weiterhin mit, dass ein Zwangsversteigerungsverfahren für das Weco-Gelände eingestellt worden sei. Grund seien die Ergebnisse eines Wertgutachtens. Beim Amtsgericht Halle war dazu gestern keine Bestätigung zu bekommen. Ein Zwangsversteigerungsverfahren war von der Sparkasse Bielefeld angestrengt worden. Ein zweites Zwangsversteigerungsverfahren hat die Stadt Werther eingeleitet. Den Schuldenstand von 223.366,42 Euro (Stand Juli 2018) bei der Stadt, der unter anderem durch Steuerrückstände aufgelaufen ist, hatte Wehmeyer selbst öffentlich gemacht (WB 2. Januar 2019) . Das von der Stadt betriebene Zwangsversteigerungsverfahren sei nicht zurückgezogen worden, sagte Bürgermeisterin Weike dem WB auf Nachfrage.

Startseite