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Viele der über 80-jährigen Menschen in Werther können nicht selbstständig zum Impfzentrum gelangen

Stadt will Fahrdienst ins Leben rufen

Werther

Einen Termin zur Corona-Schutzimpfung im Impfzentrum in Gütersloh zu bekommen, allein das stellt für viele schon eine große Hürde dar. Nächstes Problem: Wie komme ich überhaupt dorthin?

Volker Hagemann

Das Foto zeigt einen Probelauf im Impfzentrum des Kreises Gütersloh, bevor es am 8. Februar offiziell öffnete. Foto: Kreis Gütersloh

Denn viele der impfberechtigten über 80-jährigen Menschen sind nicht mehr mobil, viele haben keine Angehörigen oder Bekannten, die sie um Hilfe fragen könnten. Und wer sich die Verbindungen der öffentlichen Nahverkehrsmittel auf dieser Route anschaut, winkt schnell ab – Busfahrzeiten von eineinhalb Stunden pro Weg mit mehrmaligem Umsteigen sind für Menschen über 80 kaum zumutbar. Schon für einen einzigen Impftermin nicht, und ein zweiter käme ja noch hinzu. Etwa 25 Kilometer sind es von Werther bis zum Impfzentrum an der Marienfelder Straße in Gütersloh, aus Häger oder Theenhausen noch mehr.

Nicht immer werden Taxikosten übernommen

Die Stadt Werther will daher einen Fahrservice für alle nicht mehr mobilen Senioren auf die Beine stellen. Wie dieses Angebot aussehen wird, steht noch nicht fest. Jan-Holm Sussieck (FDP) hatte das Thema am Rande des Haupt- und Finanzausschusses angesprochen; er berichtet von einer über 80-jährigen Frau, die keine Möglichkeit habe, eigenständig zum Impfzentrum zu kommen, und die auch keine Angehörigen habe. Ähnliches berichtet Bürgermeister Veith Lemmen (SPD) von einer über 90-jährigen Frau, die im April ihren ersten Impftermin hat, aber noch nicht weiß, wie sie zum Impfzentrum kommt. „In Werther gibt es derzeit 863 Menschen über 80 Jahre, die also der so genannten Impfkategorie I angehören“, informiert Lemmen. Die Übernahme der Taxikosten durch die Krankenkasse sei zwar eine Möglichkeit, diese könne aber nicht von allen Menschen in Anspruch genommen werden. Das bestätigt Rainer Lange von der DAK Nordrhein-Westfalen auf WB-Anfrage: „Diese Kostenübernahme gilt nur für diejenigen, die durch Sehbehinderung, Schwerbehinderung oder eine andere Beeinträchtigung oder wegen ihres Pflegegrads ohnehin kostenlos Taxifahrten zu ambulanten Behandlungen in Anspruch nehmen dürfen.“ Im Übrigen bedürfe das wiederum oft der Rücksprache mit dem Hausarzt, gibt Veith Lemmen zu bedenken.

„Wir überlegen daher, mit ehrenamtlicher Hilfe Fahrten zum Impfzentrum zu organisieren. Ich denke da etwa an Vereine und Kirchen, für das Organisatorische auch an die Stadt selbst“, erklärt der Bürgermeister. Er macht aber auch klar: „Selbst, wenn beispielsweise nur 50 der 863 Personen durch solche Dienste gefahren werden müssten, würde das ein enormer Aufwand.“ Würden sich Privatleute für solche ehrenamtlichen Fahrten finden, wären sie über die Stadt dafür abgesichert. In jedem Fall müssten während der Fahrt FFP2-Masken getragen werden. Busunternehmen könne man leider nicht fragen, weil die Termine im Impfzentrum immer nur einzeln, nicht gruppenweise vergeben werden.

FDP schlägt telefonische Anlaufstelle vor

Jan-Holm Sussiecks Parteikollege Andreas Honsel schlägt eine telefonische Anlauf- und Sammelstelle bei der Stadtverwaltung oder beispielsweise im Familienzentrum „Fam.o.S.“ vor, um die Anbieter von Fahrten und die Senioren, die zum Impfzentrum wollen, zusammenzubringen. „Auch die Johanniter oder das DRK könnte man fragen“, sagt Andreas Honsel.

Momentan befinde man sich mit mehreren Institutionen noch in Gesprächen, erklärt Bürgermeister Veith Lemmen. Vor allem eines hat er dabei schon jetzt festgestellt: „Es besteht, wie so oft in Werther, eine große Hilfsbereitschaft!“

Derweil richten sich die Hoffnungen vieler Menschen auch auf die Möglichkeit, sich die Corona-Schutzimpfung eines Tages beim Hausarzt verabreichen zu lassen. Wann das möglich sein wird, ist noch offen. Denn zum einen muss dafür ausreichend Impfstoff vorhanden sein, zum anderen muss dieser dann auch unter Standardbedingungen gelagert werden können.

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