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Landwirte aus Werther wollen den Ursachen des Wassermangels auf den Grund gehen

Trockene Fichten, versiegte Brunnen

Werther (WB). Die Folgen der Trockenheit im Boden sind offensichtlich, einige Landwirte haben eine Ursache in Verdacht: Sie fürchten, dass die Stadt Werther zu viel Grundwasser fördert.

Johannes Gerhards

Ein Bild der Verwüstung bietet sich derzeit auf der Wertheraner Egge. Zahlreiche Fichten mussten wegen Borkenkäferbefall abgeholzt werden. Jürgen Schierenbeck (Landwirtschaftlicher Ortsverein), Karsten Steinmann und Heinrich-Theodor Venghaus (Vorsitzender Forstbetriebsgesellschaft, von links) halten laut eigener Aussage einen Zusammenhang mit der von der Stadt Werther geförderten Trinkwassermenge für möglich. Sie erhoffen sich Aufklärung bei einer Info-Veranstaltung am Donnerstag. Foto: Johannes Gerhards

»Die Stadt Werther fördert ihr Wasser derzeit ohne rechtliche Grundlage«, sagt Landwirt Karsten Steinmann, denn am 31. Juli 2018 sei die wasserrechtliche Erlaubnis nach 30 Jahren abgelaufen. Deren Verlängerung sei inzwischen beim Kreis beantragt worden, erklärt dazu Rainer Demoliner als Betriebsleiter des Wasserwerks.

Warmenau-Quelle trocken

Dennoch ärgern sich Steinmann und seine Kollegen aus dem Kreis der Waldbauern über die deutlich spürbaren Folgen, wenn möglicherweise erhöhte Wasserentnahme und ein trockener Sommer zusammen kommen. »Voriges Jahr ist die Warmenau trocken gelaufen. Ich kenne niemanden, der sich an ein derartiges Ereignis erinnern kann«, betont auch Heinrich-Theodor Venghaus als Vorsitzender der Forstbetriebsgesellschaft.

Der Hof von Karsten Steinmann und die von ihm betriebenen Wohnhäuser am Fuße des Hapkenberges mussten im vergangenen Sommer auf Notversorgung mit Wasser umstellen.Auch im Wald seien irreversible Schäden entstanden. Orkan Friederike ließ die Fichten auf der Egge zwar stehen, trotzdem bietet sich hier heute ein deprimierendes Bild des Kahlschlags. Der Borkenkäfer hat – wie auch an anderen Stellen im Teuto – besonders heftig zugeschlagen. Deswegen mussten laut Venghaus über 100 Festmeter Fichte gefällt werden. Für die Waldbesitzer sei das eine Katastrophe, zumal das Holz schwierig zu vermarkten sei, weil die Preise sich in den letzten zwei Jahren nahezu halbiert hätten.

Leichtes Spiel für den Borkenkäfer

»Bei Wassermangel können sich die Bäume nicht durch ausreichende Harzung gegen den Borkenkäfer wehren«, erklärt Venghaus und verweist mit Blick in den Wald auf weitere braun verfärbte Nadelbäume mit ersten Anzeichen von Borkenkäferbefall. »Bei feuchter Kälte verpilzen und vergammeln die Käfer. Die gegenwärtigen Temperaturen fördern dagegen seine Ausbreitung«, bestätigt auch Jürgen Schierenbeck, der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsvereins Werther.

Eine mögliche Ursache für den Wassermangel sehen die Bauern im Wasserversorgungskonzept der Stadt Werther begründet. Die Erlaubnis von 210.000 Kubikmeter am Brunnen Schanze werde derzeit nicht ausgeschöpft, wie Rainer Demoliner bestätigt. Allerdings stehen hier bereits Haushaltsmittel für einen neuen Brunnen an geeigneter Stelle bereit. Verbleiben die Entnahmestellen Rotingdorf (Temming) und Kök: Beide fördern aus der selben Schicht und tragen damit nach Ansicht der Waldbauern so zum Absinken des Grundwasserspiegels bei. Die bislang genehmigte jährliche Fördermenge betrage hier 474.000 Kubikmeter, allerdings lägen genauen Zahlen aus dem Jahr 2018 noch nicht vor. Auch die Daten aus dem engen Netz der Peilbrunnen seien bisher noch nicht veröffentlicht.

Info-Veranstaltung in Häger

»Wir wollen niemanden etwas anhängen, aber die Sachlage klären und die Zusammenhänge aufzeigen«, betonen Schierenbeck und Venghaus. Sie laden aus diesem Grunde zu einer Informationsveranstaltung am kommenden Donnerstag, 28. Februar um 19.30 Uhr im Gasthof Weinhorst in Häger ein. Hier soll das Wasserversorgungskonzept ganz allgemein behandelt werden und die möglichen Ursachen für das Versiegen von Warmenauquelle und diverser Hausbrunnen sowie die Waldschäden entlang der Wertheraner Egge zur Sprache kommen.

Neben Bürgermeisterin Marion Weike, Rainer Demoliner und Volker Kahmann als technischer Leiter des Wasserwerks, die aktuelles Zahlenmaterial und entsprechende Daten vorlegen werden, wird auch Gutachter Dr. Dirk Brehm die Zusammenhänge aus geologischer Sicht erläutern.

Unterdessen kümmert sich die Forstbetriebsgesellschaft um neue Absatzmöglichkeiten für ihren nachwachsenden Rohstoff. »Dank Donald Trump haben sich Exportmöglichkeiten nach China ergeben«, so kommentiert Heinrich-Theodor Venghaus die etwas absurde Situation.

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