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Oliver Heidemann und Kolja Schmidt aus Werther erleben Jahrhundertsturm in Florida

Turbulente Nacht in Orlando

Werther/Orlando (WB/bec). Es sieht ganz so aus, als seien Oliver Heidemann (26) aus Häger und sein Freund Kolja Schmidt (22) aus Schröttinghausen mit einem blauen Auge davon gekommen. Ihr Florida-Urlaub gestaltet sich dank Hurrikan »Irma« als Abenteuerreise, doch das Auge des Sturms ist in der Nacht zu Montag (Ortszeit) in Orlando ohne schlimme Folgen über sie hinweg gezogen.

Wenig Zeit für Urlaub: Oliver Heidemann (rechts) und Kolja Schmidt sind vor Hurrikan »Irma« nach Orlando/Florida geflüchtet. Foto:

Keine Frage: Diese Ferien hatten sich die beiden jungen Männer komplett anders vorgestellt. Kaum waren sie Montag vor einer Woche in Miami gelandet, kündigte sich der Jahrhundertsturm an. Die Warnungen waren deutlich, das Strandfeeling damit schon nach einem Tag vorbei. Bereits am Mittwoch entschlossen die beiden, sich gen Norden in Sicherheit zu bringen. Wie so viele. »Statt vier Stunden haben wir mit unserem Mietwagen acht Stunden von Miami Beach bis Orlando gebraucht«, berichtet Oliver Heidemann von übervollen Highways. An ein Weiterkommen war nicht zu denken. Flüge waren abgesagt, Eisenbahnen standen still.

Immerhin fanden die Urlauber auf Anhieb noch ein Hotelzimmer. Zentrale Lage, stabile Bauweise, vor zwei Jahren errichtet, von soliden anderen Gebäuden umgeben – es sind plötzlich ganz andere Merkmale, die ein Hotel »ideal« erscheinen lassen. Selbst das Mietauto fand noch ein sicheres Plätzchen. In der vierten Etage eines Parkhauses würde es vor Überschwemmungen gefeit sein.

Die beiden Männer bleiben gelassen

Oder würde es doch alles viel schlimmer kommen? Die Bilder, die sämtliche TV-Stationen rund um die Uhr sendeten, waren dramatisch. Schließlich hatte der Monstersturm Sonntag die Südspitze Floridas erreicht und ein Bild der Verwüstung hinterlassen. »Als dann um 18.30 Uhr noch eine Tornado-Warnung übers Handy kam, sind wir doch leicht nervös geworden«, gesteht Oliver Heidemann. Die besorgten Nachfragen aus der Heimat taten ein übriges.

Doch insgesamt bewahrten sich die jungen Männer ihre Gelassenheit. »Die Leute hier sind sehr nett und hilfsbereit. In einem benachbarten Hotel wurden in der Lobby für die Gestrandeten Kinderspielecken und Kinos eingerichtet. Niemand musste allein sein«, erzählt Oliver Heidemann.

Der Hägeraner und sein Freund, beide beim kleinen HSV aktiv, zogen sich jedoch auf ihr Zimmer zurück. Unfassbare Mengen Regen, gewaltiger Sturm: Eine Weile haben sie das »Schauspiel« vor ihrem Fenster beobachtet – und sich dann schlafen gelegt. Das habe weitgehend gut geklappt, wenngleich es sehr laut draußen gewesen sei. Aber immerhin: Die Palme, die in der Nacht vom Sturm gepeitscht so einen Höllenlärm gemacht hatte, stand am nächsten Morgen noch. »Auch Autos fahren wieder. Es scheint, als sei es hier nicht so schlimm gewesen«, sagt Oliver Heidemann, den das WESTFALEN-BLATT gegen 8.30 Uhr Ortszeit telefonisch erreicht hat.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Männer das Hotel allerdings noch nicht verlassen. Überhaupt müssen sie nun sehen, wie ihre Reise weitergeht. Das Hotel haben sie nur bis Dienstag. Erst zwei Tage später geht ihr Flieger nach Hause. Der soll in Miami starten – doch noch steht der Flughafen dort unter Wasser.

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