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Werther

Viele Einschränkungen schmerzen

Werther

Hygieneregeln, Abstand, Schnelltests, Besucherscreening – all das ist Alltag geworden, so gut es eben geht. Christel Friedrichs ist froh, dass der derzeitige Lockdown die Einrichtungen nicht so krass trifft wie der im vorigen Frühjahr.

Margit Brand

Die Pandemie verlangt nicht nur den Mitarbeitenden, sondern auch den Klienten der Einrichtungen der Flex-Eingliederungshilfe (hier das Haus Quellengrund) einiges ab. Foto: Margit Brand

„Wir sind bislang gut durch die Pandemie gekommen. Aber es ist und bleibt eine ganz, ganz harte Zeit für alle Beteiligten“, resümiert Christel Friedrichs, Geschäftsführerin der Flex-Eingliederungshilfe gGmbH, die unter dem Dach der Diakonischen Stiftung Ummeln neben der stationären Einrichtung in Werther mehrere Wohngruppen im Altkreis mit Menschen mit Behinderungen betreut.

Christel Friedrichs spricht nicht nur Mitarbeitenden großes Lob aus, sondern ausdrücklich auch den Klienten. „Ihre Disziplin ist in den allermeisten Fällen bemerkenswert.“

„Es herrschte für Außenstehende ja quasi Betretungsverbot, und auch unsere Werkstätten, die wichtige Säulen der Tagesstruktur sind, mussten geschlossen bleiben“, erinnert sie. Erst im Sommer habe das nach und nach wieder aufgebaut werden können.

Trotz mancher Erleichterung bleiben Einschränkungen, die die Geschäftsführerin als schmerzlich empfindet, weil sie die Eigenständigkeit der Klienten, die zu unterstützen sich die Stiftung auf die Fahnen geschrieben hat, unterbinden. Da konterkariere die Pandemie oft. Sie nennt ein Beispiel: „Da möchte ein Klient gerne regelmäßig nach Bielefeld fahren, was die Zeit der Betreuer nicht immer erlaubt. Normalerweise ist es so, dass dann gemeinsam das Busfahren Stück für Stück geübt und erlernt wird. So wichtige Schritte fallen im Moment einfach weg.“

Genauso das Einkaufen. Obwohl: „Jetzt werden oft neue Wege eingeschlagen. Da sitzen Betreuer und Klient stattdessen vor einem Katalog oder einem Bildschirm, um Hose und Pullover auszusuchen“, erzählt sie und sieht in diesem Mehr an Digitalem einen klar positiven Effekt, den Corona eben auch habe. „Mittlerweile haben wir auch schon Bewohnerbeiräte komplett als Web-Meeting abgehalten. Auch aus den Werkstätten kommt die Rückmeldungen, dass sich die Menschen mit Behinderungen verstärkt für den Computer interessieren. Friedrichs findet das gut: „Wir müssen auch an die digitale Welt heranführen. Ohne Corona wäre das sicherlich nicht in diesem Tempo geschehen.“

Trotzdem laufen natürlich im Hintergrund längst die Überlegungen, wie das „Normale“ wieder in den Alltag kommen kann. Die Impfungen bilden da natürlich einen zentralen Bestandteil. Doch die Bewohner der Flex-Einrichtungen genießen keinerlei Sonderstatus. Das bedeutet: In der Waldheimat am Teutoburger-Wald-Weg werden (hoffentlich) in Kürze etwa ein Dutzend Bewohner geimpft, die über 80 Jahre alt sind. „Ein Termin ist in Sichtweiter“, sagt Friedrichs. Die anderen Bewohner wie auch Mitarbeitende sind in Kategorie II eingestuft und sind erst an der Reihe, wenn die Hochbetagten durchgeimpft sind.

Unterdessen läuft die übliche (Verwaltungs-)Arbeit – wenn auch unter erschwerten Bedingungen wie in anderen Betrieben auch – weiter. „Da lassen wir uns von Corona nicht aufhalten“, sagt Friedrichs und erinnert an die Wohngruppe in Borgholzhausen, die in ihrem Neubau fristgerecht gestartet ist – wenn auch leider ohne Einweihungsfeier. Neue Bauprojekte sind für dieses Jahr in Versmold und Bielefeld vorgesehen. Besonders freut sich Christel Friedrichs, dass die Diakonische Stiftung im Dezember 2020 einen eigenen ambulanten Pflegedienst gegründet hat.

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