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In Werther fehlen insbesondere Altenwohnungen mit Sozialbindung

»Vier bis fünf Jahre Wartezeit«

Werther (WB). Werther hat ein massives Problem mit zu wenig Sozialwohnungen, insbesondere für ältere Menschen mit Betreuungsbedarf. Auf einer städtischen Warteliste für betreutes Wohnen sind aktuell 149 Bewerber (Haushalte mit ein oder zwei Personen) eingetragen. Demgegenüber steht ein Bestand von 72 Wohnungen mit Sozialbindung, die nur gelegentlich frei werden.

Stefan Küppers

Die Altenwohnungen mit Sozialbindung zum Beispiel an Mühlenstraße sind heiß begehrt. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Martina Flaig, Sachbearbeiterin in der Stadtverwaltung und unter anderem zuständig für Grundsicherung im Alter (Fachbereich III Ordnung und Soziales), informierte am Montag den Sozialausschuss umfassend über die aktuelle Lage bei Sozialwohnungen. Insgesamt verwaltet die Stadt ein Portfolio von 188 Sozialwohnungen. Das bedeutet, dass das Rathaus die Neu- oder Wiederbelegung von solchen Wohnungen in Abstimmung mit den Vermietern (zum Beispiel der KWG) regelt.

Kommentar

Es ist sehr verdienstvoll, dass die Stadtverwaltung (auf Antrag der UWG) mal umfassend die Probleme mit fehlenden Sozialwohnungen dargestellt hat. Insbesondere die massive Unterdeckung beim betreutem Wohnen im Alter dürfte manchen Politiker erschrocken haben.

Die Frage ist, was aus solchen Erkenntnissen nun folgt. Dass Investoren unter den gegebenen Bedingungen nur äußerst schwer für sozialen Wohnungsbau zu begeistern sind, ist bekannt und nachvollziehbar. Will die Stadt das ändern, wird sie ihre bisherige Förderung für Investoren wohl massiv erhöhen müssen. Das soziale Problem mit immer mehr Älteren jedenfalls drängt.

Stefan Küppers

Schon außerhalb des Sonderthemas Senioren gibt es für Einzelpersonen und Familien mit geringem Einkommen und Anspruch auf eine Sozialwohnung Probleme. 99 Haushalte (zwischen ein und fünf Personen) stehen derzeit auf einer Warteliste. Für diese Klientel stehen laut Martin Flaig zwar 116 normale Sozialwohnungen zur Verfügung. Doch gerade für größere Familien mit fünf und mehr Personen sind es gerade mal drei Wohnungen insgesamt, die die Stadt vergeben könnte. Im Bereich »Betreutes Wohnen« hat die Stadt Zugriff auf besagte 72 Sozialwohnungen. Doch das Problem ist neben der starken Nachfrage die geringe Fluktuation bei den Sozialmietern. In diesem Jahr konnten in den ersten neun Monaten laut Flaig gerade mal 15 Wohnungen neu belegt. »Und das war schon ein gutes Jahr«, verdeutlichte die Sachbearbeiterin. In anderen Jahren wurde auch mal nur eine Handvoll Wohnungen wiederbelegt.

Speziell im Bereich »Betreutes Wohnen« konstatiert Flaig eine Wartezeit von derzeit von vier bis fünf Jahren. Weil die altengerechten Sozialwohnungen nach Eingang auf der Warteliste vergeben werden, empfiehlt Flaig allen Interessierten sich rechtzeitig vormerken zu lassen. Allerdings betonte die Sachbearbeiterin, dass bei der derzeitigen Lage Bewerber außerhalb von Werther keine realistische Chance hätten, an eine solche Wohnung zu kommen. Von den Suchenden für betreutes Wohnen kommen 90 Haushalte aus Werther, 59 von außerhalb.

Martina Flaig geht davon aus, dass mehr Menschen einen Anspruch auf eine Sozialwohnung im Alter haben, als diese selbst von sich vermuten würden. Da für einen Anspruch ein sogenanntes bereinigtes Einkommen gilt, für das zum Beispiel Werbungskosten, pauschale Abzüge von der Krankenversicherung und insbesondere hohe Absetzungsbeträge für eventuelle Pflegegrade eines Partners mit eingerechnet werden, lohnt es sich Martina Flaig zufolge, hier im Einzelfall immer nachzurechnen.

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