1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Werther
  6. >
  7. Von Flächenfraß und hungrigen Käfern

  8. >

Redebedarf: Werthers Bürgermeisterkandidaten stellen sich 140 Zuhörern vor

Von Flächenfraß und hungrigen Käfern

Werther (WB). Zum ersten Mal waren Samstag alle fünf Bürgermeister gemeinsam zu erleben, der Andrang war groß: 140 Personen verfolgten eine sachliche Diskussionsrunde in der Maschinenhalle des Hofes Temming, die vom Landvolk organisiert worden war. Es moderierten Leon Rother und Jürgen Schierenbeck.

Malte Krammenschneider

Klimaschutz- und Wasserfragen standen im Mittelpunkt der Fragerunde, die Vertreter der Landwirtschaft organisiert hatten. Die Bürgermeisterkandidaten (v.l.) Thorsten Schmolke (Grüne), Veith Lemmen (SPD), Andreas Steffens (WDGA), Johannes Decius (UWG) und Ralf Eckelmann (CDU) diskutierten sachlich. Foto: Krammenschneider

Offenbar gab es, nicht zuletzt durch den Corona bedingten Ausfall vieler Wahlkampfveranstaltungen, viel Redebedarf bei den Anwesenden, zu denen nicht nur Landwirte gehörten. Gleichwohl standen neben Themen wie Familien-, Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik vor allem zwei Themen im Fokus. Zum einen das Wertheraner Wasser, und zum anderen die mit dem Klimawandel einhergehenden Herausforderungen, vor die die Landwirte zukünftig gestellt werden.

Geld für Waldbauern

Letztere sieht Thorsten Schmolke (Grüne) als ein großes Problem, das besonders die Forstwirtschaft betreffe. „Es betrifft ja nicht nur Buchen und Fichten. Auch die Kastanie hat mittlerweile durch die Trockenheit zu kämpfen. Es muss mit beständigeren Bäumen aufgeforstet werden, denn wir brauchen Holz zum Bauen“, sagte Schmolke, der sich für eine finanzielle Unterstützung von Waldbauern stark machen möchte. Dass diese in jüngster Zeit sehr gelitten haben, berichtete aus dem Publikum Carsten Steinmann, der nach eigener Aussage durch ausgebliebenen Regen und Schädlinge wie dem Borkenkäfer fünf Hektar Wald verloren hat.

Laut Veith Lemmen (SPD) bedarf es guter und interkommunaler Konzepte, um die Wälder zukunftstauglich zu machen. „Der Wald hört ja nicht an der Grenze zu Bielefeld auf“, so der Sozialdemokrat, der möchte, dass Landwirte nicht „zwischen Baum und Borke geraten“. „Die Gesellschaft möchte für ihr Fleisch nicht viel bezahlen und würde das Tier gleichzeitig am liebsten tot streicheln. Es muss eine Gemeinschaftsaufgabe sein, das besser zu machen“, erklärte Lemmen.

Leise Unterschiede

Unterschiede bei den Kandidaten wurden bei der Frage nach neuem Bauland deutlich. Während Johannes Decius (UWG) und Ralf Eckelmann (CDU) sich mit Blick auf eine Erweiterung des Süthfeldes für eine maßvolle Bebauung einsetzen wollen um den Zuzug von jungen Familien zu fördern, zeigen sich die anderen Parteien zurückhaltender.

„Wir sprechen ja über Flächen, die der Landwirtschaft verloren gehen würden“, sagte Thorsten Schmolke, der stattdessen verdichten und höher bauen möchte. Andreas Steffens (Wählergemeinschaft „Werther – das geht anders“) sprach aufgrund des damit verbundenen Flächenfraßes von einem „No Go“. Veith Lemmen sagte vorsichtig, die Ausweisung von Neubaugebieten müsste „genau überlegt“ werden.

Kreative Lösungen

Lebhaft wurde darüber hinaus auch die Situation des Wertheraner Trinkwassers diskutiert. Andreas Steffens favorisiert diesbezüglich „kreative Lösungen“ wie eine zusätzliche Brunnenbohrung an der „Schanze“. Einen Vorschlag, den Ralf Eckelmann ablehnte. Er kritisierte, dass die Verwaltung beim Thema Wasserversorgung jahrelang „auf Verschleiß gefahren“ habe. „Das Resultat sehen wir jeden Tag an unseren Wasserhähnen“, so Eckelmann. Lemmen forderte, dass bezüglich neuer Rohrleitungssysteme „Tempo“ gemacht werden müsse.

Insgesamt sei man sich einig, dass die Wasserversorgung der Stadt sowie der Landwirtschaft auch zukünftig gewährleistet sein muss. Dazu beitragen solle auch ein bewussterer Umgang mit dieser wertvollen Ressource.

Startseite