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Großbaustelle Werther-Theenhausen im Endspurt – Auto-Ärger an der Voßheide verschärft sich

Vor dem Plan – aber Anlieger leiden

Werther (WB). Am 21. Mai ist es genau ein Jahr her, dass die Bauarbeiten begonnen haben. Für viele Theenhausener bedeutet die Erneuerung der Ortsdurchfahrt einen monatelangen Stresstest - für Nerven, Schuhwerk, Putzmittel und Autofahrwerk. Die gute Nachricht: Wenn das Wetter weiterhin mitspielt, kann die für Ende des Jahres geplante Freigabe vor­aussichtlich etwas früher erfolgen.

Gunnar Feicht

Kanalbau vor Wietes Wirtshaus, das laut Aushang am 21. Mai wieder öffnen will. Die Erneuerung der Kanalelemente im Auftrag der Stadt Werther hat den letzten Abschnitt der Ortsdurchfahrt erreicht. Das Teilstück davor wird im Juni asphaltiert. Foto: Gunnar Feicht

Bauleiter Guido Evermann vom Gütersloher Straßen- und Tiefbauunternehmen Gröschler riskiert zwar keine genaue Prognose. Aber er stellt fest: „Zur Zeit liegen wir zwei bis drei Wochen vor der geplanten Zeit. Ende Juni soll der nächste Abschnitt - etwa bis zur Wendeschleife für die Busse - asphaltiert werden.“ Aus südlicher Richtung gesehen, haben die ersten 400 Meter der „neuen“ Theenhausener Straße schon eine feste Decke erhalten haben. Nun sollen sich vor Beginn der Sommerferien weitere knapp 300 Meter aus einer staubigen Schotterpiste in ein Asphaltband verwandeln. Dann fehlt noch das dritte und letzte Teilstück bis zum nördlichen Ortsrand.

Nächster Asphalt im Juni

Mit der Fahrbahnerneuerung und dem Bau der Geh-/Radwege werden an der Kreisstraße im Auftrag der Stadt Werther auch neue Kanalrohre verlegt. Deshalb braucht die Baustelle mehr Zeit als eine reine Straßenbaumaßnahme. „Die Arbeiten für den Kanalbau werden noch etwa vier Wochen dauern“, sagt Bauleiter Guido Evermann mit Blick auf den nördlichen Bauabschnitt, der als letzter fertiggestellt wird. Zurzeit rollen parallel dazu Betonmischer heran: Mit Flüssigbeton werden derzeit alte Kanalelemente verdämmt, die im Erdreich des Straßenunterbaus liegen bleiben.

Im Winter durchgearbeitet

Für die insgesamt zwei Kilometer lange Baumaßnahme (vom Lokal Outside bis zum Ortseingang erhielt nur die Fahrban eine neue Decke) haben Kreis und Stadt zusammen gut drei Millionen Euro Gesamtkosten veranschlagt. Auch Henrik Egeler, Leiter der Abteilung Tiefbau beim Kreis Gütersloh, ist mit dem Verlauf der Arbeiten zufrieden: „Im Winter konnte annähernd durchgearbeitet werden. Durch die besondere Situation wegen der Corona-Verordnungen gab es keine Einschränkungen.“

„Brauchen Schülerlotsen“

Großes Ärgernis bleibt „die Unvernunft vieler Verkehrsteilnehmer“ (Egeler), die oft eben nicht den ausgeschilderten weiträumigen Umleitungen folgen, sondern nach Schleichwegen suchen. Vor allem die Anlieger der Wohnstraße Voßheide sind sauer: Auf dem Parallelstrang zur gesperrten „Theenhausener“ herrscht trotz Verbots nicht nur reger Durchgangsverkehr, sondern oft werde in der Rechts-vor-links-Zone auch viel zu schnell und rücksichtslos gefahren. „Wenn wir die Straße zu unseren Stellflächen auf der anderen Fahrbahnseite überqueren, dann brauchen wir zu bestimmten Tageszeiten eigentlich einen Schülerlotsen“, klagen Mitarbeiter der Landtechnik-Werkstatt von Tobias Noak, die genau im Einmündungsdreieck zwischen Voßheide und Dieckbrede liegt.

„Von Aurich bis München“ - die Noak-Mitarbeiter registrieren viele auswärtige Autokennzeichen, was auch Rüdiger Paulsen auffällt. Der Anlieger der Voßheide hat den Eindruck, dass die Auto-Frequenz seit Jahresbeginn noch zugenommen hat. „Es wäre gut, wenn die Polizei öfter kontrollieren würde“, wünscht sich Paulsen für die „Durchfahrt verboten“-Zone. Bernhard Riepe vom Straßenverkehrsamt des Kreises begleitet das leidige Thema seit Beginn der Straßensperrung. Die Polizei habe keine personellen Kapazitäten für mehr Kontrollen, sagt Riepe. Und viele Autofahrer - gerade aus entfernten Regionen nutzten stur die Wege, die ihnen ihr Navigationssystem vorgibt, ohne sich um Umleitungsbeschilderungen zu scheren. Zwei Sperrschranken, die an der südlichen Einmündung der Voßheide den Durchgangsverkehr aufhalten sollten, wurden zerstört. Die wollen auch die Anlieger nicht zurück, fordern aber weiterhin mehr Kontrollen.

Zusätzliche Kosten

Das hohe Verkehrsaufkommen auf den Schleichwegen - besonders im Westen von Theenhausen - erzeugt zudem zusätzliche Kosten für die Steuerzahler: Rund 25.000 Euro musste der Kreis ausgeben, um Dieckbrede und Barnhausener Straße mit Baken am Fahrbahnrand auszurüsten. „Sonst würde an den schmalen Fahrbahnen der Seitenstreifen völlig zerstört. Und es geht darum, das sonst oft viel zu hohe Tempo der Autos zu reduzieren“, sagt Bernhard Riepe.

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