Kommentar zur Situation von Kindern in der Pandemie

Was die Jugend jetzt verdient

Werther

Diejenigen mit dem geringsten Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, haben das vielleicht größte Stück Solidarität gezeigt in dieser Pandemie: Kinder und Jugendliche. Und sie leiden, meint die WB-Kommentatorin.

Margit Brand

Wenn Schulen geschlossen bleiben, fällt für Kinder und Jugendliche weit mehr weg als nur Unterricht. Foto: Arne Dedert/dpa

Der eine leidet mehr, die andere weniger. Aber fest steht: Spurlos geht das an der jungen Generation nicht vorbei, die gelangweilt und genervt vorm Rechner die Schulaufgaben löst. Die keine Kindergeburtstage und keine Feten feiern darf. Die auf Training und Turniere wartet. Die ihre Freunde nicht nur mehr vermisst als alle anderen, sondern auch mehr braucht als alle anderen.

Es ist (zu) viel Zeit verstrichen, bis die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen in den Fokus rückten. Dass in Werther jetzt der Wettbewerb „Corona – wir und ich“ gestartet wurde, ist deshalb aller Ehren wert. Es ist zu wünschen, dass viele Beiträge eingereicht werden, damit die Erwachsenen hinsehen müssen.

Aber was passiert eigentlich, wenn das öffentliche Bewusstsein geschärft ist? Wird dann geklatscht wie vor einem Jahr für die Krankenschwestern? Die Parallele zur Pflege lehrt uns, dass es damit nicht getan ist. Die Bildungslücken, die sich nach eineinhalb Jahren Pandemie auftun, sind ohne Zweifel ein Problem. Das stellt die CDU in ihrem Antrag auf verstärkte Förderung der Grundschüler ganz richtig heraus. Doch Kinder dürfen nicht auf den Leistungsgedanken reduziert werden. Noch dringender als Nachhilfe brauchen sie Unbeschwertheit. Wenn Werther konkret etwas für seine jungen Bürgerinnen und Bürger tun möchte, dann muss das Freibad aufmachen, so schnell es wieder geht. Dann muss es Ferienspiele geben, wie die Regeln es gerade erlauben.

Die größten Freiheiten ermöglicht die Impfung – vielleicht ja schon bald auch für ältere Kinder. Die Frage der Impfreihenfolge ist ein explosives Thema. So einfach ist sie auch nicht zu lösen oder auszuhebeln. Aber: Tausende freie Impfplätze im Kreis Gütersloh für Über-70-Jährige machen gerade Familien nachdenklich. Hadern da womöglich viele Senioren, ob sie statt Astra Zeneca sofort lieber Biontech ein paar Wochen später nehmen sollten? Im Sinne der Solidarität mit der Jugend, die mit ihrer Rücksicht auf Risikogruppen sehr in Vorleistung getreten ist, sollten diese Impfwilligen neu nachdenken. Eine mRNA-Dosis im Arm eines Über-60-Jährigen fehlt womöglich am Ende einem jungen Menschen, der seine Freiheit herbei sehnt.

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