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Wählergemeinschaft „Werther – Das geht anders!“ stellt Wahlprogramm vor

Was die „Neuen“ wollen

Werther (WB). Die „Neuen“ auf dem Wahlschein zur Wertheraner Kommunalwahl am 13. September stellen klare Forderungen: Ein Rederecht von Einwohnern in jeder Ausschuss- und Ratssitzung, überhaupt eine Bürgerbeteiligung bei wichtigen Projekten, sogar die Rückabwicklung der Blotenberg-Planungen und viel mehr Tempo bei der Verbesserung der Wasserqualität – das sind Kernpunkte im Wahlprogramm der neu gegründeten Wählergemeinschaft „Werther – Das geht anders!“ (WDGA).

Volker Hagemann

Teil des Wahlprogramms: „Die Blotenberg-Planungen müssen rückabgewickelt werden“, fordert die neue Wählergemeinschaft „Werther – Das geht anders!“. Das Bild zeigt den Blick auf einen Teil des Areals mit dem Hof Overbeck. Foto: Margit Brand

Tempo haben in den vergangenen Tagen auch die Initiatoren von „WDGA“ vorgelegt: Erst Ende Juni unter anderem von enttäuschten langjährigen Kommunalpolitikern der Grünen gegründet, hatten die Macher auf den letzten Drücker genügend Unterstützer-Unterschriften zusammen, um zur Kommunalwahl antreten zu dürfen – mit Direktkandidaten in allen 14 Wahlbezirken und obendrein mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten: Für Andreas Steffens kamen bis zur „Deadline“ am vergangenen Montagabend 119 Unterschriften zusammen, elf mehr als notwendig. Steffens (48), bislang parteilos, ist Ingenieur für Wassertechnik. Noch vor Monaten wurde er als möglicher Bürgermeisterkandidat der Grünen gehandelt, unterlag dann aber im Februar in einer Kampfabstimmung mit 6:13 Stimmen dem jetzigen Grünen-Kandidaten Thorsten Schmolke.

Rederecht in Rat und Ausschüssen

Wer sich das WDGA-Wahlprogramm durchliest, könnte auf den ersten Blick zahlreiche grüne Positionen entdecken: beim Klimaschutz, bei der Mobilitätswende und bei der Kritik am Flächenfraß beispielsweise. Doch von der bisherigen Art der Wertheraner Grünen, das einzufordern, hatten Grünen-Ratsherr Wolfgang Böhm und Professor Hans-Dieter Kübler zuletzt endgültig die Nase voll, wie sie sagen. Sie traten aus und riefen „Werther – Das geht anders!“ ins Leben.

Kernpunkte des Wahlprogramms: Die neue Wählergemeinschaft setzt auf mehr Bürgerbeteiligung auch in Rat und Ausschüssen. „Stimmen aus der Öffentlichkeit wurde bei vielen Entscheidungen kaum Raum gegeben – und wenn, dann nur der Form halber, etwa um an Fördermittel zu gelangen wie beim Böckstiegel-Museum und beim neuen ZOB“, heißt es im Programm. Und: „Was nützt ein 2,5 Millionen Euro teurer neuer Busbahnhof, wenn die Hin- und Rückfahrt mit dem Bus nach Bielefeld 9,80 Euro kostet?“, fragen die WDGA-Mitglieder. Sie fordern daher die Aufnahme Werthers in den Stadttarif Bielefeld. Gleichzeitig wollen sie den innerstädtischen Autoverkehr verlangsamen und die aus Borgholzhausen und Dornberg gestartete Initiative eines Radschnellwegs zwischen Borgholzhausen und Bielefeld „zügig wieder angehen“. Zudem solle die Engerstraße im Ortsdurchgang einen sicheren Radweg bekommen.

Kopfsteinpflaster stellt Gefahr dar

In Werthers Innenstadt will die Wählergemeinschaft außerdem die Barrierefreiheit umsetzen; trotz eines schon 2014 gefassten Ratsbeschlusses dazu führen sich Eltern mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren „viel zu lange schon im Wertheraner Kopfsteinpflaster in Rillen, Übergängen und an Bordsteinen fest“.

Beim Thema Wohnen bemängelt „Werther – Das geht anders!“ die bisherige Blotenberg-Planung: Das Baugebiet sei „mit einer ganzen Reihe finanzieller Risiken behaftet“, außerdem werde es beklagt. Daher fordert WDGA die Rückabwicklung der Planungen. Generell seien Flächenversiegelungen „angesichts der Klimakrise und des nicht vermehrbaren Raums aus der Zeit gefallen“. Für neues Wohnen und Gewerbe sei eine Verdichtung und die Nutzung von Industriebrachen (H.W. Meyer, Weco) sinnvoller. Gefordert wird die städtische Übernahme des Weco-Geländes für eine Sanierung mit öffentlichen Mitteln. Wolfgang Böhm und Prof. Hans-Dieter Kübler erinnern an die Idee eines „Urbanen Wohnens“. Zudem solle die Stadt den Hof Overbeck erwerben, um ihn zu einem „Kulturforum mit Veranstaltungsräumen“ umzubauen und dort auch die Stadtbibliothek mit mehr Fläche unterzubringen.

Auch Werthers Wasserleitungsnetz „mit ständigen Havarien und Eintrübungen“ wird thematisiert: Die Sanierung werde erst jetzt auf Druck der Bevölkerung „wiederum nur zaghaft“ angegangen und müsse vorangebracht werden, ebenso der Neubau einer Zentralkläranlage. WDGA setzt auf die beruflichen Kenntnisse ihres Bürgermeisterkandidaten: Andreas Steffens war bei der Stadt Werther einst als Projektmanager für den Kläranlagenneubau angestellt.

Wahlausschuss gibt grünes Licht für fünf Parteien

Seit der Sitzung des Wahlausschusses am Mittwochabend im Haus Werther steht offiziell fest: Fünf Kandidaten stellen sich zur Wahl zum nächsten Wertheraner Bürgermeister: Neben Ralf Eckelmann (CDU), Veith Lemmen (SPD), Thorsten Schmolke (Grüne) und Johannes Decius (UWG) geht wie berichtet ein fünfter Kandidat ins Rennen: Andreas Steffens von der neuen Wählergemeinschaft „Werther – das geht anders!“ tritt als Einzelbewerber an.

„Alle Wahlvorschläge sind fristgerecht eingegangen und zulassungsreif“, berichtete Wahlleiter und Wahlausschuss-Vorsitzender Guido Neugebauer von der Stadt Werther. Die Zulassung wurde einstimmig beschlossen. Das gilt neben den Bürgermeisterkandidaten auch für die Direktkandidaten: Alle fünf Parteien sind mit Kandidaten in den 14 Wahlbezirken vertreten.

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