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20 Beschwerden am Bürgertelefon – Brunnen-Neubohrung in Werther wird überwacht

Wasser-Experte sehr gefragt

Werther (WB). Wie sehr das Thema Trinkwasser derzeit die Gemüter erhitzt, wird deutlich beim Wahlslogan »Werthers Wasser ist die Härte« und der plakativen Forderung »Wasser klar machen«. Darauf weist auch der Ausschussvorsitzende Hanns Lindemann zu Beginn der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses hin. Im Zentrum steht ein Sachstandsbericht zur aktuellen Lage bei der Wasserversorgung.

Johannes Gerhards

Nicht immer mag man sich in Werther das Glas unter den Wasserkran halten und anschließend seinen Durst stillen. Mal ist das Wasser schneeweiß, dann wieder trübe rotbraun. Das Versorgungsnetz ist und bleibt eine große Baustelle. Foto: dpa

Neben Fachbereichsleiter Jens Kreiensiek und dem Leiter des Wasserwerks, Volker Kahmann, berichtet auch der seit März 2020 amtierende unabhängige Ombudsmann und Geohydrologe Dr. Dirk Brehm über seine Aktivitäten. In den bisher 20 Beschwerdeanrufen kamen anfangs auch Unmutsäußerungen über bekannte Missstände wie schneeweißes oder eingetrübtes Wasser zur Sprache. In der Regel konnte Dr. Dirk Brehm die eingeplante Reaktionszeit von drei Werktagen bei Beantwortung und Weiterleitung deutlich unterschreiten.

Schnelle Antwort

Voraussetzung bei dem niedrigschwelligen Angebot der Kontaktaufnahme sei eine weitgehende »Barrierefreiheit«, die durch Telefon, Messengerdienste und E-Mail-Adresse sichergestellt werde. »Manche Anrufer haben sich auch nach Hausbrunnenbohrungen infolge des trockenen Sommers oder die Gefährdung durch SARS-CoV2 über das Trinkwasser erkundigt«, schildert Dirk Brehm. Während er im zweiten Fall klare Entwarnung geben konnte, empfiehlt er statt Vertiefung eigener Brunnen lieber das Anlegen von Zisternen, um das Regenwasser aufzufangen und etwa für die Gartenbewässerung zu nutzen.

Nach Ansicht des Sachverständigen wird die Sanierung des Trinkwassernetzes Werther noch einige Jahre lang beschäftigen. Die durch hohen Kalkanteil bedingte Weißfärbung sei zwar unschön, aber nicht schädlich, erläutert Volker Kahmann und verweist auf die bestehende »wie ein Uhrwerk arbeitende« Enthärtungsanlage, die die schon extreme Wasserhärte auf mehr als die Hälfte verringere. Die Ursache für gelegentliche Braunfärbung in manchen Straßenbezirken sei auf Eisenmanganablagerungen in alten Gussleitungen zurückzuführen. Auf Dauer müssten rund 22 Kilometer Leitungen saniert werden, sagt Jens Kreiensiek, zunächst hätten aber die Wasserverteilungs- und Gewinnungsanlagen Vorrang.

Bauarbeiten im Zeitplan

Die Arbeiten am Hochbehälter Egge lägen im Plan und sollen Ende September abgeschlossen sein. Unmittelbar im Anschluss soll die Neubohrung des Brunnens Schanze beginnen. Kreiensiek geht davon aus, dass hier ab Ende März 2021 mehr als die aktuellen 13 Kubikmeter pro Stunde gefördert werden können. Um Engpässe in der Wasserversorgung zu vermeiden, springt Bielefeld mit der Einspeisung von etwa acht Kubikmetern pro Stunde in die Bresche. Die entstehende Differenzmenge könnten die Brunnen Kök und Temming bewältigen.

Diese fördern derzeit zusammen 70 bis 80 Kubikmeter pro Stunde aus einem »unterirdischen See«, wie Dirk Brehm es nennt. Bei zunehmender Förderung steigen allerdings die Sulfatwerte, für die der Kreis Gütersloh eine bis 31. März 2021 befristete Grenzwerterhöhung auf 500 Milligramm pro Liter genehmigt hat. Durch Beimischung des deutlich weicheren Wassers vom Brunnen Schanze und ständige Kontrollen ist eine Lösung dieses Problems laut Verwaltung absehbar.

Bohren und messen

Zur Sicherheit für einige Brunnenbesitzer in Seitentälern des Teutoburger Waldes wird zudem mit Messgeräten überprüft, wie sich die Neubohrung auf die Wasserstände auswirkt. Dirk Brehm erwartet in Folge der Waldzerstörung eine Zunahme der Grundwasserneubildung. Die Art des Waldes bezeichnet er als maßgeblich für das Grundwasser, Laubbäume benötigen nach seinen Angaben weniger davon als Nadelbäume.

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