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Amtsgericht lässt Drei-Hektar-Gelände versteigern – Stadt beantragt Zwangsverwalter

Weco kommt unter den Hammer

Werther (WB). In die jahrelangen Diskussionen um die künftige Nutzung des Weco-Geländes ist eine unerwartete Wendung gekommen. Beim Amtsgericht Halle ist gerade das Verfahren zur Zwangsversteigerung des knapp 30.000 Quadratmeter großen Geländes eröffnet worden.

Klaus-Peter Schillig

Insgesamt fast drei Hektar groß ist das Weco-Gelände zwischen Engerstraße (links), Blumenstraße und Speckfeld. Beim Amtsgericht Halle ist jetzt das Zwangsversteigerungsverfahren eröffnet worden, auch ein Zwangsverwalter ist eingesetzt. Foto: Ulrich Fälker

Als Hauptgläubiger hat die Sparkasse Bielefeld das Verfahren angestrengt. Die hält sich aber zu Einzelheiten bedeckt, weil sich die Zwangsversteigerung noch im nichtöffentlichen Bereich bewege und man deshalb an das Bankgeheimnis gebunden sei, erklärte Sparkassen-Pressesprecher Christoph Kaleschke. Nach Auskunft von Rechtspfleger Dirk Pautz, beim Amtsgericht Halle für den Bereich zuständig, laufe gerade die Wertermittlung für Grundstück und Gebäude. Beauftragt damit ist  der vereidigte und öffentlich bestellte Sachverständige Diplom-Ingenieur Uwe Justus aus Bielefeld.

Zwangsverwalter hält sich noch bedeckt

Überraschend mischt auch die Stadt Werther im Verfahren mit . Auf deren Antrag hin ist zusätzlich ein Zwangsverwalter bestimmt worden. Bürgermeisterin Marion Weike bestätigte auf Anfrage lediglich den Beginn des Verfahrens, wollte sich als Beteiligte aber ebenfalls noch nicht zu Einzelheiten äußern. Offensichtlich geht es hier um größere Außenstände an Abgaben und Steuern an die Stadt.

Der als Zwangsverwalter eingesetzte Rechtsanwalt Philip Ohletz aus Bielefeld sagte im Gespräch, dass er es in seiner 30-jährigen Tätigkeit noch nicht erlebt habe, dass eine Stadt einen Antrag auf Zwangsverwaltung stelle.  Auch Ohletz hielt sich mit Aussagen zum Verfahren noch bedeckt und verwies auf seine Verschwiegenheitspflicht. Er hatte sich  am Montag Nachmittag ein Bild von dem Areal gemacht.

Bestand des Objektes sichern

Ein Zwangsverwalter hat die Aufgabe, wie in diesem Fall auch, die Mieteinnahmen und den Bestand des Objektes zu sichern und  möglicherweise weitere Nutzungen zu ziehen, das heißt, eventuell leer stehende Räume ebenfalls zu vermieten. Aus den Einnahmen könnte der Zwangsverwalter auch Renovierungen und Reparaturen bestreiten. Reichen diese Einnahmen nicht aus, müsste die Stadt als Antragstellerin eventuell Geld vorschießen.

Stadt könnte mitbieten

In die Überlegungen, wie das Weco-Gelände künftig genutzt werden kann, könnte durch die Zwangsversteigerung neue Dynamik kommen. »Ich habe immer gesagt, dass es die beste Lösung wäre, wenn die Stadt Grundeigentümerin wäre«, sagte Marion Weike auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, bei einem Versteigerungstermin mitzubieten.

Ein neuer Eigentümer hätte dann allerdings auch die Kosten der Bodensanierung zu tragen, denn dort werden aus den Jahren der Metallproduktion erhebliche Schadstoffmengen vermutet und sind zum Teil auch nachgewiesen. Ein öffentlicher Eigentümer wie die Stadt hätte hier allerdings, so sagt Marion Weike, die Chance, Fördergelder von der AAV zu bekommen, dem Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung. Private Eigentümer könnten aus diesem Topf nichts bekommen.

Veränderungssperre gilt seit Ende 2017

Seit Jahren tut sich planerisch auf dem Gelände nichts, weil die Interessen von Inhaber Gerhard Wehmeyer und der Stadt nicht unter einen Hut zu bekommen waren. Auch innerhalb des Rates gibt es unterschiedliche Ansichten über eine künftige Nutzung. Die reichen von weiterer gewerblicher Nutzung bis hin zu verdichteter Wohnbebauung. Die Mehrheit im Rat spricht sich allerdings gegen die von Wehmeyer und dem zuletzt angetretenen Investor, der Schoofs GmbH aus Kevelaer, geplanten Areal mit mehreren Supermärkten aus. Um Zeit im Rahmen des Bebauungsplan-Verfahrens zu gewinnen, hatte die Stadt im Herbst 2017 eine Veränderungssperre erlassen.

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