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Statt Mai-Singen im Stadtpark: MGV Liedertafel Werther organisiert Bläser-Ständchen für die Bewohner im Jacobi-Altenheim

Wenigstens ein kleines Fensterkonzert

Werther (WB/bec)

„Es tönten zwar im Stadtpark keine Lieder, der Frühling kam dennoch wieder“, formuliert Volker Schrewe, Dirigent und Vorsitzender des Männergesangvereins (MGV) Liedertafel Werther, mit einem Augenzwinkern.

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Eine Abordnung der Oberwälder Blaskapelle ist auch ohne Mai-Singen nach Werther gekommen. Zoltan Kovacs, Thomas Feldmann und Henrik Becker Foto: Volker Schrewe

Für den Chor, der während der Pandemie schon so lange in der Zwangspause steckt, bestand unter den aktuell strengen Corona-Auflagen natürlich erst recht keine Möglichkeit, das große Mai-Singen im Stadtpark auszurichten. Und doch mochte der Verein den 1. Mai nicht ohne musikalischen Gruß verklingen lassen. Der Vorstand lud eine Abordnung der Oberwälder Blaskapelle ein, die sonst im Stadtpark für Verstärkung sorgt, und richtete nach Absprache mit der Stadt Werther auf dem Rasen am Jacobi-Altenheim ein „Fensterkonzert“ aus.

Für die Bewohner eine willkommene Abwechslung, wie Schrewe, der im Quartett die Tuba spielte, berichtet. Mitarbeiter hatten ein Gläschen Mai-Bowle für die Senioren vorbereitet, Einrichtungsleiter Hergen Bruns zog höchst persönlich einen Maibaum in die Höhe. Dazu die Melodie von „Der Mai ist gekommen“ und schon wehte ein Hauch von Frühling durch den Garten und hoch zu den Fenstern.

Dort winkte auch MGV-Ehrenvorsitzender Albrecht Heide zusammen mit seiner Frau. Heide hatte das Mai-Singen viele Jahre lang organisiert – zunächst auf dem Blotenberg, später dann im Stadtpark. Ihm und allen anderen Bewohnern eine Freude bereitet zu haben nach einer langen Zeit der Entbehrung, sei ein sehr schönes Gefühl gewesen, bilanziert Schrewe.

„Der 1. Mai hat für unseren Verein eine historisch und politisch wichtige Bedeutung als ‚Feiertag der Arbeiter‘“, erläutert er. Denn die Liedertafel wurde 1865 als Zigarrenarbeiterchor gegründet und bildete auch in Zeiten des Kaiserreiches (1890-1918) eine verschworene Sangesbruderschaft, einen Männerbund, in dem man politisieren und frei jede Meinung äußern durfte, ohne anschließend gleich verhaftet zu werden. „Gar nichts zu tun zum 1. Mai war also für die Liedertafel auch im Coronajahr 2021 nicht vorstellbar“, sagt Schrewe.

Wann und wie der Chor wieder aktiv zusammentreten singen und Pläne schmieden darf, bleibt vorerst unklar. „Wir hoffen, dass die Impfkampagne zügig Fahrt aufnimmt und Zusammenkünfte wieder möglich sind“, hofft Schrewe.

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