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„Wunderschön“-Moderatorin Tamina Kallert erzählt in Werther von ihren Erlebnissen beim Dreh

Wenn Kamele leidenschaftlich küssen

Werther (WB). Mutterseelenallein strampelt Tamina Kallert in der eiskalten, aufgewühlten Nordsee, der Seenotrettungskreuzer „John T. Essberger“ ist außer Sicht und Helgoland hinter den Wellenbergen verschwunden. „Finden die mich jetzt noch wieder?“, schießt es ihr durch den Kopf.

Volker Hagemann

Sie traf Seenotretter und eine Medizinfrau, wanderte mit dem Hallig-Postboten durchs Watt und liebt Einsamkeit im Kleinwalsertal: Reisejournalistin Tamina Kallert begeistert mit ihrer WDR-Reihe „Wunderschön“. Die PAB-Aula war ausverkauft. Foto: Volker Hagemann

Vor Helgoland aus der kalten Nordsee gerettet

Kurz darauf taucht das Tochterboot auf, an Bord die Retter und ein Kameramann, Kallert kommt an Bord – glücklicherweise ist alles eine Übung, zu der sich Kallert wagemutig im Überlebensanzug ins Meer gestürzt hatte. Nur eine der vielen Szenen, die die Moderatorin der WDR-Reisesendung „Wunderschön“ in den bisherigen 16 Jahren der Sendung erlebte. Davon berichtet sie in ihrem Buch „Mit kleinem Gepäck“, aus dem sie am Montagabend in Werther las.

Tamina Kallert liebt zwar den Cappuccino am Ufer des Gardasees, wandert durchs Watt und über die Alpen. Doch hinter dem Besuch reizvoller Orte zwischen Ostfriesland und Ostindien, den die Zuschauer sonntagabends vor dem Fernseher miterleben, steckt ein Riesenaufwand. Das erfahren auch die 300 Besucher in der Aula der Böckstiegel-Gesamtschule, Kallerts Lesung ist seit Wochen ausverkauft. „Allein nach den Anfragen hätten wir 600 Karten verkaufen können“, berichtet Organisatorin Ellen Elbracht von der Buchhandlung „Lesezeichen“.

In südafrikanischen Slums eine beeindruckende Medizinfrau getroffen

Von der ersten Minute an gewinnt Tamina Kallert ihr Publikum für sich. Neben kurzen Szenen aus ihrem Buch hat sie viele weitere Anekdoten aus den Dreharbeiten im Gepäck, die die 45-jährige Freiburgerin im fröhlichen Plauderton erzählt. Etwa von der Winter-Kutschfahrt auf Sylt: „Erst störte ein Poller, dann ein Lkw im Bild. Wir brauchten fünf Anläufe, ich war durchgefroren, mein Gesicht fühlte sich wie gebotoxt an – für 20 Film-Sekunden...“

Beeindruckt ist die Journalistin immer wieder von menschlichen Begegnungen. So offen sie auf andere zugehe, so verunsichert sei sie einst in Südafrika gewesen: „In den Slums hatte ich Berührungsängste, fühlte mich wie ein Eindringling. Doch die fröhlichen Kinder und die beeindruckende Medizinfrau Animata, die vertrauensvoll meine Hände fasste, nahmen mir die Scheu.“

Mit dem Hallig-Postboten durchs Watt

Etwas anders – vorsichtig ausgedrückt – war die Idee des Kamerateams, die Moderatorin könne doch mit Kamelen schmusen: „Der Pfleger einer Herde in Ägypten hatte hunderte Tiere, doch es dauerte ewig, bis eines Interesse zeigte. Eigentlich sympathische, niedliche Tiere, doch beim Küssen rülpste es mich an...“

Selbst, wenn es mal zu stressig werde („nach sieben anstrengenden Drehtagen kann’s auch unter Kollegen krachen“), überwögen bei weitem die schönen Erlebnisse, betont Tamina Kallert. Glücksmomente empfinde sie beim Sonnenaufgang im Kleinwalsertal, Demut in der Weite des Watts, durch das sie mit dem Hallig-Postboten stapfte. Überhaupt, die Heimat: „Kollege Stefan Pinnow reiste mit seinem Team nach Island, wir nach Ostwestfalen. Nach der Rückkehr aus Island waren alle erkältet, wir dagegen chillten bei Traumwetter im Paderborner Land, herrlich!“ OWL als Reiseziel? Na klar! „Sie suchen doch gerade im schönen Werther Stadtführer, habe ich gelesen? Ich würd’s wohl machen!“

Und natürlich komme sie immer wieder gern nach Hause zu ihrer Familie in den Schwarzwald. Eine Einsicht aus all ihren Reisen gibt sie mit auf den Weg: „Tun Sie Dinge jetzt, machen Sie mal einen Umweg, trauen Sie sich!“

Tamina Kallert hinter den Kulissen

Vorab traf sich WB-Redakteur Volker Hagemann mit Tamina Kallert zum Plausch. Welches sind ihre persönlichen Traumziele, mal ganz ohne Kamerateam? „Die Alpenüberquerung, das Wandern von Oberstdorf nach Meran, möchte ich noch einmal unternehmen – mit meiner Familie, wenn die Kinder größer sind. Und ich liebe ruhige Tage am Bodensee.“

Was muss unbedingt ins Gepäck? „Ich bin eine Frostbeule. Daher für die Abende eine kuschelige Jacke oder einen Pulli. Ansonsten Neugier und Vertrauen mitnehmen!“

Lieber Bali oder lieber Baltrum? „Bali – obwohl die Nordsee wirklich schön ist.“ Cappuccino in Venedig oder Glögg in Göteborg? „Venedig – ich liebe das Mediterrane!“ Neujahrsanbaden in der Nordsee oder Sonnenbrand in Sirmione? „Ich nehme ganz klar den Sonnenbrand in Kauf...“

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