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An Weco-Entwurf scheiden sich im Wertheraner Ausschuss weiterhin die politischen Geister

Wieder nur knappe Mehrheit für Plan

Werther  (WB). Nach wie vor äußerst umstritten ist, wie die Planung für das Weco-Gelände aussehen soll. Und so gab es am Dienstagabend erneut nur eine hauchdünne Mehrheit im Planungsausschuss: Mit zehn zu neun Stimmen bei einer Enthaltung beschloss die Ausschuss-Mehrheit aus SPD, FDP und UWG den nächsten Verfahrensschritt, nämlich die erneute öffentliche Auslegung des Entwurfs des Bebauungsplans Nr. 42 „WECO-Center“ – der Zeitraum dafür wird noch festgelegt. Wie berichtet, ist auf einem Großteil des 2,8-Hektar-Areals Gewerbe vorgesehen, lediglich zur Engerstraße hin ist Einzelhandelsnutzung möglich.

Volker Hagemann

Einst hatte die frühere Firma Weco mehrere hundert Beschäftigte, doch seit Jahren machen die Gebäude einen traurigen Eindruck – erst recht nach dem Brand vom 19. Januar. Die Stadt drängt auf einen rechtssicheren Bebauungsplan. Foto: Volker Hagemann

Nach der ersten Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden im Spätsommer 2019 musste der Planentwurf in Details geändert werden, wie Architekt Werner von Beeren vom Büro Enderweit und Partner erläuterte: „War die Stadt Werther bislang von einem erforderlichen Regenrückhaltevolumen von 470 Kubikmetern ausgegangen, fordert der Kreis Gütersloh eine Verdreifachung auf etwa 1400 Kubikmeter.“

Wendeplatz wird tiefer ins Gebiet gelegt

Änderungen bei der Offenlage gibt es auch bei der Lage der geplanten Erschließungsstraße: Der Wendeplatz wird laut Plan tiefer ins Baugebiet verlegt, um angrenzende Betriebe anfahren zu können. Um Gefahren zu vermeiden, schlägt die Verwaltung vor, auf eine öffentliche Fuß- und Radwegeverbindung zu verzichten.

Erneut brachten vor allem die Grünen und auch Anwohner ihren Unmut über die geplante gewerbliche Nutzung zum Ausdruck. „Es wird einfach nach dem alten Regionalplan und dem noch aus den 80er Jahren stammenden Gebietsentwicklungsplan weitergeplant, der eine gewerblich-industrielle Nutzung vorsieht“, warf Anwohnerin Henrike Wentrup ein. Auch später im WB-Gespräch plädierte sie für eine Wohn- oder zumindest Mischbebauung: „Überall sind Wohnungen gefragt, man sollte auch mal die Bürger hören. Und wenn vor dem Hintergrund von ISEK und Mobilitätskonzept die Autos aus der Stadt raus sollen, dann müssen die Bürger aber auch nah am Zentrum wohnen.“

Grüne plädieren für Urbanes Wohnen und Kleingewerbe

Auch Wolfgang Böhm und Dr. Hans-Dieter Kübler (beide Grüne) führten einmal mehr ihre Vorstellungen vom Urbanen Wohnen mit Mietwohnungen und integriertem Kleingewerbe an: „Schade, dass man diese Chance hier nicht nutzt“, befand Kübler. „Wenn man das politisch wirklich will, dann kann man auch einen Regionalplan ändern. So wie jetzt geplant, ist das langfristig keine gute Entwicklung des Areals“, so Rainer Mühl (Grüne). Kübler bemängelte eine zu große Rücksichtnahme auf bestehende Betriebe: „Wie lange wird es etwa Poppe und Potthoff in jetziger Größe und am jetzigen Standort noch geben?“

Bürgermeisterin Marion Weike konterte: „Im gewerblich-industriellen Bereich wird es kein Urbanes Wohnen geben; dieser Bereich erstreckt sich bis in die Engerstraße; dort ist Poppe und Potthoff einer unserer größten Arbeitgeber. Wenn die Grünen den nicht mehr wollen, können sie das dem Unternehmen gerne selbst sagen.“

Weike plädiert jetzt auf eine zügige Entscheidung zugunsten eines verbindlichen Bebauungsplans, der großflächigen Einzelhandel bei Weco ausschließt – um die Händler in der Innenstadt zu schützen: „Um denen nicht den endgültigen Todesstoß zu geben, brauchen wir Rechtssicherheit, ansonsten haben wir demnächst eine auch für unsere Einzelhändler ungeregelte Situation“, betonte die Bürgermeisterin.

Kommentar

Nur eine einzige Stimme Mehrheit für einen weiteren Schritt in diesem für Werther so wichtigen Vorhaben – das zeigt erneut, wie groß die Uneinigkeit in der Lokalpolitik ist. Diese Differenzen sorgen immer wieder für Verzögerungen, ob seit zehn Jahren in der Weco-Debatte oder seit sieben Jahren beim Thema Blotenberg. Bleibt abzuwarten, ob bis zum Sommer ein Entwurfsbeschluss für das Weco-Areal zustande kommt oder sich gar noch Klagen anschließen. Dann wäre noch mehr Geduld gefragt. Volker Hagemann

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