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Allgemeines Interesse am Restaurantbesuch steigt nur zaghaft wieder an

»Wir freuen uns auf die Gäste«

Werther (WB). Die Redewendung »sich einen hinter die Binde kippen« könnte nach Wiederöffnung der Kneipen und Restaurants eine ganz neue Bedeutung bekommen, schließlich ist deren Betreten nur mit Mund-Nasen-Bedeckung gestattet. Immerhin darf man Speisen und Getränke ohne Maske zu sich nehmen. So werden uns Szenen, wie sie Loriot, der Altmeister des gepflegten Humors, erdacht hätte, bis auf weiteres wohl erspart bleiben.

Johannes Gerhards

Dorota und Jochen Wiete freuen sich, dass der Biergarten von Wietes Wirtshaus von Himmelfahrt an wieder bevölkert sein wird. Foto: Johannes Gerhards

Dennoch fühlt sich Dirk Wulfmeier vom Hotel-Restaurant Bergfrieden eher an einen Horrorfilm erinnert. »Es ist nicht schön, das Essen mit Maske servieren zu müssen«, findet der Geschäftsführer des Traditionshauses, der sich ein wenig über zum Teil widersprüchliche Anweisungen und Regeln wundert. Familienfeierlichkeiten und Gesellschaften sind nach wie vor nicht gestattet, der diesbezügliche Terminkalender ist bis in den Herbst nahezu leer.

Zumindest den Hotelbetrieb konnte er dank gewerblicher Gäste weiterführen, auf einen Außer-Haus-Verkauf hat er wegen des großen Aufwands und der Menge an Plastikmüll verzichtet. Stattdessen wurden seine Räumlichkeiten von Grund auf gereinigt und die Bestuhlung an die nun gültigen Abstände von 1,5 Meter angepasst. Er hofft auf gutes Wetter, um seine Gäste demnächst wieder im Außenbereich bewirten zu können.

Seit dem 11. Mai hat auch das Restaurant Weinhorst in Häger wieder geöffnet. »Am ersten Tag kam ein Gast«, so beantwortet Besitzer Achim Weinhorst eine entsprechende Frage. Immerhin habe die erste Vereinsversammlung - mit dem nötigen Abstand, versteht sich – bereits wieder stattgefunden, und ein in Halle beschäftigtes Bohrteam die ganze Zeit über in seinem Hotel übernachtet. Die ersten Anmeldungen für Familienfeiern werden bereits wieder entgegen genommen. Die Corona-Pause hat Weinhorst mit telefonischen Bestellungen und einem Bringdienst überbrückt, die meisten seiner Beschäftigten sind derzeit in Kurzarbeit.

Nach der Devise »Anrufen-Bestellen-Abholen« und einer Art Drive-In-Service lief es auch im Restaurant Outside. Immer noch nutzen nach Angaben von Gesellschafter Mehmet Ari rund 60 Prozent der Kunden diese seit dem 4. April bestehende Möglichkeit. Mehr als 200 Plätze im runderneuerten Wintergarten, dessen Aufenthaltsqualität mit Windschutzwänden an die herrschenden Außentemperaturen angepasst werden kann, und im weiträumigen Außenbereich wirken derzeit noch recht verwaist. Der Appetit aufs Essengehen muss sich wohl erst langsam wieder einstellen. Dennoch empfiehlt Mehmet Ari seinen Gästen eine Reservierung und hofft gemeinsam mit den Servicekräften Zidane Ari und Samira Cakar auf eine Wiederbelebung der Restaurantkultur im weiteren Verlauf des Frühlings.

Ab Mittwoch werden im Café Zeitlos am Venghauss-Platz wieder Gäste bedient. »Die Verordnung kam relativ spät, wir wollten nicht mit einer Hauruck-Aktion wieder starten«, sagt Besitzerin Gülay Tek, die das Lokal für Drinks und Snacks erst im vergangenen Juni übernommen hat. Sie hat ihr Platzangebot um die Hälfte reduziert, die Barhocker am Tresen sind ganz verschwunden. »Es war schon sehr schwierig, ich hoffe, das legt sich wieder«, lautet ihr Kommentar zur Corona-Krise in der Gastronomie. Auf einen Ruhetag wird sie vorerst verzichten und hat die täglichen Öffnungszeiten auf 16 Uhr vorverlegt.

Pünktlich zu Himmelfahrt öffnet in Theenhausen auch Wietes Wirtshaus ab 17 Uhr wieder seine Pforten. »Unser schöner großer Garten könnte ein Vorteil sein«, hofft Dorota Wiete, die zudem die Deele, auf der normalerweise gefeiert wird, mit in den Restaurantbetrieb integriert hat. Aufgrund der langwierigen Baustelle vor dem Haus kam ein Lieferbetrieb während der Zwangspause für die Kultkneipe nicht in Frage.

Vor dem Neustart betreibt sie einen recht hohen Aufwand, um den Auflagen gerecht zu werden. Abstandsregeln, Maskenpflicht und abwaschbare Speisekarten gelten hier wie überall. Das Wetter soll schön werden, deshalb empfiehlt sich im Laufe des Tages ein Anruf wegen einer Platzreservierung. »Essen und Trinken ist genug da«, betont Dorota Wiete und ergänzt, das gesamte Personal freue sich auf Gäste.

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