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Rettungswege haben Priorität: Bauhof, Landwirte und weitere Dienstleister versuchen, auch kleinere Straßen in Werther befahrbar zu machen

„Wir räumen mit allem, was wir haben“

Werther (WB)

Sie haben weiterhin alle Hände voll zu tun: Bei solch ungewohnten Mengen an Schnee sind der städtische Bauhof, dazu viele weitere Dienstleister und Landwirte, nach wie vor damit beschäftigt, die weiße Pracht von Straßen und Plätzen zu räumen.

Volker Hagemann

Umfunktioniert: Die steile Treppe nahe dem Haus Werther hat es in sich – auch für all diejenigen, die sie nun begeistert mit dem Schlitten hinab sausen. Foto: hx

Tauwetter ist laut Deutschem Wetterdienst im Altkreis Halle für die nächsten Tage erst einmal nicht angesagt, und so werden sich wohl noch weiterhin regelrechte Berge an Schnee an vielen Stellen Werthers türmen. Dennoch kommt bei manch einem Bürger Ungeduld auf, weil zahlreiche Straßen nicht oder vorerst teilweise geräumt sind.

Doch bei den frostigen Temperaturen kann der Schnee eben nur „verlagert“ werden, und die Räumdienste können nicht überall gleichzeitig sein. Das galt naturgemäß auch für den Dienstag: „Seit 3 Uhr werden die Straßen erneut frei geräumt, mit allem, was wir haben“, berichtete Werthers Bürgermeister Veith Lemmen und betonte gleichzeitig: „Mehr können wir gerade nicht tun. Und dafür, dass die Kollegen und die Landwirte das tun und auch die Feuerwehr die ganze Zeit einsatzbereit ist, dafür bin ich sehr dankbar!“

Priorität haben demnach Rettungswege für die Feuerwehr, Straßen in gefährlicher Hanglage und auch Bushaltestellen, erklärt der Bürgermeister. Auf den Hauptstraßen sei man mehrmals täglich im Einsatz. Städtische und weitere Räumdienste hätten zusammen sieben Räumfahrzeuge gleichzeitig im Einsatz, „das ist für eine Kleinstadt wie Werther schon ordentlich“, betont Lemmen.

Von 3 Uhr bis 19 Uhr „auf dem Bock“ – oder länger

Doch auch mittlere und kleinere Straßen und Wege sollen nach und nach wieder möglichst befahrbar werden. Zu den Unternehmen, die dafür engagiert werden, gehört unter anderem der Garten- und Landschaftsbau von Chamier + Mauth. Wie seine Mitarbeiter sitzt auch Geschäftsführer Karsten Mauth selbst am Steuer der Räumfahrzeuge. „Winterdienst erledigen wir seit mehr als 30 Jahren. Für Firmen und Privatleute ebenso wie für die Stadt Werther, vor allem, wenn‘s richtig dicke kommt wie jetzt“, sagt Karsten Mauth. „In der Regel mit zwei großen und einem kleineren Radlader mit Räumschild, für weitere Noteinsätze in städtischem Auftrag außerdem mit zwei weiteren Radladern. Unser Fuhrpark eignet sich ganz gut für die Wohn- und Nebenstraßen: Wenn entweder der städtische Unimog wegen seiner Größe irgendwo nicht durchkommt oder anderswo private Trecker zu schwach sind, passen unsere Fahrzeuge meist ganz gut“, erklärt Mauth. In allen Wertheraner Stadtteilen sei man mit 50 Mitarbeitern allein hierfür unterwegs. „Wir räumen ‚nebenbei‘ auch noch den Straßenbahn- und Busbetriebshof von moBiel in Bielefeld.“

Entsprechend lange sitze man gerade in diesen Tagen „auf dem Bock“: „Meist von 3 Uhr morgens an und dann durchgehend bis 18 oder 19 Uhr oder auch deutlich länger, je nach Bedarf“, berichtet der Chef, der selbst ebenfalls schon am Montag eine 14-Stunden-Schicht absolvierte. Am Dienstag hat sein Team gezählt: Allein bis zum Nachmittag kamen mehr als 200 Anrufe in Sachen Winterdienst. „Bei aller Maloche macht es unseren Jungs und mir aber auch viel Spaß, es kommt viel Dankbarkeit von den Bürgern.“ Und schon eilt Karsten Mauth wieder zurück an das Steuer eines seiner Radlader.

Besonderes privates Hilfsangebot

Und dann kam am Dienstag noch ein weiteres ganz besonderes Angebot der Hilfe: Stefan Kröckel schreibt auf Facebook, er biete vor allem älteren oder schwächeren Menschen privat gerne seine Hilfe beim Schneeschippen an – und zwar kostenlos! „Viele haben ja gar nicht die Kraft dazu, gerade bei diesen Mengen“, sagt Kröckel, der seit zehn Jahren in Werther bei der Flex Eingliederungshilfe am Teutoburger-Wald-Weg lebt und arbeitet. „Winterdienst habe ich auch schon für Tankstellen in Werther und Halle gemacht, aber für dieses Angebot jetzt will ich keine Gegenleistung.“ Erreichbar ist er über Facebook, unter anderem über die Seite „Wenn du Wertheraner bist...“.

Was für die einen viel Arbeit bedeutet, ist für andere ein willkommenes – seltenes – Vergnügen: Die lange Treppe am Haus Werther im Bereich Hermann- und Siegfriedstraße eignet sich nämlich vorzüglich als steile Rodelpiste.

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