Schon 2016 wurde in Werther ein Gutachten in Auftrag gegeben – nach der SPD drängt nun auch die WDGA auf Bekanntgabe der Fakten

Wird der Gewässerbericht je veröffentlicht?

Werther

Da wird sogar Wanderfreund Jürgen Schäfer skeptisch: „Vor vielen Jahren hätte man hier noch seine Wasserflasche aufgefüllt, aber heute?“, sagt er mit einem zweifelnden Blick auf den Schwarzbach an der Schloßstraße, nahe der Stadtgrenze zu Bielefeld. Auch Hündin Zowie hat beim Ortstermin am Dienstagmorgen offensichtlich keinen Durst.

Volker Hagemann

Wie sehr ist beispielsweise der Schwarzbach verunreinigt – auf Wertheraner Gebiet wie hier an der Schloßstraße und einige Meter weiter auf Bielefelder Stadtgebiet? Das fragen sich (von links) Dieter Rose-Schmidt (mit Hündin Zowie), Jürgen Schäfer und Wolfgang Böhm von der Wählergemeinschaft „Werther – Das geht anders!“. Foto: Volker Hagemann

Aber wie verunreinigt sind der Schwarzbach, die Warmenau und andere Wertheraner Fließgewässer wirklich? Auf eine Antwort warten auch Jürgen Schäfer und seine Mitstreiter von der Wählergemeinschaft „Werther – Das geht anders!“ (WDGA) noch immer.

Hintergrund: Laut EU-Wasserrahmenrichtlinie sollen Gewässer in einen „guten ökologischen“ und in einen „guten chemischen Zustand“ gebracht werden. Im Mai 2015 hatte die Wertheraner SPD-Fraktion beantragt, die Stadt solle den erforderlichen Untersuchungsaufwand prüfen, um genaue Aussagen zur Gewässergüte treffen zu können. Das solle gezielte effektive Maßnahmen ermöglichen, um einen guten Zustand der Gewässer zu erreichen. Dem stimmte der Betriebsausschuss im Januar 2016 einstimmig zu, mit der Untersuchung beauftragt wurde der Diplom-Biologe Mathias Wennemann vom Bielefelder Planungsbüro Wennemann. Problem: Das Gutachten ist bis heute nicht vollständig.

Messstelle in Bielefeld oder Spenge ist nicht immer für Werther aussagekräftig

Ratsherr Georg Hartl, der den Antrag seinerzeit für die SPD unterschrieben hatte, erinnert daran: „Uns geht es um eine Klarstellung, an welcher Stelle genau die Gewässer in welchem Zustand sind.“ Mit dem Untersuchungsprogramm kann der Anteil der Stadt Werther an der Gewässerverschmutzung ermittelt werden und der Ursprung von Verschmutzung eingegrenzt werden. Denn Schwarzbach und Warmenau haben feste Messstellen nur außerhalb Werthers – dort, wo sie in andere Flüsse münden. Würden dort schlechte Werte festgestellt, heiße das nicht automatisch, dass auch auf Wertheraner Stadtgebiet nach den Ursachen zu suchen sei. Die Warmenau verlässt Werther in Richtung Norden, die Landesgewässermessstelle zur Gewässerüberwachung liegt unterhalb der Stadt Spenge. Der Schwarzbach fließt in Richtung Bielefeld, die Landesmessstelle liegt auf Bielefelder Stadtgebiet.

Pestizide im Bach nachgewiesen

Biologe Mathias Wennemann zog daher für seine Untersuchungen mehr als 100 Messstellen in Werther heran, wurde zu verschiedenen Jahreszeiten, bei unterschiedlichen Temperaturen und Wasserständen tätig. Erste Zwischenberichte gab er anfangs noch in mehreren Ausschusssitzungen 2016 und 2017; demnach besaß beispielsweise der Triftensiekbach in Häger grundsätzlich eine „ausgezeichnete Gewässergüte“, Wennemann wies aber auch auf „erhebliche Abfallablagerungen“ im Triftensiekbachtal sowie auf eine „Schädigung des Gewässers durch Pestizide unterhalb des Quelltopfes“ hin.

Zwei Jahre später – erst auf Nachfragen von Georg Hartl (SPD) und Dr. Dirk Schröer (UWG) – berichtete die damalige Bürgermeisterin Marion Weike (SPD) im März 2019, ein Teil des Berichts sei geliefert worden, aber noch nicht aussagekräftig. Es seien noch chemische Untersuchungen nachzutragen, dann werde der vollständige Bericht vorgelegt. Am 16. Mai 2019 hakte Georg Hartl erneut nach. Antwort der Verwaltung: „Die Daten zur Wasserchemie liegen vor und werden kurzfristig ausgewertet.“ Auf Hartls abermalige Nachfrage nach dem Vorliegen des Wennemann-Berichts am 19. September 2019 erwiderte die Bürgermeisterin, dass es „nichts Neues“ gebe – und am 31. Oktober 2019 wiederum, der Bericht liege bisher nicht vor. Auf weitere Nachfrage Hartls am 5. Dezember 2019 erklärte Marion Weike, da es sich um eine Vertragsangelegenheit handele, werde sie die Anfrage im nichtöffentlichen Sitzungsteil beantworten.

„Oft blockieren Landwirtschaftsverbände mögliche Maßnahmen“

Von der Stadtverwaltung gab es am Dienstag auf Anfrage keine neuen Informationen dazu – nur so viel: Zielführender sei, wenn WDGA die Anfrage zum Sachstand erneut in der entsprechenden Ausschusssitzung vorbringe. Das wird die Wählergemeinschaft am kommenden Montag im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Digitales ohnehin tun. „Und wir werden fragen, warum die Stadt nichts zur Verbesserung der Wasserqualität unternommen hat, seit wann das Gewässergutachten vorliegt und warum es nicht öffentlich gemacht wurde“, kündigen WDGA-Vorsitzender Jürgen Schäfer und sein Stellvertreter Wolfgang Böhm an. „Wartet die Stadt jetzt etwa, bis eines Tages die vierte Reinigungsstufe der Kläranlage Schwarzbach fertiggestellt ist?“, so Böhm. Jürgen Schäfer unterstellt gar: „Man hat das Thema unter der alten Verwaltungsspitze liegengelassen, und die neue hat es nicht auf dem Schirm.“ Im Übrigen sei das Ganze „ein unangenehmes Thema, man will damit wohl gar nicht in die Öffentlichkeit. Denn oft blockieren auch Landwirtschaftsverbände mögliche Maßnahmen, um schädliche Einträge ins Gewässer zu verringern“, meint Schäfer.

Indes: Nach WB-Informationen ist das Gutachten zur Gewässergüte bis heute gar nicht fertiggestellt worden. Das bestätigt auf Nachfrage auch Mathias Wennemann und erklärt den Grund: „Mehrere Messstellen an kleinen Gewässerzuflüssen waren wegen der vergangenen heißen Sommer trockengefallen und nicht verwertbar. Damit ist das Gutachten nicht vollständig.“ Dennoch findet er es „nicht richtig, dass die Stadt das bisherige Gutachten nicht öffentlich macht.“ Zum Inhalt wolle er nichts sagen, das sei mit dem Eigentumsübergang Sache der Stadt.

Wie es weitergeht, könnte sich am kommenden Montag, 1. März, zeigen. Die öffentliche Ausschusssitzung beginnt um 18 Uhr im evangelischen Gemeindesaal.

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