1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Werther
  6. >
  7. Zauberhafte Atmosphäre im Schloss

  8. >

Opus Arte fasziniert Besucher beim Opernsommer mit Musik aus drei Jahrhunderten

Zauberhafte Atmosphäre im Schloss

Werther (WB). Einige Besucher sind erst bei den Proben auf die Veranstaltung mit der Opus Arte Opera aufmerksam geworden. Sie haben den spontanen Kauf der letzten verfügbaren Eintrittskarten nicht bereut.

Johannes Gerhards

Einen Abend voller Gänsehautmomente und konzertantem Hochgenuss erlebten die Besucher beim Opernsommer im Hof von Haus Werther. Foto: Johannes Gerhards

»Wir haben uns auf die Musik im Wandel der Zeit konzentriert und überlassen die geschichtliche Einordnung den Historikern«, sagt Reiner Beinghaus bei der Begrüßung der 160 Gäste. Man wolle deren Erwartungen an ein Konzert erfüllen, ohne politisch allzu sehr auszuschweifen. Eine kritische Bemerkung zum Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., der Werther und weiteren Orten vor 300 Jahren die Stadtrechte verliehen hat, mochte er sich aber dennoch nicht verkneifen. Dieser habe seinen Sohn Friedrich gezwungen, der Hinrichtung des Freundes Hans Hermann von Katte beizuwohnen.

Countertenor Beinghaus hat fünf neue Stücke einstudiert

»Zum Glück haben in den vergangenen 300 Jahren nicht nur Alleinherrscher und Diktatoren das Licht der Welt erblickt«, resümiert später Käthe Bergander mit Blick auf zahlreiche Künstler und Komponisten. Gemeinsam mit Anne Maibaum moderiert sie als »lebendes Programmheft« den konzertanten Opernabend. »Wir sind chronologisch vorgegangen, und ich habe mir selbst auferlegt, die Arien zu singen, vor denen ich mich bisher immer gedrückt habe«, kündigt derweil Reiner Beinghaus an. Fünf Stücke trug er dann erstmals öffentlich vor.

Doch zunächst eröffnet der in schlichtes Schwarz gekleidete Chor mit Johann Sebastian Bachs vor fast genau 300 Jahren entstandenem Choral »Wohl mir, dass ich Jesum habe« den festlichen Abend. Es folgen zwei Klagelieder von Georg Friedrich Händel und Christoph Willibald Gluck, die Beinghaus als Solist vorträgt, bevor der Chor ihn bei »Soave sia il vento« aus Mozarts Oper Cosi fan Tutte unterstützend begleitet. »Rossinis Koloraturarie treibt jeden Sänger in den Wahnsinn«, behauptet Käthe Bergander – davon kann bei Beinghaus‘ Interpretation nicht die Rede sein. Der Countertenor meistert alle Herausforderungen mit scheinbarer Leichtigkeit.

Besucher haben in der Pause Freude an einem Picknick im Schlossgarten

Nach Wagner und Verdi gibt es eine längere Unterbrechung. Die Besucher verteilen sich auf dem reizvollen Areal und verzehren bei einem ausgiebigen Pausenpicknick die mitgebrachten Spezialitäten. Auch Bürgermeisterin Marion Weike findet ein lauschiges Plätzchen auf der Schlossmauer. Die bei Anbruch der Dunkelheit angezündeten Kerzen können zwar dem Luftzug nicht lange Stand halten, dennoch entfaltet sich durch stimmungsvolle Beleuchtung eine zauberhafte Atmosphäre im Schlosshof. Prächtig ausstaffiert erscheinen die Ensemblemitglieder und geben jetzt auch den Solisten wie Manuela Heinrich, Horst Dieter Schumacher, Angelika Meyer und dem jungen Ralf Sczensny den ihnen gebührenden Raum.

»12 Gretels und 5 Hänsel« lassen Humperdincks »Abendsegen« in der lauen Sommernacht erklingen, beim Wolgalied ist Mitsingen nicht nur erlaubt sondern ausdrücklich gewünscht, und den kleinen Gardeoffizier begleiten die Anwesenden mit rhythmischem Klatschen. Nach einer romantischen Version von »My Love, my Life« aus dem ABBA-Musical Mamma Mia, bei dem Beinghaus sämtliche Frauen und Männerstimmen intoniert, erhebt sich das Publikum und fordert mit stehenden Ovationen weitere Zugaben.

»Time to say good bye« heißt es schließlich im Mondlicht, als sich Beinghaus per Handschlag vom Ensemble und den Besuchern persönlich verabschiedet. Wieder mal hat Opus Arte angenehme Gänsehautstimmung hervor gerufen.

Startseite