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Möbelmanufaktur Oberwelland aus Werther-Häger hat in Corona-Zeiten sehr gut zu tun – auch wenn die Kölner Möbelmesse ausfiel

„Zipfel“ für zwei kommt gut an

Werther-Häger

Den Urlaub verschoben, zur Arbeit ins Homeoffice, Treffen mit Freunden abgesagt, sogar das Restaurant-Menü muss am Tisch daheim gegessen werden: Das eigene Zuhause ist in Corona-Zeiten mehr denn je Mittelpunkt des Lebens. Die Möbelmanufaktur Oberwelland hat – wie die gesamte Branche – davon profitiert.

Margit Brand

Tim Oberwelland sitzt auf dem neuen Sofa-Modulprogramm „Timeline“ – seine Schwester Lea auf der neuen „Zipfel“-Bank, die jetzt auch Platz für zwei bietet. Foto: Oberwelland

Getrieben von dem Wunsch, es sich wenigstens in den eigenen vier Wänden schön zu machen, haben mehr Privatkunden als zuletzt sich Sofas, Sessel und Stühle „made in Werther“ gekauft und dem Unternehmen gute Umsätze beschert. Was im Objektbereich, also zum Beispiel bei der Ausstattung von Hotellobbys, weggefallen sei, habe dieser Bereich mehr als aufgefangen, berichtet Lea Oberwelland.

Doch auch gute Zahlen können nicht darüber hinweg täuschen, dass 2020 ein schwieriges Jahr war, in dem viele Herausforderungen gemeistert werden mussten. Denn mal abgesehen von dem Hygienekonzept, das natürlich überall im Betrieb umgesetzt werden muss: Ein hochwertiges Sitzmöbel ist nichts, was man sich im Online-Shop bestellen würde. Probesitzen im Möbelgeschäft fällt im Moment aus, auch Kontakte zwischen Herstellern und Händlern sind eingeschränkt. „Wir profitieren ganz eindeutig von unseren langjährigen und intensiven Geschäftsbeziehungen“, sagt Lea Oberwelland über das Unternehmen ihrer Familie, das 2019 Hundertjähriges feierte. „Wir telefonieren sehr viel, um diese Kontakte zu pflegen und im Markt am Ball zu bleiben.“ Auch der „Show-Bulli“, der mit Neuheiten direkt zu weiter entfernten Händlern fährt, habe ganz neu an Bedeutung gewonnen.

Hausmesse im Herbst mit Neuheiten

Denn normalerweise hätte die Möbelmanufaktur sich und ihr Sortiment Mitte Januar bei der Internationalen Möbelmesse in Köln vorgestellt. Dass daraus nichts würde, haben die Oberwellands früh geahnt und deshalb schon die kleine Hausmesse, die alljährlich im Herbst ausgerichtet wird, genutzt, um die Neuheiten einem kleinen Publikum vorzustellen. „Zum Glück erlaubte das die Corona-Lage“, sagt Lea Oberwelland. Die Fachhändler sahen hier nach längerer Zeit unter anderem mal wieder ein etwas größeres Anbauprogramm – ein Sofa, das zum „Reinlümmeln“ einlädt, ohne gleich zerknautscht auszusehen. „Ein Knick-Rückenkissen ermöglich trotzdem gutes Sitzen.“

Größer geworden ist auch der „Zipfel“, ein leichter Hocker mit Ohren, der seit fast fünf Jahren ein Verkaufsschlager aus Häger ist. Die Standardmodelle bleiben natürlich im Sortiment, bekommen auf Wunsch allenfalls mal ein anderes „Kleid“ als das besonders beliebte aus Wollfilz. Herausgebracht hat die Möbelmanufaktur nun aber die „Zipfel-Bank“, quasi ein mobiler Zwei-Sitzer. „Der wird schon sehr gut angenommen“, freut sich Lea Oberwelland.

Stoffe aus England kommen mit Verzögerung

Auch wenn Prognosen im Moment kaum möglich sind: Das Unternehmen blickt insgesamt mit vorsichtigem Optimismus nach vorn. Ein Auftragspolster aus 2020 sorgt dafür, dass in der Produktion an der Hägerstraße aktuell gut zu tun ist. Corona bremst die Arbeiten dort allenfalls aus anderem Grund: Polsterschäume sind im Moment schwer zu bekommen. „Der Grund liegt offenbar darin, dass Rohstoffe derzeit fehlen“, berichtet Lea Oberwelland. Auch der Brexit hinterlässt Spuren. Stoffe aus England stecken an der Grenze fest und sorgen so für unerwünschten Auftragsstau. „Doch das wird sich sicher bald einspielen“, ist sie zuversichtlich.

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