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Neue Wählergemeinschaft „Werther – das geht anders!“ will an grundlegende Probleme ran

„Zuviel endet in Werther in Sackgassen“

Werther (WB). Jürgen Schäfer ist ein passionierter Wandergeselle. Diese Sportlichkeit kommt dem auf Platz 2 der Reserveliste der „Werther – das geht anders!“-Wählergemeinschaft aufgestellten Vorsitzenden der WDGA zugute.

Stefan Küppers

WDGA-Vorsitzender Jürgen Schäfer (links, Platz 2 der Reserveliste) und Wolfgang Böhm (Platz 1) benennen ihre Hauptkritik an der bisherigen Politik und stellen ihr Programm vor. Foto: Küppers

Denn da die erst im Juni neugründete Truppe, die sich aus vielen ehemaligen Grünen zusammensetzt, bislang über keine eigenen Plakate verfügt, ist die große Wahlbroschüre der WDGA derzeit mit das wichtigste Informationsmittel in Richtung Wahlbürger. „Mit dieser Broschüre sind wir derzeit Stadtgespräch“, behauptet Jürgen Schäfer und berichtet von vielen spannenden Gesprächen an Haustüren, wenn es bei der Verteilung zu persönlichen Begegnungen komme. 5000 Flyer sind gedruckt, die Verteilung ist wie erwähnt auch eine Frage der Kondition. Ob die verbleibende Zeit im Wahlkampf noch für die Aufstellung von ein paar Plakaten reicht, wird sich noch zeigen.

Zähigkeit und Hartnäckigkeit hat die WDGA nach ihrer Gründung bereits bewiesen. Alle 14 Wahlbezirke konnten besetzt werden, und es wurden für jeden Kandidaten rechtzeitig die notwendigen Unterstützerunterschriften dem Wahlamt vorgelegt. Für den von der WDGA unterstützten Bürgermeisterkandidaten Andreas Steffens mussten auf den quasi letzten Drücker immerhin 108 Unterschriften vorgelegt werden. Aus das ist gelungen. Zu besagter besagter Hartnäckigkeit gesellt sich eine ausgesprochene Bissigkeit, wie beim Pressegespräch mit Jürgen Schäfer und dem auf Platz 1 der Reserveliste nominierten Wolfgang Böhm deutlich wird. Der 65-jährige Böhm ist bereits Ratsmitglied und wird dies auch nach seinem Austritt bei den Grünen bis mindestens zum Ende der laufenden Wahlperiode bleiben.

Zu wenig gut Oppositionsarbeit

Im Laufe der Jahre fiel Böhm als einer der kritischsten Begleiter von Bürgermeister Marion Weike auf. Und in der Kritik, dass es insgesamt zu wenig gute Oppositionsarbeit gegeben hat, ist er sich mit Schäfer einig. Der hat sich fürs Pressegespräch die Mühe gemacht, beim Thema trübes und hartes Trinkwasser eine Chronologie von Vorfällen und seiner Ansicht nicht zureichenden Gegenmaßnahmen aufzuführen. Trotz erheblicher Vorfälle bereits im vergangenen Jahr ist aus Sicht der WDGA nichts Entscheidendes passiert. Schäfer: „So läuft das in Werther leider immer. Zuviel endet in Sackgassen und nichts kommt dabei raus.“

Eine weiteres Beispiel, das diese These belegen soll, ist für Jürgen Schäfer der Neubau der Kläranlage, die seit 2014 geplant werde. Seitdem seien die Baukosten von vormals rund 5 Millionen Euro auf mittlerweile mehr als 8 Mio. Euro gestiegen. Das Problem sei nicht nur, dass das Thema Kläranlage immer wieder verschleppt werde, sondern aus der Politik niemand richtig nachgefragt habe. „Und dann werden immer wieder wichtige Fragen in Arbeitskreise ausgelagert, ohne dass anschließend vernünftige Ergebnisse vorgelegt werden“, sagt Schäfer. Als ungutes Beispiel für diese These sieht die WDGA-Spitze den Umgang mit dem Thema Barrierefreiheit in der Innenstadt. Schäfer zitiert aus einem Ausschussprotokoll von 2018: „Über die Ergebnisse von Gesprächen soll im nächsten Ausschuss berichtet werden.“ Das sei dann natürlich nicht passiert, fügt Schäfer bissig an.

Kalkproblem im Wasser

Für Wolfgang Böhm ist das Kalkproblem in Werthers Trinkwasser seit 2016 besonders auffällig geworden. Seitdem sei an dem Problem allenfalls notdürftig geflickt worden. Die Verwaltung und auch die Politik habe sich über die Jahre leider kein richtiges Bild über die Trinkwasseranlagen gemacht. Der neue Ombudsmann als „Abfangjäger für Bürgerproteste“ sei ja schön und gut. Doch es reiche nicht den Bürgern ein Problem zu erklären, es müsse gelöst werden. „Dafür brauchen wir eine vorausschauende Investitionsplanung.“ Und Böhm vermutet, dass die Politik sich scheut zuzugeben, „dass wir an der Kök ein ganz neues Wasserwerk brauchen.“

Die wichtigsten Punkte im Wahlprogramm: Ihre programmatische Aussage „Werther – das geht anders! macht die WDGA an folgenden Beispielen fest. Zu einen fordert die Wählergemeinschaft mehr Bürgerbeteiligung mit Einwohnerrederecht bei jeder Ausschusssitzung. Die Aussage „Wir wollen den Flächenfraß stoppen“ bezieht sich insbesondere auf die Blotenberg-Planung, die rückabgewickelt werden müsse. Die Forderung nach „aktiver Stadtentwicklung“ bezieht sich beispielhaft auf das Weco-Gelände mit einem neuen Projekt „Urbanes Wohnen“. Lokale Klimapolitik müsse endlich ernsthaft angegangen werden, denn bislang gebe es nur Forderungen aber kaum wirksame Umsetzung, auch im Haushalt müssten Akzente gesetzt werden. Die WDGA fordert weiterhin eine Mobilitätswende zugunsten von Fußgängern, Radfahrern und des öffentlichen Nahverkehrs. Zu Forderungen nach barrierefreier Innenstadt und guter Trinkwasserqualität mehr im Haupttext. Mehr auch zu Forderungen nach intakten naturnahen Lebensräumen für Mensch und Natur auf der Hompepage: www.werther-das-geht-anders.de

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