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„Unabhängige Beschwerdestelle Psychiatrie“ im Kreis Herford nimmt Arbeit wieder auf

Bei Konflikten suchen sie Lösungen für alle Beteiligten

Kreis Herford

Die „Unabhängige Beschwerdestelle Psychiatrie des Gemeindepsychiatrischen Verbundes Kreis Herford“ hat jüngst ihre Arbeit wieder aufgenommen. Nach dem Tod ihrer Gründerinnen Ruth Fricke und Gudrun Schliebener musste das Gremium neu besetzt und umstrukturiert werden.

Sie legen gemeinsam wieder los: Michaela Rolf (Psychiatrie- und Suchtkoordinatorin), Ute Hoppe (Genesungsbegleiterin) und Britta Wettlaufer (Selbsthilfe der Angehörigen psychisch Kranker im Kreis Herford e.V.). Foto: Kreis Herford

„Wir sind sehr froh, dass wir unsere Arbeit ab jetzt wieder aufnehmen können“, freut sich Michaela Rolf, Psychiatrie- und Suchtkoordinatorin.

Die Beschwerdestelle Psychiatrie ist eine Anlaufstelle für psychisch oder an Sucht erkrankte Personen sowie deren Angehörigen oder Vertrauenspersonen, die mit den Bedingungen, der Behandlung oder der Begleitung in bestimmten Einrichtungen der psychiatrischen Versorgung – wie zum Beispiel in Kliniken, Wohnheimen oder bei Pflegediensten – nicht einverstanden sind.

Die Beschwerdestelle kann kontaktiert werden, wenn solche Anliegen mit den Einrichtungen eigenständig nicht geklärt werden können. Die entsprechenden Ansprechpartner und Experten in der Beschwerdestelle versuchen dann, die zwischen den Einrichtungen und den Beschwerdeführern beziehungsweise den Angehörigen zu vermitteln.

Erfahrungsexpertin Ute Hoppe sagt dazu: „Wir möchten mit unserer Arbeit psychisch erkrankte Menschen und ihre Angehörigen stärken, ihre Selbstbestimmung fördern und gleichzeitig dazu beitragen, die Qualität der Behandlung in den Einrichtungen zu verbessern. Uns ist wichtig, auf beiden Seiten das Verständnis zu stärken“. Hinzu komme, dass die klassischen Wege des Rechtsschutzes oft keine nachhaltigen Konfliktlösungen anbieten können. An dieser Stelle könne die Beschwerdestelle unterstützen.

Wie werden Probleme angegangen?

„Der erste Schritt ist eine telefonische oder schriftliche Kontaktaufnahme per Mail. Denn erst danach können wir tätig werden“, so Michaela Rolf. Ute Hoppe erklärt: „Uns ist es wichtig, bei der Bearbeitung der Beschwerden die unterschiedlichen Perspektiven mit einzubeziehen. Deshalb haben wir eine Expertin in eigener Sache, einen Angehörigen und eine entsprechende medizinische oder pädagogische Fachkraft dabei“.  Ziel sei es, eine Lösung im Sinne aller Beteiligten zu finden und die Selbstbestimmung der psychisch Erkrankten und der Angehörigen dabei zu stärken.

Am Ende des Prozesses könne es eine schriftliche Empfehlung an alle Beteiligten geben. „Grundsätzlich ist uns aber eine niedrigschwellige, unbürokratische Vermittlung oder Schlichtung wichtig“, so die Mitwirkenden. In vielen Fällen gelinge das auch.

Um welche Konflikte geht es?

Konflikte zwischen einem psychisch- oder suchterkrankten Menschen und/oder ihren Angehörigen auf der einen und dem betreuenden oder pflegenden Mitarbeiter auf der anderen Seite "sind in der Regel unvermeidlich", teilt die Beschwerdestelle mit. Die Konflikte reichen von unkomplizierten und „kleineren Sachverhalten“ wie einem unbeleuchteten Parkplatz, nicht zufriedenstellendem Essen bis hin zu Beschwerden, die die Therapie oder Behandlung erheblich erschweren – wie etwa der häufige Wechsel der Bezugsperson in der Einrichtung. Zudem kommen Angehörige auf die Beschwerdestelle zu, die keinen Wohnplatz für ihre psychisch erkrankten Familienmitglieder finden.

Wie setzt sich die Beschwerdestelle zusammen?

Die „Unabhängige Beschwerdestelle Psychiatrie“ wurde von dem „Gemeindepsychiatrischen Verbund für den Kreis Herford (GPV) e.V.“ eingerichtet, unter dessen Dach sich alle relevanten Träger und Dienste der sozialpsychiatrischen Versorgung im Kreis Herford zusammengeschlossen haben. Sie wird für jeweils zwei Jahre gewählt. Dazu gehören: Vertreterinnen/Vertreter der Selbsthilfe der Angehörigen psychisch Kranker im Kreis Herford, Vertreterinnen/Vertreter der Selbsthilfe psychisch Erkrankter und Genesungsbegleiter*innen, Fachpersonal aus dem Bereich der ambulanten und stationären Psychiatrie, eine rechtskundige Person sowie die Psychiatriekoordinatorin des Kreises Herford.

Die Beschwerdestelle ist telefonisch unter der 0151/42 095 409, schriftlich über gpv-beschwerdestelle-psychiatrie@kreis-herford.de oder über die Adresse „Geschäftsstelle GPV e.V Kreis Herford“, Amtshausstraße 2 in Herford, erreichbar.

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