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Corona lässt Umsatz und Ergebnis des Herforder Modeherstellers einbrechen

Ahlers setzt auf ein „Neues Morgen“

Herford (WB)

Die Corona-Krise hat den Herforder Modekonzern Ahlers AG 49 Millionen Euro gekostet. Das entspricht 23,8 Prozent des pandemielosen Vorjahresumsatzes und liegt damit bei den Einbußen im Durchschnitt der deutschen Textilindustrie.

Stephan Rechlin

Dr. Stella Ahlers stemmt sich mit Landesbürgschaften und Investitionen in einen neuen, digitalen Markenauftritt gegen die Auswirkungen der Corona-Krise. Foto: Oliver Schwabe

Weil Ahlers seit 2018 auf die Herstellung von Damenmode verzichtet, schrumpfte der Umsatz im Geschäftsjahr 2019/2020 um weitere 8,4 Millionen Euro und damit insgesamt um 26,8 Prozent. Weil weniger umgesetzt wurde, musste auch weniger verfrachtet und kommissioniert werden.

Ahlers sparte auch bei Store-Mieten und Personalkosten (die Belegschaft sank von 1929 auf 1724 Mitarbeiter). Gleichwohl konnten die 17,8 Millionen Euro hohen Kosteneinsparungen (17,4 Prozent der betrieblichen Aufwendungen) das Konzernergebnis nicht retten. Es brach um 14,7 auf minus 18,4 Millionen Euro ein.

Mit dem Ergebnis fiel auch der Wert der Aktie. Vom Höchststand des Jahres 2018 (3,15 Euro) rutschte sie bis 2020 auf 1,25 Euro ab. Zwischen den Bilanzstichtagen 2019 und 2020 ist der Wert der Ahlers-Aktie um 44 Prozent zurückgegangen. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens sank daher im Berichtszeitraum von 38,3 auf 21,3 Millionen Euro.

Das Virus hat Ahlers kälter als andere Unternehmen der Branche erwischt. Der Konzern hatte sich kurz zuvor tiefgreifend und teuer neu ausgerichtet. Vorstandsvorsitzende Dr. Stella Ahlers: „Wir hatten die Rückkehr in die Gewinnzone für das Jahr 2019/20 geplant und hätten dies auf Basis der Vororder 2020 auch geschafft.“

Doch vom ersten Lockdown im Frühjahr 2020 an musste der Konzern ins Krisenmanagement wechseln. Trotz einer von 57 auf 49 Prozent gesunkenen, aber immer noch kerngesunden Eigenkapitalquote nahm der Konzern zwei Landesbürgschaften in Anspruch – eine im vergangenen, eine in diesem Jahr. Finanzvorstand Simon Tabler: „Die Bürgschaften waren der für das Unternehmen beste Weg, die Liquidität zu sichern. Von der zweiten Bürgschaft haben wir noch keine Mittel in Anspruch genommen.“

Der Konzern prüfe darüber hinaus, die Überbrückungshilfe III zu beantragten. Die Nettoneuverschuldung beziffert der Konzern auf 20,8 Millionen Euro, den Schuldenstand zum Ende des Berichtsjahres auf 33,3 Millionen Euro – das entspricht 22,2 Prozent der Bilanzsumme. Der Erlös aus dem Verkauf nicht mehr benötigter Immobilien – unter anderem die an Karlchens Backstube veräußerte Logistik- und Lagerhalle in Herford – werde in Sondertilgungen fließen. Parallel zum Krisenmanagement nimmt Ahlers das eigenen Angaben zufolge „größte Performance-Programm der Unternehmensgeschichte“ in Angriff. Unter dem Schlagwort „New Tomorrow“, das „Neue Morgen“, wird Ahlers in die Premiummarken Pierre Cardin und Baldessarini investieren, in Kundenorientierung, -ansprache und digitale Vertriebskanäle. Denn das E-Commerce-Geschäft war das einzige, das „im schlechtesten Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte“ gewachsen ist.

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