1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Buende
  6. >
  7. Alltagsbetrachtungen in Zeitlupe

  8. >

Rüdiger Hoffmann spielt sein neues Programm »alles Mega«

Alltagsbetrachtungen in Zeitlupe

Bünde (WB). Willkommen zurück: Rüdiger Hoffmann ließ sich zuletzt recht häufig in Bünde blicken, drei Auftritte in drei Jahren lautete die Bilanz nach seinem jüngsten Abstecher – etwas mehr als 500 Besucher wollten den gebürtigen Paderborner im Stadtgarten sehen.

Karl-Hendrik Tittel

Ja, Hallo erst mal! Auch nach mehr als 30 Jahren auf der Bühne verzichtet Rüdiger Hoffmann nicht auf seinen Willkommensgruß. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Mit dabei hatte der 54-Jährige nicht nur seine zum Markenzeichen avancierten Phrasen »Ja, Hallo erst mal!« und »Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten«, sondern mit »alles Mega« auch sein nagelneues Programm, das inzwischen 13. in seiner mehr als 30 Jahre währenden Bühnenkarriere.

Quälend-langsame Sprechweise

Und wie beim Dutzend zuvor blieb der selbst ernannte »Godfather of Slow-Comedy« auch diesmal seinem Stil weitestgehend treu: trockener Humor, kurios erzählte Alltagssituationen, überraschende Pointen, flache Gags und eine entspannte bis quälend-langsame Sprechweise. So weit, so bekannt.

Neu waren allerdings die detaillierten bis derben Beschreibungen allerlei Körperfunktionen, insbesondere für die Pubertät seines Sohnes nahm er sich viel Zeit. Nun schreiben Komiker aus dem gleichen Grund stets gerne Witze über Heranwachsende, die in den Klauen der eigenen Körperchemie gären, wie über den Berliner Flughafen – weil es sich anbietet.

Zu viel Geschmäckle

Was Hoffmann da aber genüsslich auf der Bühne zelebrierte, hatte schon Geschmäckle. Von diversen Rückständen in der Bettwäsche wie auf dem Badezimmerspiegel wusste er zu berichten, vom Tennisarm seines nicht Sport treibenden Sohnes, von einem Gesicht wie »in Verdun, voller Krater und mit etwas Gestrüpp«, oder davon, dass es sich anhöre, als würden sich »Esel paaren«, wenn der stimmbruchgeplagte Filius zum Gesang ansetze.

Das wurde im Stadtgarten spürbar gemischt aufgenommen. Hoffmanns Programm war strikt episodenhaft aufgebaut. So schlenderte er mit seiner »Bekannten« durch die Swinger- und Fetischszene, dann klimperte er ein Lied über Übergangsjacken, bevor er zum Thema Nachhaltigkeit kam.

Schrotflinte statt Florett

»Wir brauchen keinen Komposthaufen mehr, dafür gibt es jetzt immer Eintopf« oder »Unser Sohn ist zu groß für den Waldkindergarten, also wollten wir ihn bei einer Baumschule anmelden«– auf diese Gags wäre Fips Asmussen stolz gewesen. Die feinen Nuancen in seinen Alltagspersiflagen und der im Deckmantel des Biederen daherkommende Zynismus früherer Programme wurde hier auch geboten, allerdings zu wenig. Anstatt des eloquenten Floretts wählt er oftmals die stumpfe Schrotflinte.

Startseite