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Wintereinbruch im Kreis Herford: kaum Unfälle im Kreisgebiet – Räumdienste im Dauereinsatz

„Am Sender war kein Durchkommen“

Kreis Herford (WB)

3,50 Meter ist das schräg gestellte Schild vor seinem Trecker breit, der pulvrige Schnee wirbelt bei der Fahrt durch die Luft. Jan-Wilhelm Wetehof ist seit Stunden mit seinem Fendt im Einsatz. Als Subunternehmer für die SWK räumt er seit zehn Jahren im Norden der Stadt Herford die Straßen frei.

Kathrin Weege

Jan-Wilhelm Wetehof kämpft sich mit seinem Fendt durch die Schneemassen im Norden der Stadt Herford. Am Sender gibt‘s am Sonntagmorgen kein Durchkommen.

„Am Sender war kein Durchkommen. Die Schneeverwehungen sind dort mehr als 1,50 Meter hoch“, sagt der 35-Jährige. Trotz acht Tonnen Leergewichts seines PS-Boliden kommt auch er nicht problemlos überall durch. „In den Schneewehen fühlt sich das an wie Schlittenfahren“, sagt er. Der Räumdienst sei zwar anstrengend, man müsse sich sehr konzentrieren, „es macht aber auch viel Spaß“, sagt Wetehof.

Das Problem an der Wetterlage sei nicht die Menge von 30 Zentimetern Schnee. „Der Wind verweht alles, es ist sehr kalt dazu und schneit aktuell immer weiter“, bringt er es auf den Punkt. Da Temperaturen bis Samstag noch über Null Grad lagen, taute der Schnee zuerst und fror dann fest. „Wir bekommen ihn nicht ganz los, der klebt auf der Straße. Das ist wie, wenn etwas in der Pfanne anbrennt“, zieht Wetehof einen Vergleich. Auch das Salz könne den Schnee bei den eisigen Temperaturen nicht lösen.

Wenn er auf seinen Touren den Schnee an den Straßenrändern hochschiebt und damit auch mal ein Auto festsetzt, tue ihm das schon leid. „Viele Bürger haben aber Verständnis, irgendwo müssen die Massen ja bleiben“, sagt Wetehof.

Er lobt vor allem die Bürger. „Die meisten sind zu Hause geblieben. Das macht auch für uns die Arbeit auf den Straßen leichter, weil keine liegen gebliebenen Autos die Fahrbahnen versperren.“

Seine Feststellung spiegelt sich auch im Polizeibericht wider. Sprecherin Simone Lah-Schnier sagt: „Es haben sich zwar ein paar Autos festgefahren und mussten am Straßenrand stehen bleiben. Das Einsatzaufkommen war jedoch sehr gering.“ Es seien zwischen Samstagnacht und Sonntagmittag acht witterungsbedingte Verkehrsunfälle bei der Leitstelle gemeldet worden. „Es wurden drei Personen leicht verletzt. Der Sachschaden wird auf 16.000 Euro geschätzt“, so Lah-Schnier.

Leitstelle und Feuerwehr appellierten am Sonntag, dass Bürger die Notrufleitung 112 für echte Notfälle freihalten sollten. Viele Anrufer blockierten die Leitungen, weil sie Unterstützung benötigten beim Freimachen ihrer Fahrzeuge, oder weil sie im Straßenverkehr nicht weiter kämen. „Bisher ist die Lage im Kreis Herford noch überschaubar – der Rettungsdienst erreicht wegen der teils schlechten Straßenverhältnisse jedoch einige Einsatzstellen erst verspätet“, informiert der Kreis Herford.

Die Feuerwehr selber hatte vier Einsätze zu verzeichnen. „Das waren Baumschäden und wir mussten Tragehilfe leisten, weil ein Rettungswagen nicht bis vors Haus kam“, sagt Kreisbrandmeister Bernd Kröger. Die Feuerwehren waren gut vorbereitet, hatten Personal auf der Leitstelle und beim Rettungsdienst aufgestockt. „In allen Rettungswachen stand ein mit Schneeketten ausgerüstetes Fahrzeug“, so Kröger.

In der Nacht auf Montag um 3 Uhr macht sich Jan-Wilhelm Wetehof wieder auf den Weg. Der Räumdienst der SWK war am Sonntag von 6 bis 16 Uhr im Einsatz. Länger ging es nicht, weil alle um 3 Uhr wieder in den Räumfahrzeugen sitzen, sagt SWK-Geschäftsführer Wolfgang Rußkamp. Aufgrund der Schneemassen ist er skeptisch, dass zum Berufsverkehr bereits alle Straßen geräumt sind. Auch die BVO hatte am Sonntag ihren Fahrdienst eingestellt.

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