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Naturschützer fordern die Ausweisung der kompletten Werreauen als Naturschutzgebiet

„Auland ist kein Bauland“

Hiddenhausen (WB)

Nicht besonders positiv fällt die Bilanz des BUND anlässlich des Welttags der Feuchtgebiete aus. Die Kreisgruppe Herford schlägt Alarm, denn mit der geplanten Erweiterung des interkommunalen Gewerbegebiets Oberbehme droht der Verlust einer großen Auenfläche und damit eines Gebiets mit ökologisch wichtiger Funktion.

Daniela Dembert

Die Vorsitzenden der BUND-Kreisgruppe Herford, Bernd Meier-Lammering und Karsten Otte, schauen am Werreufer entlang. Die Flussniederung bietet nicht nur einen einzigartigen Lebensraum und Hort der Artenvielfalt. Das Gebiet übernimmt auch eine wichtige Funktion als Wasserauffangbecken. Foto: Daniela Dembert

Nur etwa acht Prozent der Flussbereiche in ganz Deutschland seien noch naturbelassen, berichtet Bernd Meier-Lammering, Vorsitzender des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) im Kreis Herford.

„Es ist aber wichtig, dass die Auen als Retentionsflächen erhalten bleiben, um innerstädtische Bereiche vor Hochwasser zu sichern“, erklärt Meier-Lammering. Auen und Feuchtwiesen seien preiswerte und natürliche Rückhaltebecken, deren Bedeutung bei den klimawandelbedingt zunehmenden Starkregenereignissen stetig wachse.

„Auland ist kein Bauland“, konstatiert Karsten Otte, stellvertretender Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe. Die Flussniederungen seien nicht zuletzt wichtige Wasserspeicher für die sich mehrenden trockenen Sommer und übten zudem eine Wasser-Filterfunktion aus.

Schon das bestehende Gewerbegebiet Oberbehme ist nach Meinung der BUND-Aktivisten völlig falsch angesiedelt worden, denn es liegt im direkten Überschwemmungsgebiet der Werre. Auf den kartierten Bereich des 100-jährigen Hochwassers sei damals keine Rücksicht genommen, statt dessen das Areal um einen Meter angehoben worden.

Die potentielle Erweiterung des Gewerbegebiets sehen die Planer durch den parallel zur Werre verlaufenden Bahndamm gegen Hochwasser geschützt. Meier-Lammering zweifelt: „Der Wall ist aus grobem Schotter und durchlässig.“

Massive Kritik übt der Biologe auch an der Flächenwirtschaft. Mit der großzügigen Ausweisung von Neubauflächen schürten die Kommunen wenig Motivation zum Flächensparen. Bauwilligen stünden verschiedene Optionen offen, die eine Zersiedlung begünstigen. Dies zeige, dass wenig auf landschaftliche und ökologische Gegebenheiten geachtet werde. „Der Plan ist der Supergau was die Vernetzung von Biotopen angeht“, meint Otte. Es fehle an einem schlüssigen Konzept zur Verbindung der Naturlebensräume.

Die Werreauen seien ein wichtiges Vernetzungsglied und ein „Hotspot der Diversität“. Sie beherbergten eine Vielfalt an Insekten, Fledermausarten, Vögel wie Pirol, Regenpfeiffer und Eisvogel, Amphibien wie Kreuzkröte und Rotbauchunke. Sogar Säuger wie der Fischotter und der Biber fühlten sich hier heimisch, zählt Meier-Lammering auf. Daher fordere der BUND gemeinsam mit anderen Naturschutzorganisationen die Ausweisung der kompletten Werreauen als Naturschutzgebiete.

Mit den Bürgermeistern der Kommunen Hiddenhausen und Kirchlengern wolle man gern noch einmal ins Gespräch kommen, denn es gebe eine Menge zukunftsweisender Ansätze, um den Flächenfraß einzudämmen, Gewerbegebiete ökologisch aufzuwerten und natürliche Korridore zu erhalten.

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