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Eltern unzufrieden mit Polizeipräsenz an Grundschule Bünde-Mitte – weiterer Vorfall aus Ennigloh gemeldet

Bald privater Sicherheitsdienst?

Bünde   (WB). Nachdem zwei Männer versucht haben sollen, Schülerinnen der Grundschule Bünde-Mitte in ein Auto zu locken, erwägen einige Eltern, einen privaten Sicherheitsdienst zu engagieren. Und das, obwohl die Polizei zuletzt verstärkt Streife fuhr.

Hilko Raske

Zweimal sollen Unbekannte versucht haben, Schülerinnen der Grundschule Bünde-Mitte in ein Auto zu locken. Foto: Daniel Salmon

Weiterer Vorfall im Stadtteil Ennigloh?

Zu einem weiteren derartigen Vorfall soll es an der Grundschule Ennigloh gekommen sein. Das bestätigt Simone Lah-Schnier, Sprecherin der Kreispolizei. „Am Mittwoch ist gegen 15 Uhr ein neunjähriges Mädchen von einem Mann aus einem dunklen Auto heraus angesprochen worden. Das Kind hat sich richtig verhalten und ist einfach weitergegangen. Sein Vater hat den Vorfall auf der Polizeiwache Bünde gemeldet.“

„Viele Eltern sind extrem beunruhigt. Das Vertrauen in die öffentliche Sicherheit hat bei ihnen stark nachgelassen“, sagt der Vater eines neunjährigen Mädchens, das am Montag von zwei Fremden aus einem Auto heraus angesprochen worden sein soll. Die Männer sollen dem Kind Süßigkeiten versprochen haben, wenn es ins Auto steigt. Der Vater hatte versucht, Strafanzeige auf der Polizeiwache in Bünde zu stellen. Dazu war es aber nicht gekommen, da nach Einschätzung der Behörde kein Straftatbestand vorliegt.

„Einige Eltern prüfen schon die Kosten für einen privaten Sicherheitsdienst“, erzählt der Vater. Die Umsetzung sei sicher nicht einfach. „Es ist ein starkes Stück, dass man inzwischen solche Maßnahmen in Erwägung ziehen muss.“ Zwar sei die Polizei nach Bekanntwerden des zweiten Vorfalls am Schulgelände deutlich präsent. „Aber nur kurz vor Schulbeginn und nach der letzen Unterrichtsstunde über den Schulhofzaun zu schauen, macht nicht viel Sinn.“

Mit den Vorfällen hatte sich am Mittwochabend auch der Jugendhilfeausschuss beschäftigt. Bereits im Vorfeld der Sitzung hatte CDU-Bürgermeisterkandidat Martin Schuster betont, dass er sich dafür einsetzen werde, dass Kinder, Eltern und Lehrer der Bünder Grundschulen nicht allein gelassen würden. Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte Schuster gesagt , dass vielleicht auch neue Organisationsformen wie Weggemeinschaften gebildet werden müssten, damit Kinder nicht allein gelassen würden.

„Auf Kosten der Bürger gespart“

Derartige Weggemeinschaften seien denkbar, sagt der Vater des betroffenen Mädchen. „Damit wird das Problem aber nicht aus der Welt geschafft.“ Er und seine Frau jedenfalls wollten ihre Tochter, die immer noch unter den Folgen des Vorfalls leiden würde („Sie schläft ganz schlecht ein“) in der nächsten Zeit immer selber zur Schule bringen und auch abholen. Zudem finde er es nicht gut, dass dieses Thema nun politisch für die nahende Kommunalwahl ausgeschlachtet werde. „In der Vergangenheit wurde auf Kosten der Sicherheit der Bürger gespart – das macht sich nun bemerkbar“, ist sein Eindruck.

Strafantrag

Er jedenfalls wolle in der Sache noch einmal einen Strafantrag stellen. Er habe bereits einen Termin bei der Kreispolizeibehörde. „Falls die Polizei sich erneut querstellt, gehe ich direkt zur Staatsanwaltschaft. Was meiner Tochter passiert ist, war eine versuchte Entführung. Und nach dem Strafgesetzbuch ist schon dieser Versuch strafbar.“

Schule nimmt Elternsorgen ernst

Dass Eltern überlegen würden, einen privaten Sicherheitsdienst zu engagieren, sei für ihn neu, sagt Sven Bartling, Leiter der Grundschule Mitte. „Ich verstehe, dass die Eltern derzeit beunruhigt sind. Wir als Schule nehmen die Sache sehr ernst.“ Die verstärkte Polizeipräsenz werde positiv wahrgenommen, meint der Schulleiter.

Und wie sieht die Polizei die Absicht der Eltern, einen privaten Sicherheitsdienst einzuschalten? „Das ist eine Entscheidung der Eltern, auf die wir keinen Einfluss haben“, sagt Polizeisprecherin Simone Lah-Schnier. Die Polizei nehme selbstverständlich die Sorgen der Eltern sehr ernst. „Deshalb zeigen wir verstärkt Präsenz und befinden uns in einem stetigen Austausch mit den Schulleitungen.“ In diesem Zusammenhang bittet die Polizei noch einmal um Zeugenhinweise. Vor allem die Frau, die einer Grundschülerin am Donnerstag vor einer Woche helfend zur Seite gestanden haben soll, wird gebeten, sich zu melden: 05221/8880.

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