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20 Pferde stehen im Stall in Kirchlengern – Heulage-Ballen brennen – Polizei hat Videomaterial vom mutmaßlichen Täter

Brandstifter legt Feuer am Gestüt

Kirchlengern (WB)

Flammen schlagen Mittwochabend gegen 21.10 Uhr am Gestüt der Familie Ciesler empor. Gut 20 wertvolle Pferde stehen in den Boxen. Mit einem Großaufgebot rückt die Feuerwehr zur Alten Quernheimer Straße aus – es wird die höchste Alarmstufe ausgelöst. Wieder einmal scheint es sich um Brandstiftung zu handeln.

Kathrin Weege

Der Betreiber der Anlage, Kay Christian Ciesler (links), ist fassungslos. Er bleibt mit seinem Bruder Matthias auf der Stallgasse und sieht nach den Tieren. Foto: Kathrin Weege

Kleine Entwarnung dann bei der Ankunft: Es brennen vor dem Gebäude des Gestüts Falkenhöh mit angeschlossener mit Hengstaufzuchtstation gelagerte Heulage-Ballen – also „nur“ das Pferdefutter, nicht die Anlage selber. Die Rauchentwicklung ist enorm. Aber die Tiere sind in Sicherheit. Obwohl Qualm in die Stallungen zieht, bleiben die Vierbeiner ruhig.

Um 21.08 Uhr wird Kay Christian Ciesler, Betreiber des Gestüts, auf sein Handy aufmerksam. Die Videoüberwachung meldet eine unbekannte Person auf dem Gelände. Bei der genauen Überprüfung der Kamera kann nach Angaben der Polizei eine männliche Person mit kräftiger Statur und wenig Haaren erkannt werden, bekleidet mit einem hellen, kurzärmeligen Shirt sowie dunkelblauer Weste. Der bisher Unbekannte trug ein graues Halstuch, das er sich ins Gesicht gezogen hatte.

„Wir haben selber die Feuerwehr angerufen, aufmerksame Nachbarn hatten das auch schon getan“, sagt Ciesler. Er fährt sofort los. Schon von Weitem sieht er die hellen Flammen. „Ich habe mit dem Schlimmsten gerechnet. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das Feuer auf die Stallungen übergegriffen hätte“, so der Geschäftsführer des Gestüts.

Vor dem Pferdestall lagern etwa 50 folierte Futterballen, die in Brand geraten sind. „Wir sind mit 75 Einsatzkräften angerückt. Das Feuer hatten wir recht schnell unter Kontrolle“, erklärt Einsatzleiter Frank Rieke. Nach den ersten Löscharbeiten bleiben 40 Brandbekämpfer noch bis 2.30 Uhr vor Ort. „Wir haben die Ballen auseinander gefahren, um sie komplett ablöschen zu können“, informiert der Feuerwehrchef. Oberstes Ziel sei natürlich gewesen, in jedem Fall ein Übergreifen der Flammen auf die Stallungen zu verhindern. „Es hat sich schon eine ganz enorme Hitze entwickelt“, sagt Rieke.

Die Pferde bleiben trotz des Qualms, der auch in ihren Stall zieht, und dem Blaulicht-Gewitter relativ entspannt. Ihre bekannten Pfleger sind vor Ort. „Zunächst stand nicht fest, ob die Tiere in den Boxen bleiben können. Die Feuerwehr hatte uns schon vorgewarnt, dass wir sie möglicherweise rausholen müssen“, sagt Matthias Ciesler, Bruder des Betreibers. Pferde seien sehr anfällig für Kohlenmonoxid-Vergiftungen. „Man bemerkt die Folgen aber oft erst ein paar Tage später“, weiß er. Ein Tierarzt hat die Hengste, Stuten und Jungtiere am Donnerstag untersucht. Besonders um die hochtragenden Zuchtstuten hatte Familie Ciesler Sorge. Ein Feuerwehrmann sei aber die ganze Zeit in den Stallungen gewesen und habe die Kohlenmonoxid-Werte kontrolliert. „So viel Stress ist nicht gut für die Tiere. Gerade unsere Laska ist ein sehr sensibles Pferd und bekommt in wenigen Wochen ihr Fohlen“, weiß Kay Christian Ciesler.

Matthias Ciesler

„Meine Familie und ich danken den zahlreichen Einsatzkräften unserer Feuerwehr und Polizei für den schnellen und professionellen Einsatz. Sie haben die Tiere vor Schaden bewahrt. Darüber hinaus verurteilen wir diese Tat auf das Schärfste und sind schockiert hinsichtlich dieses feigen Übergriffs“, sagt Matthias Ciesler.

Der Sachschaden der verbrannten Heulage-Ballen wird auf 4000 Euro geschätzt. „Wir haben aber noch mehr Futter gelagert. Gleichzeitig haben sich viele Landwirte und Pferdefreunde bei uns gemeldet und uns Hilfe angeboten. Das ist wirklich sehr nett“, betont Matthias Ciesler.

Eine erste Nahbereichsfahndung der Polizei ergibt am Abend nichts, die weiteren Ermittlungen sowie die Auswertung des Videomaterials dauern an. Zeugen, die verdächtige Personen im Bereich Quernheim gesehen haben, werden gebeten, sich unter 05221/8880 zu melden.

Bei dem Gestüt Falkenhöh handelt es sich um ein Millionen-Projekt. Erst im Jahr 2019 wurde es eröffnet. Die Betreiber planen weitere Gebäude,die Familie möchte ein Hotel dort eröffnen. Insgesamt bietet der Stall Platz für 32 Pferde – in Einzelboxen und Laufställen für die Jungtiere.

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