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Unter der Bahnbrücke an der Gerhart-Hauptmann-Straße bleiben öfter Lkw stecken

Bündes Nadelöhr

Bünde (WB). Vor allem in Bünder Facebook-Gruppen werden sie regelmäßig eingestellt: Bilder von Fahrzeugen, die unter der Eisenbahnbrücke an der Gerhart-Hauptmann-Straße steckenbleiben. Doch wie oft behindern Lastwagen oder Transporter dort den Verkehr? Die Redaktion hat bei der Polizei nachgehakt.

Daniel Salmon

Die Polizei wurde nach Angaben von Behördensprecher Uwe Maser seit 2015 14 Mal zur Bahnbrücke an der Gerhart-Hauptmann-Straße gerufen, weil Transporter oder Lkw dort stecken blieben. Laut einer unmittelbaren Anwohnerin würden die Ordnungshüter in den meisten Fällen aber gar nicht alarmiert. Foto: Daniel Salmon

Wer halbwegs aufmerksam unterwegs ist, entdeckt schnell die Hinweiszeichen an den Straßenschildern vor und hinter der Überführung. 2,7 Meter dürfen Fahrzeuge demnach maximal hoch sein, um unter der Brücke langfahren zu können. Auch an dem Bauwerk selbst sind an beiden Seiten entsprechende Schilder angebracht. Zuletzt hatte in der vergangenen Woche ein Transporterfahrer trotz der Warnhinweise versucht, das „Nadelöhr“ zu passieren – und blieb stecken.

Sechs Mal in diesem Jahr

Sein Fall fließt in die polizeiliche Statistik ein. Doch die offiziellen Zahlen, die Behördensprecher Uwe Maser bereithält, sind auf den ersten Blick wenig spektakulär. So seien zwischen 2015 und 2018 insgesamt nur acht Fälle öffentlich geworden, bei denen sich Lastwagen oder größere Transporter an der Brücke verhakt hätten. „In diesem Jahr wurden wir bereits sechs Mal dort hingerufen“, berichtet der Beamte. Gleichwohl will er nicht ausschließen, dass die Dunkelziffer der „Steckenbleiber“ höher liegt.

Diese vorsichtige Einschätzung untermauert auch eine Anwohnerin der Gerhart-Hauptmann-Straße. Ihre Wohnung liegt nur einen Steinwurf von der Brücke entfernt. „Sieben Jahre lebe ich hier. Hundert Mal haben Fahrzeuge schon in der Unterführung gesteckt. Wahrscheinlich sogar öfter“, sagt die Frau. Sie fährt fort: „Das knallt oft ziemlich derbe. Mein Hund erschreckt sich dann immer.“

Polizei wird selten gerufen

Meistens seien es ihrer Aussage nach größere Transporter, die an der Brückeneinfahrt hängen blieben, Lastwagen seien eher die Ausnahme. „Die Polizei kommt aber nur in den allerseltensten Fällen“, so die Anliegerin weiter: „Und oftmals hat das dann ein ganz schönes Verkehrschaos zur Folge: Wegen der ganzen anderen Autos, die in die Straße fahren, dann nicht weiterkommen und wieder wenden.“

Nach Angaben von Polizeisprecher Maser würden die Fahrer in solchen Fällen etwas Luft aus den Reifen lassen, so die Fahrzeughöhe verringern und dann einfach weiterfahren. „Das ist aber Unfallflucht. Wer so etwas beobachtet, sollte uns sofort verständigen“, sagt er. Maser betont zudem, dass auch kleinere Zusammenstöße mit der Brückendecke nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten: „Schließlich ist es möglich, dass die Statik der Brücke beeinträchtigt wird.“

Kosten und Aufwand

Deshalb müsse nach einem gemeldeten Crash der Zugverkehr in der Regel zunächst gesperrt werden. Ein Sachverständiger der Bahn werde dann benachrichtigt, der sich die möglichen Schäden genau ansehe, bevor die Loks wieder rollen dürften. Doch diesen Aufwand – und die damit verbundenen Kosten – lassen wohl nicht wenige Verkehrsteilnehmer zu Unfallflüchtigen werden.

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