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Traurige Foto-Safari am Bünder Doberg: Seit Pandemie-Beginn kommen mehr Besucher und lassen ihren Müll in der Landschaft zurück

Corona-Masken verschmutzen Naturschutzgebiet

Bünde (WB)

Von wegen Natur-Idylle: Fast alle 50 Meter entdeckt man am Wegesrand des Bünder Doberg-Naturschutzgebietes eine türkise OP-Maske. In den Büschen liegen Glas- und Plastikflaschen, Kippenschachteln, Chipsdosen und sonstiger Müll. Die Suche nach einem frühlingshaften Bildmotiv wird zur ziemlich traurigen Foto-Safari.

Daniel Salmon

Auf den Wegen und im Dickicht des Bünder Doberg-Naturschutzgebietes liegen zahlreiche medizinische Corona-Schutzmasken. Foto: Daniel Salmon

Der Unrat ist eine indirekte Folge der Corona-Pandemie, wie der Kreis Herford – er verwaltet den Doberg, der dem Land NRW gehört – auf WESTFALEN-BLATT-Nachfrage mitteilt. „Grundsätzlich beobachtet die Untere Naturschutzbehörde des Kreises, dass die Ablagerung von Müll in den Naturschutzgebieten seit Corona in den letzten Monaten zugenommen hat“, erklärt Kreissprecher Patrick Albrecht. Das liege vor allem daran, dass Bürger die heimischen Naturschutzgebiete sehr viel häufiger als vor der Corona-Pandemie aufsuchen würden. Albrecht: „Etwa, um dort spazieren zu gehen. Damit erhöhen sich auch die Müllablagerungen.“

Um die Umwelt zu schützen, müsse an jeden Einzelnen appelliert werden: „Müll hat nichts in der Natur zu suchen und sollte ordnungsgemäß entsorgt werden“, sagt der Kreissprecher. Er weist darauf hin, dass die in den Naturschutzgebieten – also auch am Doberg – gekennzeichneten Fußwege zum Schutz der Natur und der Wildtiere nicht verlassen werden dürfen. Das gelte auch für Hunde, die laut der aufgestellten Infotafeln zudem angeleint bleiben müssen. Dass sich daran nur wenige halten, wird vor Ort schnell deutlich: Ein Hundehalter lässt seinen Vierbeiner einfach frei laufen. Auf den eigentlich geltenden Leinenzwang angesprochen erwidert der Mann: „Das machen doch alle so.“

Das Einsammeln der „fortgeworfenen und verbotswidrig abgelagerten Abfälle“ – so nennt sich wilder Müll im Fachjargon – von den der Allgemeinheit zugänglichen Flächen ist, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen, übrigens eine Aufgabe der Städte und Gemeinden, wie es aus dem Herforder Kreishaus heißt.

„Wird jemand erwischt, wenn er Müll in die Gegend wirft oder verbrennt, oder wenn sich aus den Abfällen Rückschlüsse auf den Verursacher ziehen lassen, können sowohl die Städte und Gemeinden als auch wir ein Bußgeld verhängen“, erklärt Albrecht. Die Höhe der Strafe hänge von Art und Menge der Abfälle ab: „Das beginnt bei 20 Euro und kann im Extremfall auch über 1000 Euro betragen.“

Die Folgen der Vermüllung der Natur, vor allem mit Plastik, sind – und das sollte eigentlich allgemein bekannt sein – gravierend. Albrecht: „Mikroplastikteile schaden dem Ökosystem und dringen in die Organismen von Tieren ein, wo sie gesundheitliche Schäden anrichten oder auch zur Unfruchtbarkeit führen können. Auch Glasscherben können erheblichen Verletzungen verursachen.“

15.000 Euro kostet wilder Müll die Stadt pro Jahr

Nach Auskunft aus dem Bünder Rathaus haben die Ablagerungen von wildem Müll im Stadtgebiet im Allgemeinen seit Beginn der Pandemie nicht zugenommen. Unerlaubte Ablagerungen gebe es laut Sprecherin Doris Greiner-Rietz demnach hauptsächlich an den Glascontainern, auf Feldwegen und an anderen schlecht einsehbaren Stellen. Pro Jahr muss die Stadt im Schnitt 15.000 Euro für die Entsorgung von wildem Müll zahlen.

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