Dirk Kaiser: „Herbst ist eigentlich wichtigste Zeit für uns“

Corona: Universum muss erneut schließen

Bünde (WB). Den Entwurf des Bundes zu den geplanten massiven Einschränkungen im Veranstaltungsbereich liest Dirk Kaiser am Morgen schon im Internet, am späten Nachmittag verfolgt er die Pressekonferenz mit Angela Merkel: Eigentlich sei er der Optimist im „Team Universum und Stadtgarten“. „Langsam fällt’s mir aber schwer zu sagen: Wir schaffen das schon“, sagt der 62-Jährige. Seine Stimme klingt verbittert. Ab Montag muss Kaiser Universum und Stadtgarten den kompletten November schließen, alle Termine absagen.

Kathrin Weege

Intendant Dirk Kaiser sitzt im leeren Saal des Universums. Foto: Hilko Raske

Seit August hat es 22 Veranstaltungen gegeben. „Immerhin. Das ist durchaus etwas Positives, nicht alle Kulturanbieter haben das geschafft“, meint der Intendant des kleinen Schauspielhauses an der Bahnhofstraße. Etwa 70 Termine sind allerdings der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen.

Herbst-/Wintersaison wichtig

Die Herbst-/Wintersaison sei für Universum und Stadtgarten die stärkste und wichtigste Zeit, ein erneuter Lockdown gleiche einer Katastrophe. Diese Woche sind fünf Veranstaltungen angesetzt, kommende vier. Und in so einer Taktung sollte es durch die dunkle Jahreszeit gehen. Dabei darf Kaiser nach der Corona-Verordnung nur 100 Leute ins Universum (250 Plätze stehen eigentlich zur Verfügung) lassen – mit entsprechenden Abständen. „Auftritte lohnen sich allerdings erst, wenn der Saal zu zwei Dritteln ausgelastet ist“, erklärt er.

Trotzdem hat er den Betrieb aufrecht erhalten. Auch, um nicht aus dem Gedächtnis der Bünder zu verschwinden. „Eine Schließung von mehr als einem halben Jahr und einem anschließenden Start käme einer Neueröffnung gleich“, meint Kaiser. Und dann gilt’s, Besucher erst einmal wieder zu überzeugen. Das hat das Universum bisher nie nötig gehabt.

Permanent lesen Kaiser und sein Team die neuesten Verordnungen, passen ihre Hygienekonzepte an, halten sich an alle „Spielregeln“. Seit gut einer Woche tragen die Besucher Masken im Saal. Es gibt extra Personal, das die Plätze zuweist, immer 1,5 Meter Abstand sind zwischen unterschiedlichen Hausständen einzuhalten.

Universum mit Zollstock vermessen

Kaiser und sein Techniker sind mit dem Zollstock durch den gemütlichen Saal gegangen und haben alles nachgemessen. Da nehmen sie’s ganz genau. Auch das Eintragen in Listen seitens der Besucher wird geprüft. „Für diese ganzen Maßnahmen brauchen wir Extra-Personal“, sagt der Universum-Intendant. Was viele gar nicht wissen: Schon immer wird im Universum dank Lüftungsanlage viermal in der Stunde die komplette Raumluft ausgetauscht.

Eines ärgert ihn besonders: „Die Verordnungen treffen immer und immer wieder die Veranstaltungsbranche.“ Dabei seien auf Grund der immer wieder überarbeiteten Konzepte – mit guten Möglichkeiten der Kontaktverfolgung – gar keine besonderen Infektionsgeschehen nachzuweisen gewesen. Alle Gäste blicken nach vorne, tragen Masken, es wird nicht gesprochen. Kaiser: „Bei uns ist es sicherer als in manchem Geschäft.“ Diesen kleinen Seitenhieb kann er sich nicht verkneifen.

Bereits 10.000 Tickets umgebucht

„Gerade in dieser Zeit ist Kultur für die Menschen wichtig, um einmal den Alltag verlassen zu können. Das sagen uns unsere Besucher immer wieder. Sie betonen, dass sie sich bei uns sicher fühlen und bedanken sich für den schönen Abend“, erklärt Dirk Kaiser.

Mit dem Lockdown steht fest: Den kompletten November über werden keine Veranstaltungen stattfinden. „Ich gehe davon aus, dass es dann im Dezember auch schwierig für uns wird“, sagt Kaiser. 11.000 Tickets hat er dieses Jahr schon umgebucht, das Geld für 1000 Karten rückerstattet. Termine wurden vom Frühjahr auf den Herbst bis ins neue Jahr verschoben – schon beim ersten Shutdown. Nicht nur für die Kulturhäuser wie Kinos, Theater und mehr sei die Pandemie eine immense Herausforderung. „Auch die Künstler leiden. Sie haben teilweise Programme neu geschrieben, die sie nicht ein einziges Mal präsentieren konnten“, bedauert Dirk Kaiser.

Er hofft nun auf 2021 – darauf, dass sich alles etwas beruhigt und die Bürger weiter Lust auf Kultur im Stadtgarten und Universum haben. Ein bisschen ist und bleibt er eben doch gerne ein Optimist.

Kommentar

Ob mit oder ohne zweiten Lockdown: Die ganzen Einschränkunken wegen der Corona-Krise treffen seit Monaten vor allem die Veranstalter in Bünde bis tief ins Mark. Gerade hatten Betreiber von Kinos und Theaterhäusern etwas aufgeatmet, da schnellen seit gut 14 Tagen die Infektionszahlen dermaßen in die Höhe, dass seit Inzidenzen von 35 Masken auch auf den Sitzplätzen getragen werden müssen, teils nach Verordnung ab der Risikogrenze 50 nur noch 20 Prozent Saalauslastung erlaubt sind. Und jetzt: vier Wochen keine Vorstellungen – in der wichtigsten Zeit, in der Herbst-/Wintersaison.

Nun bleibt nur eines: Hoffen, dass die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen sind. Denn auch nach der Krise – wann immer das auch sein wird – wollen die Bünder in ihrer Stadt Kultur erleben.

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