1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Buende
  6. >
  7. Der Figuren-Drucker

  8. >

Bünder Axel Zobel gestaltet Lego-Männchen – Fußballverein Paris Saint-Germain lässt sich Team in Miniatur bauen

Der Figuren-Drucker

Bünde (WB)

Er kann sie alle in ein Lego-Männchen verwandeln: den neuen amerikanischen Präsidenten Joe Biden, Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un oder den typischen deutschen Strand-Urlauber. Axel Zobel kreiert und bedruckt kleine Figuren, wie man sie vom Hersteller so nicht bekommen kann. Seine Kunden sind namhaft: So hat er schon für BMW oder den Fußballverein Paris Saint-Germain Aufträge übernommen.

Kathrin Weege

Axel Zobel bedruckt kleine Lego-Figuren, wie man sie vom Hersteller so nicht bekommen kann. Foto: Kathrin Weege

Bei allem achtet der 44-Jährige auf Details: So trägt Cristiano Ronaldo das Juventus-Turin-Trikot. „Der Strand-Urlauber hat Sonnenbrand, etwas Bauch, Stoppeln auf der Brust und Tennissocken an“, sagt Zobel mit einem Augenzwinkern.

In einem Hinterzimmer des Ladens „Sweet Rockin‘ 50s“, den er mit seiner Frau Maren betreibt, steht der UV-Drucker. Gerade sind gelbe Köpfchen eingespannt. „Das werden Mädchen mit einem Zwinkerauge“, verrät der 50er-Jahre-Fan. Und das Geschäft ist durchaus lukrativ. Musste „Sweet Rockin‘ 50s“ wegen des Lockdowns 2020 wiederholt ganz schließen, lief das Figuren-Geschäft auf Hochtouren. „Das hat uns gerettet“, sagt Zobel offen heraus. Viele Firmen hätten während der Pandemie Figuren mit ihren Logos für Kunden oder Mitarbeiter bestellt. „Ich bin voll bis Februar“, sagt der Bünder, der plant, einen zweiten Drucker anzuschaffen.

Doch wie hat alles angefangen? 2012 wünscht sich Louis – sein Sohn ist gerade vier Jahre alt – einen Lego-Müllwagen. Den kauft die Familie. „Doch Louis war enttäuscht, denn das Fahrzeug sah nicht aus, wie die, die bei uns unterwegs sind. Also habe ich überlegt, wie ich das grün-weiße Ding in orange und mit dem Schriftzug ‚Berg‘ umwandeln kann“, erinnert sich Zobel.

Dieses Männchen steht für 2020: Mit Maske und dem „Stay Home“ Schriftzug (links). Der Geistermatrose hat den passenden Blick drauf und Superfußballer Cristiano Ronaldo trägt selbstverständlich das Juventus-Turin-Trikot. Foto: Kathrin Weege

Er tüftelt und tüftelt, bestellt sich schließlich einen günstigen Drucker in England. Den Müllwagen kann er so umgestalten, dass sein Sohn zufrieden ist. „Doch die Sache hat mich nicht wieder losgelassen“, sagt der Familienvater. Er bedruckt fortan Lego-Steine mit Firmenlogos und auch die Männchen. 2015 haben ihn dann öfter Leute auf seine Figuren angesprochen. Es folgt der erste Großauftrag. „Ein englisches Krankenhaus hat sich die komplette Belegschaft aus Lego gewünscht. Die Mitarbeiter sollten sich anhand von Brille, Bart etc. selber erkennen können. Ich habe nach Fotos gearbeitet“, blickt der 44-Jährige zurück. Von diesem Auftrag kauft er sich einen neuen Drucker – und der läuft seither Stunde um Stunde.

Es flattern immer mal wieder außergewöhnliche Aufträge ins Haus. 2017 druckt er die vier Finalteams der EHF Champions League Handballmeisterschaften in der Kölner Lanxess Arena – natürlich alle im passenden Trikot. Ein Folgeauftrag kommt daraufhin vom Fußballverein Paris Saint-Germain, der sich seine Spieler auch als Lego-Variante wünscht.

In Zobels Büro stehen etliche Kisten mit Lego-Steinen. Ein einzelnes Männchen besteht aus Kopf, Haaren/Hut, Oberkörper und Beinen. Alles gibt es schon als Rohversion in den unterschiedlichsten Farbvarianten. Am PC entwirft Zobel auch komplett Neues – beispielsweise einen Lastwagen nach dem Foto des Auftrag gebenden Unternehmens.

„Aus Legosteinen und den Klötzchen anderer Hersteller – das Patent auf die Steine mit den Noppen hat Lego seit 2010 nicht mehr – lässt sich fast alles realisieren“, so der Bünder. Er bietet dem Kunden zudem die entsprechende Verpackung an. Die kleinen Teile in den Drucker einzuspannen, ist viel Arbeit. Etwa 20 Minuten dauert ein Druckvorgang, wenn auf hellen Steinen gedruckt wird, bei dunkleren verdoppelt sich die Zeit, weil erst eine Weiß-Schicht erforderlich ist. Der Drucker läuft im Hinterzimmer, während Zobel sich im 50er-Jahre-Laden um seine Kunden kümmert – in Nicht-Corona-Zeiten.

Wer sich für die Figuren von Axel Zobel interessiert, findet alle Infos unter:

www.hall-of-bricks.de

Startseite